Wegen Coronavirus: Börsencrash – was tun? | Wie du RICHTIG reagierst!

Wie schlimm ist das Coronavirus wirklich?

  • Droht uns wegen dem Virus ein schlimmer Börsencrash? Also am besten alle Aktien sofort verkaufen?
  • Oder ist das Coronavirus nur unnötige Panikmache? Nach paar Wochen ist das Virus komplett vergessen!

Diese Frage kläre ich heute.

Ich lese in den letzten Tagen immer wieder, wie das Coronavirus belächelt wird. Dazu ein kleines Beispiel:

»Die Berichterstattung über das Coronavirus ist […] überzogen […]. Vor dem Hintergrund, dass jedes Jahr weltweit abertausende an der gewöhnlichen Influenza sterben, erscheint die aktuelle Panik geradezu grotesk.«

Quelle: Bernecker Research

Ich finde diese Aussage sehr grotesk.

  • Der Autor hat wohl verschlafen, dass Chinas Automarkt in der ersten Februarhälfte um 92 % eingebrochen ist.
  • Microsoft hat eine Umsatzwarnung wegen dem Coronavirus veröffentlicht.
  • Apple geht von Lieferengpässen beim iPhone aus. Deshalb wurde die Umsatzprognose reduziert. Außerdem könnte der Zeitplan fürs neue iPhone in Gefahr geraten.
  • Dieses Jahr findet auch kein Karneval in Venedig statt.

Das alles soll wirtschaftlich keine Bedeutung haben? Ich kann mir da nur den Kopf fassen, was manche Finanzjournalisten so produzieren.

Sie haben wohl eine wichtige Börsenweisheit nicht verstanden: Die Anzahl der Toten ist zweitrangig, so traurig es sein mag. Ich schicke jedem Erkrankten ganz viel Kraft, um das Virus gut zu überstehen. Aber in diesem Artikel möchte ich das Coronavirus rational beleuchten.

Und da muss ich ganz klar sagen: Es ist völliger Blödsinn, das Virus mit der gewöhnlichen Influenza zu vergleichen.

Die Börse schert sich kaum um Tote

Welches Virus mehr Menschenleben fordert, ist für die Börse zweitrangig. Die Aktienmärkte denken da komplett anders. Im Vordergrund steht ein Wörtchen, nämlich die Unsicherheit.

Es gibt nichts, was die Börsen weniger lieben als Unsicherheit.

Genau davon hat das Coronavirus eine ganze Menge zu bieten. Das Coronavirus ist eine sprudelnde Quelle der Unsicherheit.

Als Aktionär darfst du dich nicht von irgendwelchen ethischen Diskussionen rund um Todesopfer blenden lassen. Die Aktienmärkte reagieren wegen der akuten Unsicherheit.

Aber die Influenza ist viel gefährlicher!

Gegen die Influenza oder auch echte Grippe genannt, gibt es eine Impfung. Deshalb interessiert es die Märkte nicht, wie viele Menschen an der Influenza versterben. Ob es 1.000 Tote mehr oder weniger sind, ist für die Börse komplett egal.

Ja, das ist traurig. Für die Betroffenen schicke ich nochmals ganz viel Stärke. Aber die internationalen Märkte interessiert das nicht.

Beim Coronavirus hingegen sieht die Lage komplett anders aus. Laut der Weltgesundheitsbehörde gibt es keine bekannte wirksame Therapie gegen das Virus. Der russische Gesundheitsminister Michail Muraschko dämpft die Hoffnungen erheblich:

»Für einen Impfstoff braucht man mindestens acht bis zehn Monate, wir sind noch in der Anfangsphase ohne klinische Tests.«

Quelle: Merkur

Das sorgt für weitere Unsicherheit. Jetzt kommt aber der Punkt, der mich traurig macht. Es ist gut, dass China die Krise offensiv anpackt. Es wird versucht, den Menschen zu helfen, wie es nur geht.

Bei rund 80.000 Infizierten ist das aber gar nicht so einfach.

Quelle: Gisanddata

Das sind die offiziellen Zahlen. Inoffiziell können es deutlich mehr sein. Die Anzahl der Infizierten außerhalb Chinas nimmt rapide zu.

Rezessionsängste aus Italien

Italien hat als Gegenmaßnahme mehrere Gemeinden im wirtschaftlich starken Norden abgeriegelt. Es ist super, dass das Coronavirus aktiv bekämpft wird. Leider sehen das die Märkte ein bisschen anders.

Ich muss es ganz deutlich sagen: Sorry DAX, Dow Jones, NASDAQ und wir ihr alle heißt. Aber ihr seid ein Miststück.

Die Märkte fallen wegen der aktuellen Unsicherheit. Es ist weniger die Unsicherheit über die Todesfälle. In 95 % der Fälle verläuft das Virus nicht tödlich. Es ist die Unsicherheit wegen der Hilfsmaßnahmen.

