Was taugt das Bill Gates Depot? | „Roast the Finanzexperte“ #3

Herzlich willkommen bei Roast the Finanzprodukt. In meiner Show brutzele ich Finanzprodukte so richtig durch. Heute gibt es eine Special-Edition, nämlich Roast the Finanzexperte! Und da habe ich unfreiwillig Bill Gates zu Gast.

Bill Gates ist eigentlich weniger als Finanzexperte bekannt. Man kennt ihn eher als Gründer von Microsoft. Sein unternehmerisches Geschick hat ihn jedoch zu einem der reichsten Menschen der Welt gemacht. Er sitzt auf einem Geldberg von rund 110 Milliarden US-Dollar. Dieses Geld will irgendwie verwaltet und investiert werden.

Ich würde sagen, schmeißen wir das Depot von Bill Gates auf den Finanzgrill!

Was zeichnet Bill Gates aus?

Im Vergleich zu anderen Superreichen setzt Bill Gates stärker auf Aktien.

„Die Strategie bei unseren Investments besagt, über 60 Prozent in Aktien zu halten.“

Quelle: finanzen.net

Das sagt Gates über seine eigene Strategie. Laut CNBC investieren die Family Offices dieser Welt durchschnittlich zu rund 30 Prozent in Aktien.

Bill Gates sollte ein Aktienvermögen von ungefähr 70 Milliarden Dollar besitzen.

Falls du dich wunderst, woher ich das Depot von Bill Gates kenne. Ich bin eng mit dem guten Bill befreundet. Mittags beim Käffchen hat er dann ausgepackt.

Nein, Spaß beiseite. Das Ehepaar Gates leitet die Bill & Melinda Gates Foundation. Ein großer Teil ihres Vermögens steckt darin. Als gemeinnützige Organisation muss die Foundation ihr Portfolio regelmäßig offenlegen. Das geschieht alle drei Monate. Die letzten Daten kamen am 30. September 2019 heraus. Ich habe dieses Video am 20. Dezember gedreht. Genug der Einleitung, rösten wir das Bill Gates Depot schrittweise durch.

Das Depot bestand am 30. September aus insgesamt 18 Aktien. Ich beschränke mich jedoch auf die 9 größten Positionen. Die restlichen 9 Aktien machen nur geringe Prozentwerte aus.

Du siehst in der Grafik die Verteilung der 9 größten Positionen. Was fällt dir auf? Die größte Position nimmt den Löwenanteil des Portfolios ein. Mehr als die Hälfte ist in diesem Wertpapier investiert.

Bevor es losgeht, noch ein kleiner Tipp. Es gibt einen Broker, wo du Aktien für nur 1 € kaufen kannst. Außerdem kannst du dort ETFs für dauerhaft 0 € handeln.

1. Berkshire Hathaway

Bill Gates ist eng mit Warren Buffett befreundet. Die Börsenlegende ist Eigentümer eines besonderen Unternehmens. Und dieses Unternehmen ist zu rund 54 % im Depot von Bill Gates gewichtet. Es ist Berkshire Hathaway.

Das ist eine Aktie, aber dann doch wieder nicht. Denn Berkshire ist eine Holdinggesellschaft, zu der über 80 Firmen gehören.

Auf den ersten Blick geht Bill Gates mit Berkshire ein enormes Risiko ein. Wer 54 % in eine Aktie investiert, begeht finanzielle Kamikaze. Normalerweise. Aber Berkshire ist kein normales Unternehmen. Gates kauft sich über Berkshire indirekt über 80 Aktien in sein Portfolio ein.

Ohne Zweifel, der Aktienkurs ist bombastisch. Die Frage ist nur: Kann sich Berkshire weiterhin positiv entwickeln? Buffett wird aktuell für seine gigantische Cash-Reserve kritisiert. Es scheint, als wüsste er nicht, wie er dieses Geld anlegen soll.

Ich sehe das weniger tragisch. Vielleicht geht er von einem Börsencrash aus und möchte dann günstig zulegen. Ich fürchte jedoch ein anderes Problem und das ist alles andere als schön.

Warren ist leider nicht mehr der Jüngste. Nächstes Jahr feiert er seinen 90. Geburtstag. Für sein Alter sieht er noch jung und vital aus. Die Frage aber, wie lange das so bleibt. Natürlich hat er bereits Nachfolger bei Berkshire installiert. Trotzdem: Berkshire ohne Buffett ist nicht mehr dasselbe. Es fehlt das gewisse Etwas.

