Commerzbank Aktie – selbst die Sowjetunion war erfolgreicher! | Deutsche Bank 2.0

Sie kommt zuverlässiger als der Weihnachtsmann: Alle paar Jahre startet die Commerzbank eine neue Strategie-Offensive. An diesem Wochenende war es wieder soweit.

Achtung: Dieser Beitrag enthält Satire! Natürlich hat die Commerzbank nichts mit der Sowjetunion zu tun, es ist NUR ein satirischer Vergleich.

Das neue Strategieprogramm Commerzbank 5.0 ist erschienen. Es soll die Bank zukunftssicher aufstellen.

Auf den ersten Blick klingt das wunderbar. Doch die Commerzbank muss etwas machen, damit sie nicht zur Deutschen Bank 2.0 wird. Die Deutsche Bank hat momentan mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen. Man hat zu lange am Investment-Banking geklammert. Durch diese falsche Ausrichtung ist die Deutsche Bank immer tiefer in die Krise gerutscht.

Die Commerzbank möchte diesen Fehler vermeiden. Dafür macht sie es wie die alte Sowjetunion. Es werden strategische Pläne veröffentlicht. Ob die Commerzbank wie die Sowjetunion untergeht oder gerade jetzt ein tolles Investment sein könnte, erfährst du in diesem Beitrag!

Ich muss diese Analyse mit einer traurigen Nachricht beginnen. Das Strategieprogramm 5.0 kam an der Börse alles andere als gut an.

Die Aktie kannte gestern nur eine Richtung und die zeigte klar nach unten. Ich habe das Video zur Mittagszeit gedreht. Und da hatte die Aktie ein Minus von über 7 % zu verzeichnen. Langfristig sieht es nicht besser aus. Erst vor paar Wochen wurde ein 10-Jahrestief erreicht. Der Aktienkurs war ein echtes Trauerspiel. Das muss man so deutlich sagen.

Aber wie sagte Carl Mayer von Rothschild so schön:

»Kaufen, wenn die Kanonen donnern!«

Und die Kanonen donnern bei der Commerzbank gerade gewaltig. Vielleicht ist ja gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für den Einstieg gekommen. Schauen wir uns hierfür das Strategieprogramm 5.0 einmal näher an!

  • Die Commerzbank möchte sich zukunftssicher aufstellen. Dafür möchte man den Schwerpunkt auf den Ausbau des Mobil-Kanals legen. Hierzu möchte man 1,6 Milliarden Euro locker machen. Davon sollen 750 Millionen Euro in Digitalisierung, IT-Infrastruktur und Wachstum fließen.

Das klingt doch super. Die Commerzbank möchte auf aktuelle Fintech-Trends setzen. Momentan sind Trading Apps und mobile Anwendungen extrem beliebt. Immer mehr Verbraucher nutzen Budget-Apps und weitere Spielereien am Smartphone. Und die Commerzbank möchte ihre Strategie deutlich mobiler ausrichten.

Vielleicht ist es dir aufgefallen. Die Sache hat einen Haken. Insgesamt plant die Geschäftsführung 1,6 Milliarden Euro für die Maßnahmen ein. In die mobilen Kanäle sollen jedoch nur 750 Millionen Euro fließen. Was bitteschön passiert mit den restlichen 850 Millionen Euro?

offizielle Strategie „Commerzbank 5.0“

Das Geld soll in Restrukturierungsmaßnahmen fließen. Stellenabbau und Anpassungen im Filialnetz kosten Geld. Und das nicht gerade wenig. Von rund 1.000 Filialen sollen 200 geschlossen werden. Damit bleiben 800 Filialen übrig. Dadurch sollen insgesamt 4.300 Vollzeitstellen wegfallen.

Prinzipiell klingt bisher alles gut und richtig. Man möchte auf den aktuellen Mobil-Banking-Trend setzen. Dafür streicht man Stellen, um in Zukunft weniger Kosten zu haben. Das Problem lauert im Detail.

