Abzocke beim Aktien & ETF Depot – diese 7 Kostenfallen MUSST du kennen | teure Gebühren vermeiden

Heute zeige ich dir 7 teure Kostenfallen bei Aktien- und ETF-Depots. Selbst erfahrene Anleger tappen in diese Fallen rein. Und dann kann es richtig teuer werden. Ein kleiner Fehler kann dich mal eben mehrere hundert Euro kosten.

Deshalb solltest du alle 7 Kostenfallen kennen, um unnötige Gebühren zu vermeiden.

1. Marktorder

Steigen wir direkt mit der ersten Kostenfalle ein. Viele Anleger kaufen ihre Aktien per Marktorder. Das kann richtig teuer werden.

Da hatte ich in meiner Facebook-Gruppe Aktien Lounge kürzlich einen heftigen Fall.

Ein Mitglied wollte sich eine Aktie für 6,60 Euro kaufen. Im Ask wurden 6,60 Euro angezeigt, also sollte er die Aktie logischerweise zu 6,60 Euro erhalten.

Richtig?

Nein, falsch. Stattdessen wurden ihm 7,95 Euro berechnet. Das sind mal eben 20 % mehr als angezeigt.

Er hat sich 100 Aktien gegönnt. Anstelle von 660 Euro hat er 795 Euro bezahlt. Liegt hier ein Skandal für die BaFin vor? Nein, der Broker hat alles richtig gemacht.

Die Aktie heißt Ecotel Communication. Ich wette, dass 9 von 10 Anlegern noch nie von der Aktie gehört haben. Und genau das ist das Problem. Weniger bekannte Aktien werden kaum gehandelt.

Quelle: Comdirect

Das Volumen ist sehr niedrig. Solche Aktien darfst du niemals per Marktorder kaufen.

Bei einer Marktorder sagst du dem Broker: „Kauf mir die Aktie zum besten Preis!“

Ja, der Broker hat 6,60 Euro angezeigt. Das ist aber nur ein unverbindlicher Vorschlag. Bei einer Marktorder gibt dir der Broker keine Garantie auf den angezeigten Preis! Der tatsächliche Kaufkurs steht erst NACH dem Kauf fest. Du kannst also billiger oder teurer kaufen.

Hier hat der Anleger sehr viel Geld draufbezahlt. Das Fachwort für dieses Phänomen nennt sich Slippage.

Du kannst die Slippage ganz einfach mit einer Limit-Order vermeiden. Dabei legst du den maximalen Kaufpreis fest. Die Limit-Order wird erst dann ausgeführt, wenn dein Preiswunsch erreicht ist. Es wird auf keinen Fall teurer eingekauft.

Nimm dir die Zeit für eine Limit-Order. Das spart dir teure Überraschungen. Verzichte, wenn möglich auf eine Marktorder.

2. Teure Handelszeiten

Die nächste Broker-Falle ist die Handelszeit. Es macht einen großen Unterschied, zu welcher Uhrzeit du kaufst.

Das siehst du an diesem Beispiel:

Quelle: Finanzen.net App

Schau dir den Spread bei diesem ETF an. Er liegt bei ungefähr 123 zu 129 Euro. Kaufst du diesen ETF, bist du sofort 6 % im Minus. Das ist heftig.

Du kannst das ganz einfach vermeiden, indem du zwei Punkte beachtest:

  1. Schau dir vor dem Kauf immer den Spread an. Bei über 3 % sollten die Alarmglocken schrillen. Prüfe nach, warum der Spread so hoch ist.
  2. Achte auf die Handelszeit. Die Xetra ist von 9:00 bis 17:30 Uhr geöffnet. Das ist die Haupthandelszeit in Deutschland. Während dieser Zeitspanne erhältst du in der Regel den besten Spread.

Früher oder später kann es deutlich teurer werden. Das hängt von der Aktie und der genauen Uhrzeit ab. Der außerbörsliche Handel von Lang und Schwarz arbeitet von 7:30 bis 23 Uhr. Es wird sogar am Wochenende gehandelt. Die Spreads können dann spürbar teurer sein. Anstelle von 2 % können es 5 % oder mehr sein.

Faire Kurse gibt es an Werktagen meist zwischen 9 und 20 Uhr. Früher oder später kann es teurer werden.

3. Sparpläne für 1,5 %

Aktien- oder ETF-Sparpläne sind eine tolle Sache. Du kannst dir mit festen Sparraten ein kleines oder großes Vermögen aufbauen.

Viele Broker berechnen 1,5 % pro Ausführung. Auf den ersten Blick klingt das günstig. Ist es auch, aber nicht in allen Fällen.

Die Consorsbank berechnet 1,5 % für Aktien-Sparpläne. Ein Blick auf diese Tabelle wird dir die Augen öffnen:

Sparpläne an sich sind eine super Sache. Die Geldanlage läuft vollautomatisch und ohne größeren Aufwand ab.

  • Bei kleineren Sparraten wie 25 oder 50 Euro sind Aktien-Sparpläne günstig.
  • Für größere Summen wie 500 Euro zahlst du drauf. 7,50 Euro sind viel zu teuer, da gibt es günstigere Broker wie Trade Republic.