Sollte Buffett eines Tages versterben, wird Berkshire sein Zugpferd verlieren. Wie gesagt, hoffen wir, dass Buffett weit über 100 Jahre alt wird. Als Investor müssen wir uns aber mit unschönen Gedanken beschäftigen. Berkshire hat viele Fans nur wegen Buffett.

Ich denke nicht, dass Ted Weschler und Todd Combs die jährliche Hauptsammlung so wie unser guter Warren füllen können. Das sind die potenziellen Buffett-Nachfolger. Bei Buffett höchstpersönlich werden stolze Aktionäre zu Fanboys.

Ich persönlich würde Berkshire daher nicht zu 54 % in meinem Portfolio gewichten. Aber ich verstehe, warum die Aktie so viele Fans hat. Es steckt wirklich echte Substanz hinter dem Unternehmen. Man muss sich aber ehrlich fragen, was Berkshire ohne Buffett wert ist.

2. Waste Management

Die nächste Aktie im Bill Gates Depot ist Waste Management.

Sie macht einen Anteil von 10,1 % aus. Das US-amerikanische Unternehmen ist in der Abfallentsorgung tätig. Müll ist ein relativ stabiles Geschäft. Wir Menschen produzieren auch zu Krisenzeiten reichlich Müll. Deshalb sollten die Umsätze selbst bei einer größeren Krise relativ stabil bleiben.

Gates hält über seine Stiftung rund 4 % der Aktien. Zusätzlich kommen durch Cascade Investment weitere 3 % hinzu. Das ist eine von ihm gegründete Investmentgesellschaft und Holding. Insgesamt besitzt er fast 8 % von Waste Management.

Die restlichen Aktien stelle ich im Schnelldurchlauf vor, da ihr Anteil immer unwichtiger wird. Ich möchte lieber über die Strategie hinter dem Portfolio sprechen. Die Aktien fügen sich alle wunderbar in eine Strategie ein.

3. Canadian National Railway

Das nächste Unternehmen ist Canadian National Railway. Der Anteil liegt bei bisschen über 7 %. Wie es der Name schon sagt, handelt es sich um eine Eisenbahngesellschaft. Ebenso wie Waste Management ist das ein konservatives Business.

Im Gegensatz zu Deutschland ist Kanada deutlich größer. Außerdem gibt es schöne Strecken zu erkunden.

Viel wichtiger ist jedoch der Burggraben des Unternehmen. Eisenbahnschienen lassen sich nicht von heute auf morgen verlegen. Es müssen zahlreiche Genehmigungen für jeden Meter eingeholt werden. Deshalb ist diese Aktie ein interessantes Investment.

4. Caterpillar

Caterpillar ist Aktie Nummer 4.

Der Anteil liegt bei immerhin 6,7 %. Der weltgrößte Hersteller von Baumaschinen ist eine echte Börsenlegende. Die Aktie wird seit 90 Jahren an der Wall Street gehandelt.

Passend zum Jubiläum konnte sich Caterpillar den Status eines Dividenden Aristokraten sichern. Solche Aktien haben ihre Ausschüttungen ohne Ausnahme in den letzten 25 Jahren erhöht.

Herzlichen Glückwunsch Caterpillar!

Ebenso wie die anderen Aktien arbeitet Caterpillar in einem relativ konservativen Geschäftsfeld.

5. Walmart

Die nächste Aktie ist Walmart. Der US-amerikanische Einzelhändler fügt sich nahtlos in die Reihe der konservativen Bill Gates Aktien ein.

Aber warum gerade ein Einzelhändler? Stehen die nicht wegen Amazon unter Druck? Ja, das ist richtig. Deshalb investieren Einzelhändler wie Walmart verstärkt in ihre Onlinepräsenz.

Das zahlt sich aus. Walmart konnte dieses Jahr ein stärkeres prozentuales Wachstum beim Onlineshopping als Amazon hinlegen.

6. Ecolab

Nun kommt die vielleicht am wenigsten bekannte Aktie. Ecolab ist mit rund 4 % im Gates Portfolio gewichtet.

Das Unternehmen bietet Dienstleistungen und Produkte im Bereich der industriellen Reinigung und Hygiene an. Es wird mit allen denkbaren Branchen zusammengearbeitet.

Sogar auf Kreuzfahrtschiffen sorgt Ecolab für mehr Nachhaltigkeit. Das Unternehmen reduziert Abfall und optimiert Ressourcen. Abfall und Hygiene sind selbst zu Krisenzeiten wichtig. Ein wichtiger Fokus ist die sparsame Nutzung von Wasser. Daher sehe ich Ecolab eher als defensive Aktie.