Im gleichen Strategieprogramm ist dieser Punkt zu lesen:

»Das Filialnetz bleibt eine feste Säule der Strategie.«

Liebe Commerzbank, was denn nun? Wünscht ihr euch ein starkes Filialnetz oder nicht? Mal eben 20 % der Filialen schließen und dann von einer festen Säule zu sprechen, ist ein bisschen zynisch.

Es werden mal eben 20 % aller Filialen geschlossen. Trotzdem betont die Commerzbank ihr starkes Filialnetz. Das passt für mich nicht zusammen. Aber gut. Das lässt sich noch irgendwie über 10 Hintertürchen erklären. Die Geschäftsführung möchte eventuell die Kundschaft beruhigen. Viele Kunden wünschen sich eine Filiale vor Ort. Deshalb haben sie sich für die Commerzbank entschieden. Weil es eben relativ viele Filialen in ganz Deutschland gibt. Wer keine Filialen braucht, kann gleich ein Girokonto bei einer Online-Bank eröffnen. Wie zum Beispiel bei der comdirect bank. Und genau da ergibt sich der stärkste Kritikpunkt.

Bis vor einem Jahr wollte die Commerzbank eine europäische Onlinebank aufbauen. Als Basis sollte die polnische mBank dienen. Die comdirect sollte dabei auch eine wichtige Rolle einnehmen, aber bleiben wir zuerst bei der mBank. Die mBank fokussiert sich bisher vorwiegend auf den polnischen Markt. Es gibt noch Kunden in Tschechien oder der Slowakei. Also bisher noch relativ überschaubar, weit entfernt von einer europäischen Bank. Somit hätte die mBank sehr breit expandieren müssen, um sich als europäische Bank bezeichnen zu können.

Dieses Projekt trug den Namen »Copernikus«. Genauso wie der Astronom Kopernikus, der die Welt zu einer Kugel machte. Die mBank schaffte es jedoch nicht im Ansatz, die Welt oder immerhin Europa mit Girokonten zu umrunden.

Ein Grund waren die notwendigen Investitionen. So aus dem Nichts lässt sich kaum eine europäische Onlinebank errichten. Der Bankvorstand kommentierte die Kehrtwende mit den Worten:

»Man kann nicht alles auf einmal machen«.

(Commerzbank Bankvorstand)

Da frage ich mich natürlich: Warum hat man überhaupt erst damit angefangen, wenn man das Projekt bald wieder verwirft?

Da finde ich die Strategiepläne der Sowjetunion überzeugender. Man hat klare Ziele ausgearbeitet und versucht, sie bestmöglich zu erreichen. Und trotzdem ist die Sowjetunion schlussendlich gescheitert. Bei der Commerzbank fühlen sich die Strategieprogramme eher wie ein konfuses Durcheinander an.

So nach dem Motto: »Hier ist unsere Strategie für eine europäische Bank! Oh, der Ausbau kostet Geld und Zeit? Okay, dann verkaufen wir lieber und probieren irgendwas anderes!«

Wie soll das gutgehen? Mir fehlt ein klares Konzept. Und das war der Anfang der Geschichte.

Denn die Commerzbank möchte eine komplette Wende vollziehen. Nun sollen die Anteile an der mBank komplett verkauft werden. Die Idee einer europäischen Online-Bank ist damit komplett begraben. Konkret handelt es sich um 69,3 % des Unternehmen. Die Aktien sind übrigens an der Warschauer Börse gelistet. Das Paket von rund 70 % wird mit rund zwei Milliarden Euro bewertet. Mit diesem Geld soll also das Strategieprogramm 5.0 finanziert werden.

Und jetzt spannen wir wieder den Bogen zur comdirect.

  • Ein Teil des eingenommenen Geldes vom mBank-Verkauf soll in die komplette Übernahme der comdirect bank fließen.
  • Bisher hält die Commerzbank 82 % der Anteile.
  • Nun soll der Rest aufgekauft werden.
  • Die Commerzbank verabschiedet sich damit von der polnischen mBank und setzt komplett auf die comdirect Bank.

