Börsengänge 2019: Finger weg von IPOs! Uber, Lyft, Airbnb und Co.

Viele Investoren fiebern Börsengängen entgegen. Der Taxiersatz Lyft ist kürzlich an den Start gegangen, bald soll Konkurrent Uber folgen. Airbnb wird ebenfalls sehnsüchtig von den Anlegern erwartet.

Meine Meinung: Finger weg von IPOs!

Habe ich mich auf einen türkischen Basar verirrt oder ist das wirklich der Aktienmarkt? Das frage ich mich seit einigen Wochen. Wie auf dem Hamburger Fischmarkt werden neue Aktien vom Marktschreier angepriesen.

»Stellen Sie sich hier an, bald gibt’s frische UBER!«

»Kaufen Sie Lyft, lassen Sie sich diese Chance nicht entgehen! Drei Aktien zum Preis von einer!«

Kurz als Info: Der englische Begriff für Börsengänge lautet IPOs. Einige Zeitungen schreiben von Börsengängen, andere von IPOs. Hat aber immer die gleiche Bedeutung.

Zurück zum türkisch-hamburger Aktienbasar. Die Marktschreier sind irgendwelche Finanzzeitungen oder Blogger. Und was machen die Anleger? Sie springen auf dieses Gebrüll an und diskutieren die neuen Aktien. Okay, das ist absolut nachvollziehbar. Bald kommt ein neues Produkt auf den Markt. Vielleicht kannst du davon profitieren. Also warum keine Informationen einholen?

Aber gerade das ist bei IPOs ein großes Problem.

Börsengänge 2019: Wo gibt es verlässliche Informationen?

Ich nutze Infoseiten wie marketscreener.com, um mir die Fundamentaldaten der letzten Jahre anzusehen.

Hier siehst du die wunderschöne Entwicklung von Amazon. Ich erkenne auf einen Blick, wie erfolgreich das Unternehmen die letzten Jahre gearbeitet hat. Schauen wir uns zum Vergleich den UBER-Konkurrenten Lyft an.

Wir erfahren, nun ja, so gut wie gar nichts. In der oberen Auswahlleiste gibt es den Punkt »Fundamentaldaten« gar nicht. Du kannst auf »Unternehmen« klicken und die Führung ansehen.

Wow, jetzt habe ich totale Einsicht in Lyft.

Ich weiß, dass Logan Green seit 2012 Chief Executive Officer & Director ist. Das hilft mir bei der Fundamentalanalyse unglaublich weiter. Ich meine natürlich, das hilft mir unglaublich weiter, um absolut ahnungslos zu bleiben.

Ich muss mir die Informationen aus dem Internet zusammenklauben. Am einfachsten geht das, wenn du den Namen der Aktie und Investor Relations in Google eintippst.

Machen wir das einmal mit Lyft.

Lyft Börsengang

Wow, ich bin überwältigt von dieser Datenflut. Ich kann mich gar nicht entscheiden, was ich zuerst analysieren soll. Es gibt exakt 0 fundamentale Daten für Aktionäre auf der offiziellen Investoren-Seite. Das ist aber auch logisch, weil das Unternehmen erst kürzlich an die Börse gegangen ist. Natürlich gibt es noch keine Börsendaten. 

Es ist relativ kompliziert, einen Börsenneuling einzuschätzen. Verlässliche Daten sind schwer erhältlich und es herrscht eine naive Euphorie. Es kommt ein neues Unternehmen auf den Markt. Das ist so, wie bei der ersten Liebe. Man sieht über Fehler hinweg, da alles frisch und neu ist. Viele Anleger haben eine rosarote Börsenbrille auf.

Ich erkenne immer wieder das gleiche Muster:

1. Es wird davon fantasiert, wie viel Zukunftspotenzial die Branche des IPOs hat.

2. Dann wird auf das bisherige Wachstum des Unternehmens verwiesen.

Schulden oder andere Kritikpunkte? Ne, spielen keine Rolle. Ich darf doch bitten, negative Punkte bei einem Börsengang. Pfui Deibel sagt der Bayer!

Wer profitiert von IPOs?

Denken wir kurz über diese Frage nach. Warum geht ein Unternehmen überhaupt an die Börse? Es nimmt Geld ein, um expandieren zu können. Dafür gibt es Entscheidungsgewalt ab.

Aber es kann einen weiteren Grund geben. Und dieser Grund ist vor allem in Börsenhochzeiten enorm wichtig. Praktisch jedes Unternehmen besitzt Fremdkapitalgeber. In der Startphase haben diese Geldgeber die Firma mit Kapital unterstützt. Diese Personen möchten irgendwann Kasse machen. Schließlich ist das der einzige Grund, warum sie dem Start-up Geld geliehen haben. Um irgendwann Profite zu machen. Und dieser eine Moment kann der Börsengang sein. Die Anteile am Unternehmen lassen sich an der Börsen extrem leicht zu Geld machen. Beim Börsengang ist viel »dummes Geld« vorhanden. Damit meine ich Kapital von Anlegern, die sich nicht wirklich über das Unternehmen informiert haben, sondern bloß auf den Hype-Zug aufspringen.