Außerdem betreibt Ecolab eine clevere Zukaufstrategie. 2018 hat Ecolab z. Bsp. die Holchem Group übernommen. Das ist ein britischer Hersteller von Hygiene- und Reinigungsprodukten. Allerdings muss Ecolab diesen Zukauf wieder verkaufen, da ein zu großes Monopol entstanden ist.

Die Geschichte zeigt, dass es Ecolab versteht sich stark zu positionieren. Diesmal gibt es zwar Probleme, aber die grundlegende Strategie scheint zu stimmen.

7. Crown Castle International

Kommen wir zu nächsten Bill Gates Aktie. Das ist Crown Castle International mit einem Anteil von 3,49 %.

Crown Castle betreibt und vermietet drahtlose Verbindungen. Dazu zählen 40.000 Mobilfunkmasten und 70.000 Laufmeilen Glasfaser.

Es handelt sich um einen REIT. Das ist ein Real Estate Investment Trust. Crown Castle verdient unter anderem durch die Vermietung seiner Türme Geld.

Das ist ein weiteres defensives Geschäftsmodell mit Zukunft.

8. + 9. UPS und FedEX

Die letzten beiden Aktien stelle ich gemeinsam vor. 2,55 % stecken im United Parcel Service. In Kurzform UPS genannt. Die letzte Position ist FedEx mit 2,07 %.

Vielleicht hast du ein Paket von diesen Firmen erhalten. UPS und FedEx sind als Kurier- und Logistikunternehmen bekannt.

Die Paketlieferungen sind in Deutschland deutlich angestiegen. In Zukunft wird weiteres Wachstum erwartet. Der wichtigste Umsatztreiber sind Onlineshops wie Amazon. Immer mehr Verbraucher bestellen über das Internet. Diese Entwicklung sollte sich in Zukunft noch weiter verstärken. Lieferdienste wie FedEx oder UPS profitieren von diesem Trend.

Wie sieht die Strategie im Bill Gates Depot aus?

Das waren die 9 größten Positionen im Bill Gates Portfolio. Prinzipiell hört sich das alles gut und sinnvoll an. Die Strategie ist klar erkennbar. Es wird in defensive Aktien mit einem stabilen Geschäftsfeld investiert. Viele seiner Firmen schütten eine konstante Dividende aus. Zusätzlich achtet er wohl auf Wachstum.

Man könnte sagen: Er sucht nach defensiven Aktien in Wachstumsmärkten. Waste Management ist da ein gutes Beispiel. Müll gilt als wichtiger Wachstumsmarkt. Unsere Ozeane sind voller Müll. Viele Länder wissen nicht, wohin mit ihrem Müll. Alle Firmen weisen ein gesundes Umsatzwachstum auf.

Bei den meisten Aktien sieht es ungefähr so oder ähnlich aus. Nicht weltbewegend, aber die Prognosen für die Zukunft scheinen positiv zu sein.

Und die Nachteile?

Doch das Depot hat seine Schwächen. Viele Aktien sind in letzter Zeit deutlich gestiegen.

Hier siehst du den Kursverlauf von Ecolab. Als neuer Investor solltest du die Aktien kritisch betrachten. Eventuell könnte eine Überbewertung vorliegen. Ein Schnäppchen ist Ecolab zum aktuellen Kursniveau nicht.

Die meisten Aktien stammen aus den USA. Der Fokus liegt also klar auf einem einzigen Land. Viele der Firmen sind jedoch international tätig. Ich habe erst heute ein Paket von FedEx aus den USA erhalten. Das verwässert den US-Fokus ein wenig.

Über die große Position in Berkshire lässt sich streiten. Ich halte das für ein unnötiges Risiko. Bill Gates ist mit Warren Buffett befreundet.

Man muss abwägen:

  • Hat Gates von Buffett wertvolle Einblicke erhalten und ist deshalb so stark investiert?
  • Oder wird er durch seine Freundschaft geblendet?

Wie gesagt, für mich ist Berkshire mit 54 % ein zu großes Risiko.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die defensive Ausrichtung. Nach Aktien mit starkem Wachstum kann man lange suchen. Bill Gates achtet wohl eher auf ein kleines, aber dafür stabiles Wachstum.