Prinzipiell ist das kein schlechter Schritt. Allerdings bleibt eine Frage offen.

Wie soll die Verschmelzung ablaufen?

Als potenzieller Investor musst du deinen Fokus auf diesen Punkt richten. Ob man sich 1 % Umsatz mehr oder weniger erhofft, spielt in meinen Augen kaum eine Rolle. Da solltest du dich nicht von irgendwelchen Prognosen blenden lassen. Für die Zukunft wird entscheidend sein, wie genau diese Verschmelzung ablaufen wird. Es könnte sein, dass die Marke comdirect komplett verschwindet und in die Commerzbank integriert wird. Sollte das passieren, wäre das verheerend.

Ich bin seit 10 Jahren zufriedener Kunde der comdirect Bank. Allerdings würde dieser Schritt ein komplett falsches Signal senden. Oberflächlich betrachtet, hört sich das sinnvoll an. Es können Kosten eingespart werden. Die comdirect-Verwaltung lässt sich rigoros zusammenstreichen. Kurzfristig könnte das für positive Effekte sorgen. Allerdings hat die Commerzbank das Image einer klassischen Filialbank. Ich möchte aber keine Filialbank. Ich möchte eine reine Online-Bank mit möglichst günstigen Kosten. Bei einer Verschmelzung sollte es über kurz oder lang irgendwo höhere Gebühren geben. Ich müsste wahrscheinlich die Kosten fürs Filialnetz mittragen. Dabei möchte ich das gar nicht.

So oder ähnlich werden wohl auch andere Kunden denken, sollte sich nur die kleinste Gebührenerhöhung ergeben.

Ich sehe Fusionen in der Finanzbranche negativ an. Als Kunde finanziere ich Leistungen, die ich gar nicht benötige. Deshalb finde ich einzelne, aber dafür hochspezialisierte Anbieter deutlich besser.

Der Trend zeigt sich aktuell ganz klar in den Fintechs der letzten Jahre. Trade Republic ist mit seiner Ordergebühr von 1 Euro in aller Munde. Da kannst du für nur einen einzigen Euro Aktien oder ETFs handeln. Falls du dort noch kein Depot hast, solltest du den Broker unbedingt testen.

Und natürlich kannst du dort die Commerzbank Aktie für 1 Euro Ordergebühr kaufen.

Neben Trade Republic sticht auch N26 positiv heraus. Das Girokonto überzeugt mit Vorteilen, die sich die Zielgruppe der Smartphone-Nutzer wünscht.

Die beiden Beispiele zeigen eindeutig, was sich die Bankkunden der Zukunft wünschen: individuelle Lösungen für einzelne Probleme. Wer sich ein Girokonto möchtest, holt sich eine App wie N26.

Multi-Banking-Lösungen werden immer unattraktiver. Prinzipiell war die Idee der Commerzbank ganz gut. Man wollte die polnische mBank zur europäischen Online-Bank ausbauen. Allerdings geht man nun wohl eher einen Schritt rückwärts. Man plant die comdirect bank mit der Commerzbank zu fusionieren. Ein falscher Schritt könnte die Kunden der comdirect bank vertreiben. Sollte man z. Bsp. auf die Idee kommen, die Marke comdirect zu begraben. Ich persönlich glaube nicht daran. So schlau und weitsichtig sollten selbst deutsche Banker sein. Wobei die Commerzbank eher schlecht plant.

In den letzten 10 Jahre konnte kein einziges Strategieprogramm erfolgreich umgesetzt werden.

Christian Kirchner hat die Commerzbank-Pläne untersucht. Das Ergebnis ist ernüchternd.