Frei nach dem Motto: »In den Medien wird die ganze Zeit über den Börsengang gesprochen, also haue ich mir mal paar Aktien ins Depot.«

Für diese Geldgeber macht es am meisten Sinn, wenn das Unternehmen auf seinem Hochpunkt an die Börse kommt. Dann erzielen sie die meiste Rendite mit ihrem Investment.

Als Anleger stehst du vor einer schweren Aufgabe: Du musst beurteilen, ob der Börsengang stattfindet, damit die aktuellen Investoren Kassen machen können. Oder ob der IPO dem Unternehmen wirklich zu mehr Wachstum verhelfen soll.

Leider ist die dünne Informationslage nicht der einzige Kritikpunkt. Bei Börsengängen kommt noch ein weiterer negativer Punkt hinzu.

Wie haben sich IPOs entwickelt?

Vielleicht mache ich heiße Luft um nichts. Schließlich musste jedes Unternehmen irgendwann einmal die Börsenwelt betreten. Um es nochmals deutlich zu sagen: Mir geht es um den sofortigen Einstieg nach dem Börsengang. Viele Anleger kaufen sofort am ersten Tag, weil die Medien viel Radau um den IPO machen. Aber eine Analyse ist in der Startphase nur schwer möglich. Ein paar Jahre später sieht das anders aus.

Ich habe dir ein paar Zahlen herausgesucht.

  • Jay Ritter, ein Professor der Universität Florida, untersuchte rund 7.000 Börsengänge von 1975 bis 2011. Über 60 % der Aktien erzielten eine negative Rendite in den ersten 5 Jahren. Also wenn du direkt am ersten Handelstag gekauft hättest.
  • Von 2000 bis 2016 lag die durchschnittliche Rendite nach sechs Monaten im roten Bereich. Du hättest also im Schnitt verloren, hättest du in jeden Börsengang investiert.
  • Laut der unteren Grafik haben IPOs im Zeitraum von 2012 bis 2015 absolut versagt. Der S&P500 hat eine stolze Rendite von 60,5 % erzielt. Dagegen brachten es die Börsengänge auf schwache 7,05 %.

Um erfolgreich in IPOs zu investieren, musst du die Nadel im Heuhaufen suchen. Apropos investieren, hier findest du meinen Top-Broker, wo du kostengünstig Aktien kaufen kannst:Direkt zum Top-Broker* für Aktien!

Selbstverständlich nutze ich den Broker auch selber!

In der Finanzwelt wird die Suche nach der Nadel als Stockpicking bezeichnet. Du pickst dir die Asse heraus. Blöd, wenn sich die vermeintlichen Asse als Flops erweisen.

Hier siehst du die Entwicklung eines solchen Asses.

Snap hat seit dem Börsengang in der Spitze um die 80 % verloren. Wer sich von der Euphorie hat anstecken lassen, würde nun auf erheblichen Kursverlusten sitzen. Sogar erfolgreiche Unternehmen können zunächst unter die Räder kommen.

Darf ich vorstellen: Facebook.

Heute notiert das Unternehmen deutlich höher. Damals hat die Aktie nach dem Börsengang über 50 % verloren.

1. In der Startphase agieren Anleger sehr emotional.

2. Nach der anfänglichen Euphorie kann eine Depression folgen.

Facebook ist dafür ein gutes Beispiel. Anfangs wurde die Aktie hochgelobt, danach kam zu starke Kritik. Und erst nach dieser Startphase fingen die seriösen Analysen an.

Aus diesem Grund steige ich nicht in IPOs ein. Warum soll ich mir den Stress geben und mir irgendwo Informationen zusammenklauben. Es gibt über 23.000 Aktien auf unserer Welt. Ich warte so 2 bis 6 Monate ab, wenn mir die Geschäftsidee des Unternehmens gefällt. Und dann steige ich ein. Zu diesem Zeitpunkt ist die anfängliche Euphorie vorbei. Es gibt dann meist auch mehr Daten zum Analysieren.

Versteh mich bitte nicht falsch: Natürlich kannst du mit Börsengängen hohe Gewinne erzielen. Dafür ist aber eine sorgfältige Analyse notwendig. Und nein, ein großes Medieninteresse ist kein gutes Argument.

Doch ich habe einen Tipp für dich, wie du einsteigen kannst. Das ist meine persönliche Einsteigetaktik. Schau dir einmal Facebook als Beispiel an. Du siehst, es ging zuerst runter. Die Charttechnik ist in solchen Fällen sehr sinnvoll, da der Kurs psychologisch getrieben wird. Ich zeichne einen negativen Abwärtstrend in den Chart.

Es hätte sich ein sehr schöner Einstieg nach dem Bruch des Abwärtstrends ergeben.

Tipp: In diesem Beitrag erkläre ich diese Strategie bis ins kleinste Details!

Wie ist eigentlich deine Meinung zu Börsengängen? Hast du dieses Jahr vor, in eine der neuen Aktien einzusteigen? Uber und Airbnb sind ja stark gehypt.

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