Für Bill Gates ist das eine sehr gute Anlagestrategie. Wofür soll er unnötige Risiken eingehen? Die meisten seiner Aktien zahlen eine nette Dividende. Berkshire ist da die große Ausnahme. Wachstum gibt es auch, aber eben nur ein kleines bisschen. Wegen seinem enormen Vermögen muss er keine unnötigen Risiko eingehen. Er besitzt mehr als genug Geld bis zum Lebensende.

Deshalb liegt sein Fokus wahrscheinlich auf Kapitalerhalt mit einer vernünftigen Rendite. Genau das leisten Aktien wie Berkshire, Waste Management oder Ecolab. Für mich ist dieses Depot jedoch zu defensiv aufgestellt.

Außerdem fehlen mir andere Länder im Depot. Ja, rein historisch haben sich US-Aktien wunderbar entwickelt. Das kann auch in Zukunft so sein. Doch das Risiko würde ich nicht eingehen. Andere Länder haben auch hübsche Aktien zu bieten!

Fazit

Das Depot von Bill Gates ist vor allem für ältere Anleger geeignet. Es ist ein sinnvolles Renten-Depot. Viele Aktien schütten eine regelmäßige Dividende aus. Ich würde die 54 % von Berkshire senken und dafür weitere Dividendenaktien kaufen – also wenn du dir mehr Dividende wünscht.

Für mich ist dieses Depot ein bisschen zu langweilig. Mir fehlt das Wachstum, das gewisse Etwas. Das liegt aber daran, dass ich 31 bin und gerne ein wenig mehr Risiko eingehe. Mit 60 oder 70 investiere ich vielleicht genauso wie Bill Gates.

Wen würdest du gerne im nächsten Roast sehen? Finanzprodukte, Börsengurus oder Crashpropheten – ich lade sie alle zu meiner Show ein! Schreib mir deinen Kandidaten bitte unten als Kommentar!

Ich wärme schon einmal den Finanzgrill für den nächsten Roast vor!

Rechtlicher Hinweis: Jegliche Informationen in diesem Beitrag dienen nur der Information und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung sowie keine Anlageberatung dar. Es wird keine Gewähr für die Richtigkeit der Inhalte übernommen, sie können komplett falsch sein.

5 Kommentare
  • Antworten Sabrina

    15. Januar 2020, 16:58

    Super interessanter Roast! Ich gebe dir Recht mit der Berkshire Position, die wäre mir auch zu groß. Da kann man doch noch ein wenig streuen und etwas kaufen was Spaß macht und wo es ein bisschen spannend wird, Tesla zum Beispiel.
    Sonst sehr sicheres und entspanntes Depot.

    Ich bin gespannt auf den nächsten Roast!

  • Antworten ETF-Yogi

    16. Januar 2020, 15:41

    Na ja, selbst wenn Buffet mal nicht mehr ist, steht ja mit Charles Munger noch ein junger Hüpfer als Vice Chairman von Berkshire Hathaway parat. (Konnte mir den Scherz nicht verkneifen.)

    Ich sehe es genauso wie Du. Die Tatsache, dass Charles Munger sogar noch älter ist als Buffet, macht die Sache echt nicht besser. Andererseits ist Bill Gates ja im Board of Directors von Berkshire Hathaway und hat das sicher einige Einsichten. Das ist für Anleger natürlich auch sehr interessant und dürfte Vertrauen schaffen.

  • Antworten Hans

    17. Januar 2020, 6:00

    Was ist mit den 330 Millionen Microsoft Aktien? Gates ist immer noch Microsofts größter Aktionär…

  • Antworten Whirlwind

    19. Januar 2020, 0:14

    Hallo Nik,

    toller Beitrag, klasse Format und schöner Blog. Kannte ich bisher noch nicht. Bin direkt über den Finanzblogroll auf dich aufmerksam gewurden.

    Zum Gates-Portfolio: Mir war zwar bewusst, dass Gates und Buffett eng befreundet sind und das die Stiftung der Gates auch in Berkshire investiert ist. Ich hätte aber niemals gedacht, dass BRK über 50 % des Portfolios ausmacht. Zumal Berkshire keine Dividenden ausschüttet und somit die Gates Stiftung keine laufenden Cashflows aus dieser Position erhält. Oder gibt es hier eine Sonderregelung zwischen Gates und Buffett? Alternativ wäre es natürlich möglich, dass die Stiftung regelmäßig BRK-Anteile verkauft, um an weiteres Cash zu kommen. Hast du hierzu etwas finden können?

    Viele Grüße,
    Whirlwind v. Whirlwind-Investing.com

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