Die Quarantäne in China ist extrem schlecht für die Märkte. Für die Märkte wäre es besser, die Menschen einfach sterben zu lassen. Business as usual eben. Zum Glück wird den Menschen geholfen.

Daraus entstehen aber drei vollkommen unkalkulierbare Risiken für die Börsen:

  1. Es ist völlig unklar, wann wieder Normalität einkehrt. Bereits jetzt gibt es Lieferengpässe. Das Coronavirus sprengt die internationalen Lieferketten. China ist ein wichtiger Faktor für die Weltwirtschaft. Wenn China redet, schweigt die Welt.
    Aktuell ist China stark am schwächeln und wird noch länger für negative Meldungen sorgen.
  2. Der zweite Unsicherheitsfaktor ist die restliche Welt. In Norditalien wird nun fleißig abgeriegelt. Doch das Coronavirus breitet sich auch in Deutschland langsam aus. Was passiert wohl, wenn eine wirtschaftlich starke Region wie Stuttgart betroffen wäre? Bei ein oder zwei Fällen bleibt alles beim Alten. Infizieren sich hunderte Menschen am Virus, sieht die Lage anders aus.
    In NRW geht es so langsam zur Sache. Dort wurden Hunderte in Quarantäne gestellt. Das war der erste Schritt, weitere könnten folgen. Dann könnten auch bei uns Fabriken kurzfristig schließen. Und genau das könnte auch in anderen Ländern passieren.
  3. Der dritte Unsicherheitsfaktor sind die USA. Trump spielt das Coronavirus herunter. Damit sorgt er für eine trügerische Sicherheit. Bisher gibt es noch keinen bestätigen Fall in den USA.
    Was passiert wohl, wenn es in den USA die ersten bestätigten Fälle gibt? Genau, es wird kurz darauf weitere Fälle und womöglich die ersten Toten geben. Die Aktienmärkte könnten darauf umso mehr einbrechen. Trump spielt aktuell den coolen Präsidenten. Die Stimmung würde bei einer abgeriegelten Gemeinde sofort kippen. Dann könnte kurzfristig ein enormer Verkaufsdruck entstehen. Die USA sind also ein weiterer Unsicherheitsfaktor.

Es ist fast schon pervers, dass die Märkte wegen der Quarantäne fallen. Denn genau diese sorgt für Unsicherheit. Würden die Staaten einfach so weiterarbeiten und die Menschen wegsterben lassen, würde das die Märkte kaum interessieren. Doch die Abriegelung von Wirtschaftsräumen ist pures Gift für die Börse.

Hierzu ein Kommentar von einem Anleger zum Coronavirus:

»Wenn ich jedes mal, wenn mal wieder ein die Menschheit dahinraffendes Todesvirus um die Ecke kommt, meine Aktien verkaufen würde, dann könnte ich das mit den Aktien auch gleich bleiben lassen.«

Quelle: Aktien mit Kopf, Kommentar zum „Coronavirus“-Video

Hinter dem Kommentar steckt ein schwerer Börsenfehler. Die Börse interessiert sich kein bisschen für irgendwelche Todesviren. Was die Märkte interessiert, ist Unsicherheit. Und diese entsteht durch die Quarantänemaßnahmen der Staaten.

Die normale Grippe kostete diese Saison 130 Deutsche das Leben. Aber das juckt die Märkte kein bisschen, da deswegen keine Firmen geschlossen werden. Wegen dem Coronavirus werden jedoch riesige Millionen-Metropolen in China abgeriegelt. Niemand weiß, welche Metropolen sonst noch folgen werden.

Jetzt frage ich dich:

  • Glaubst du immer noch, dass das Coronavirus ein kleines Lüftchen ist?
  • Denkst du wirklich, dass die ganzen Maßnahmen keinerlei Spuren auf die Weltwirtschaft hinterlassen werden?

Ich finde das sehr naiv. Schon bald werden wir einen Dominoeffekt sehen. In China könnten viele kleinere Betriebe pleite gehen. Das würde die Mittelschicht enorm schwächen. Die Umsätze in China könnten einbrechen, was für internationale Firmen schlecht ist.

Für Deutschland sind das sehr schlechte News. Denn unsere Autobranche hat sich stark von China abhängig gemacht. Das wird sich schon bald auf den Quartalszahlen der Unternehmen niederschlagen.

China ist aber auch ein sehr wichtiger Produktionsstandort. Durch die Lieferengpässe verringern sich die Umsätze in anderen Märkten. Es kann weniger verkauft werden. Das alles wird für schlechte Unternehmenszahlen sorgen.

Wie glaubst du, werden die Märkte darauf reagieren?