  • 2009 bis 2012 nahm man sich eine Eigenkapitalrendite von 10 % vor. Der erste Plan scheiterte krachend mit einer Rendite von 1,4 %. Das Management hat mehr als 80 % schlechter als vorgenommen abgeschnitten.
  • Im zweiten Commerzbank-Programm von 2012 bis 2016 nahm man sich wieder Eigenkapitalrendite von 10 % vor. Das Ergebnis fiel mit einem mickrigen Prozent noch schlechter aus. 90 % schlechter als erwartet.
  • In der dritten Roadmap von 2016 bis 2019 plante mit nun mit mindestens 6 %. Vielleicht klappt es ja nun mit niedrigeren Erwartungen. Von wegen, 2018 lag die Eigenkapitalrendite bei 3,6 %. –
  • Im neuesten Plan »Commerzbank 5.0« von 2019 bis 2023 hat man sich eine Rendite von mehr als 4 % vorgenommen.

Die Statistik spricht gegen die Commerzbank. Das Management ist eher weniger gut darin, die eigenen Ziele zu erfüllen. Stattdessen überzeugt es mit Sprunghaftigkeit und schnellen Strategiewechseln. Prinzipiell ist nichts gegen eine neue und bessere Strategie einzuwenden. Ich finde es sogar wunderbar, wenn man intelligent auf frische Trends setzt. Allerdings hat das die Commerzbank in der Vergangenheit kaum hinbekommen.

Selbst die Sowjetunion hat es hinbekommen, einige ihrer 5-Jahrespläne zu erfüllen. Der erste Plan von 1928 bis 1933 wurde 1932 als übererfüllt gefeiert.

Das war natürlich ein extrem zynischer Vergleich. Aber genau so fühlen sich die Aktionäre beim Kursverlauf der letzten Jahre.

Hier noch einmal zum genießen. Es ist einfach ein Trauerspiel, wie der Kurs immer weiter fällt und fällt.

Die Commerzbank ist daran nicht allein schuld. Natürlich wird die Bank durch die Niedrigzinsphase belastet. Dadurch ist sie gezwungen, Kosten zu sparen. Dieses Geld fehlt, um z. Bsp. die mBank zur europäischen Bank auszubauen. Oder eben, um andere Ideen zu verwirklichen. Stattdessen müssen Filialen geschlossen werden.

Außerdem spült der Verkauf der mBank notwendiges Geld in die Kassen. Das ist gut. Die Fusion dürfte die Kosten reduzieren, das ist wunderbar. Allerdings musst du ganz genau hinschauen, wie diese Fusion aussehen wird. Moderne und erfolgreiche Banken haben verstanden, dass sie Verkäufer sind.

Die comdirect hat das verstanden.

2018 konnte man die Anzahl der Kunden um 10 % steigern. Es sind nun 2,5 Millionen Kunden. Wenn die Commerzbank erfolgreich werden will, braucht sie mehr comdirect-DNA, aber auf keinen Fall andersrum. Die comdirect braucht kein bisschen Commerzbank-DNA. Wirklich 0. Wenn sich die Commerzbank einiges von der comdirect abschaut, könnte die jetzige Strategie aufgehen.

Am Mittwoch und Donnerstag spricht der Aufsichtsrat über die Pläne. Bisher steht noch nichts fest. Am Freitag erfolgt dann die Vorstellung. Deshalb würde ich die Commerzbank Aktie heute nicht kaufen. Dafür gab das Unternehmen in den letzten Jahren ein viel zu konfuses Bild ab.

Commerzbank Aktie: Kaufen oder verkaufen?

Es müssen drei Punkte erfüllt sein, damit die Commerzbank Aktie für mich zum Kauf wird:

  1. Comdirect und Commerzbank bleiben weiterhin klar voneinander getrennt.
  2. Die Commerzbank nimmt Teile der comdirect-DNA an. Die comdirect weiß nämlich, wie mobiles Banking und Kundenwerbung funktioniert. Sie hat verstanden, dass moderne Banken einfach nur Verkäufer sind.
  3. Die Commerzbank Aktie überwindet den kurzfristigen Abwärtstrend. Das könnte für Erleichterung sorgen und einige Energien nach oben freilösen. Für Trader ist das meiner Meinung nach eine interessante Chance.

Wie stehst du zur Commerzbank Aktie? Schreib mir deine Meinung unten als Kommentar!

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