Stell dir vor, ein Unternehmen nach dem anderen berichtet von gesunkenen Umsätzen. Gute Stimmung wird dadurch bestimmt nicht aufkommen. Die Stimmung könnte sich durch eine neue Eurokrise weiter verschlechtern.

Italien ist ein europäisches Sorgenkind. Das Land hat mit einem niedrigen Wirtschaftswachstum zu kämpfen. Ignazio Visco, italienischer Notenbank-Chef, warnte zuletzt vor signifikanten Abwärtsrisiken. Ursprünglich hatte man mit einem Wachstum von 0,6 % geplant. Nun sollen es nur noch 0,3 % sein.

Wütet das Coronavirus weiter, ist eine Rezession sehr wahrscheinlich. Vor allem der wirtschaftlich starke Norden hat unter dem Virus zu leiden. Dazu zählen die Städte Mailand und Venedig. Sie gehören zu den Regionen Lombardei und Venetien. Zusammen machen sie 1/3 der Wirtschaftsleistung Italiens aus. Nun hat dieser Wirtschaftsmotor ordentlich Sand im Getriebe.

Das ohnehin schwache Italien könnte die Eurokrise schon bald wieder befeuern.

Andrea Giuricin, Ökonom an der Mailänder Bicocca-Universität bringt es auf den Punkt:

»Uns geht es sowieso schon nicht sehr gut, und wir riskieren nun ernsthaft eine Rezession«.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Aktien kaufen oder verkaufen?

Ich würde jetzt keine größeren Einmalinvestments tätigen. Die Risiken sind einfach zu groß. Der Weltwirtschaft drohen echte langfristige Probleme.

  • Es ist Fakt, dass in China 92 % weniger Autos verkauft wurden. Und das ist erst der Anfang. Es könnte zu einem Dominoeffekt kommen.
  • In den nächsten Monaten werden die Firmen nach und nach ihre Quartalszahlen veröffentlichen. Da wird es deutliche Einbußen geben. Dies sollte für schlechte Stimmung auf den Aktienmärkten sorgen.
  • Italien könnte womöglich in eine Rezession stürzen. Es könnte eine Eurokrise aufflammen.
  • Bricht das Coronavirus in den USA aus, ist ein weiterer Kurssturz möglich.

Alle diese Probleme haben ihren Ursprung in der Unsicherheit. Niemand weiß, wie viele Menschen tatsächlich infiziert sind. Es gibt auch kein Gegenmittel. Solange diese Unsicherheit besteht, würde ich mich mit Aktienkäufen zurückhalten.

Jede weitere Woche voller Quarantänemeldungen und Straßensperrungen sorgt für Umsatzeinbußen. Das belastet die Wirtschaft und wird sich schon bald in den Quartalszahlen widerspiegeln.

Sparpläne würde ich weiterlaufen lassen. Da ist Disziplin wichtig, denn die Rendite für ETF-Sparpläne ergibt sich langfristig. Auf größere Aktienkäufe würde ich jetzt aber verzichten.

Unser lieber DAX ist bisher circa 12 % gefallen. Einige Anleger fangen bereits mit Nachkäufen an.

Ich habe nichts nachgekauft und werde so schnell nicht nachkaufen. Viele Anleger kennen nur die steigenden Märkte der letzten Jahre.

Ein echter Börsencrash wie zur Dotcom-Blase kann mehrere Jahre andauern.

Es ist absolut möglich, dass sich die Märkte einige Tage erholen. Das wäre völlig normal. Doch das sind dann einfach nur Bullenfallen, um naive Anleger in den Markt zu treiben. Es wird dann stärkere Abverkäufe geben, wenn sich z. Bsp. die Lage in den USA verschlechtern sollte.

Eine größere Bullenfalle hast du bereits gesehen.

Es war der größere Kursanstieg Anfang Februar, als es mal eben um über 5 % hochging.

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Rechtlicher Hinweis: Jegliche Informationen in diesem Beitrag dienen nur der Information und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung sowie keine Anlageberatung dar. Es wird keine Gewähr für die Richtigkeit der Inhalte übernommen, sie können komplett falsch sein.

1 Kommentar
  • Antworten Uwe

    6. Mai 2020, 10:24

    Hallo Nik,
    es ist für mich relativ einfach …die Frage kaufen oder verkaufen stellt sich bei langfristigen Aktionären nicht … sie bleiben dem Unternehmen verbunden … auch in schlechten Zeiten … wer jetzt verkauft, hat seine Hausaufgaben vorher nicht gemacht … eine solche Krise kann halt passieren … dazu ist die Welt insgesamt mittlerweile zu sehr miteinander verwoben und dementsprechend „dünnhäutig“ …fragil …….. da helfen nur solide Informationen wie beispielsweise die langfristige Entwicklung von Dividenden Z.B beim DAX … das hilft bei der (vorherigen) Einschätzung einer Aktie

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