Diese Gebührenfalle gibt es auch bei ETFs. Dort werden häufig 1,5 % der Kaufsumme berechnet. Prüfe nach, ob du mit einem Einzelkauf bei einem günstigen Broker besser dran bist.

Es gibt hier aber eine Ausnahme: Einige beliebte Aktien wie Amazon kosten vierstellige Beträge.

Quelle: Comdirect

Amazon ist hier nur ein Beispiel und keine Kaufempfehlung. Nicht jeder hat mal eben 2.250 Euro in der Portokasse. Da muss man in den sauren Apfel beißen und höhere Aktien-Sparplan-Gebühren bezahlen.

4. Depotkosten

Die meisten Broker erheben keine Depotgebühren. Das sieht aber nur auf den ersten Blick so aus. Das kostenlose Depot ist öfters an Bedingungen geknüpft.

Die Comdirect wirbt auf der Startseite mit einem kostenlosen Depot. Das hört sich super an. Wenn man sich die Bedingungen näher anschaut, sieht die Sache anders aus:

»Kostenlose Depotführung: garantiert für volle 3 Jahre«

Das Angebot ist also zeitlich beschränkt.

Damit das Depot kostenlos bleibt, musst du eines der folgenden drei Kriterien erfüllen:

  1. Zwei Trades pro Quartal tätigen,
  2. ein Girokonto führen oder
  3. einen Wertpapiersparplan einrichten.

Ansonsten zahlst du 1,95 Euro pro Monat.

Wenn du einmalig Aktien kaufst und 10 Jahre nichts machst, fallen ab dem 4. Jahr Gebühren an. Vorausgesetzt, du hast kein Girokonto bei der Comdirect.

Ich habe noch ein weiteres Beispiel für dich. Seit dem 1. März erhebt Flatex eine Depotgebühr von 0,1 %. Die Gebühr wird basierend auf dem Kurswert deiner Wertpapiere bestimmt. Reine Buy and Hold Anleger sollten den Broker wechseln.

Prüfe nach, ob dein Depot wirklich kostenlos ist.

5. Namensaktien

An der Börse gibt es unterschiedliche Arten von Aktien. Bei Namensaktien erfolgt ein Eintrag ins Aktienregister. Du wirst mit Adresse, Name und Geburtsdatum im Register erfasst. So kann das Unternehmen die Aktionärsstruktur prüfen und eine feindliche Übernahme erkennen.

Dieser Service hat natürlich seinen Preis. Der Broker berechnet für den Eintrag eine Gebühr. Viele Anleger kaufen eine Namensaktie und merken es erst bei der Abrechnung. Du kannst ganz einfach prüfen, ob eine Aktie eine Namensaktie ist.

Hier siehst du Adidas bei der Comdirect.

Quelle: Comdirect

Scrolle ein bisschen nach unten und schau nach rechts:

Quelle: Comdirect

Adidas ist eine Namensaktie. Das heißt, es fällt eine Gebühr an. Bei der Comdirect sind es 0,95 Euro für den Eintrag ins Aktienregister.

Hört sich nach einem kleinen Übel an. Aber sagen wir, ein Anleger bespart Adidas mit 25 Euro im Monat.

So sieht dann die Rechnung aus:

Anstelle von 1,5 % steigen die monatlichen Kosten auf 5,32 % an. Der Aktien-Sparplan ist plötzlich deutlich teurer als erwartet. Du kannst dem Eintrag widersprechen, aber die Gebühren werden trotzdem erhoben.

Die Consorsbank macht das besser. Hier siehst du einen Teil des Dokuments für den Widerspruch:

Quelle: Widerspruch bei Consorsbank

Der Eintrag ins Aktienregister kostet 1,95 Euro. Doch diese Kosten entfallen bei einem Widerspruch.

Der Eintrag ins Aktienregister ist vor allem bei kleinen Sparraten ein großes Problem. Die Gebühr macht prozentual eine ganze Menge aus. Daher solltest du versuchen, diese Kosten zu umgehen.

Prüfe nach, ob bei deinem Broker ein Widerspruch möglich ist und ob dann die Gebühr entfällt. Manchmal ist ein Widerspruch möglich, es fallen aber trotzdem Kosten an.

6. Zeitlich beschränkte Aktionen

Wenn der Broker mit günstigen Kosten wirbt, musst du ins Kleingedruckte schauen. Oft lauert dort eine Kostenfalle.

Die Comdirect bietet Top-Preis-ETFs für 0 Euro im Sparplan an. Das ist eine super Sache. Du kannst diesen ETF für nur 0 Euro besparen (keine Kaufempfehlung, NUR ein Beispiel):

Die Sache hat einen Haken. Das Angebot ist zeitlich beschränkt. Die Aktion für diesen ETF läuft nur noch bis zum 1. Juni 2020. Nach diesem Stichtag fallen 1,5 % Gebühren an.

Schau dir genau an, wie lange eine Aktion gilt. Wirf einen Blick ins Kleingedruckte, da es nicht immer sofort klar ist. Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, ist die Aktion meistens zeitlich beschränkt.

Diese Kostenfalle gibt es auch bei den Tradingkosten. Flatex wirbt mit einer Neukundenaktion von 3,80 Euro pro Order. Allerdings gibts die 3,80 Euro nur für die ersten 6 Monate. Wenn du nur 6 Monate handeln möchtest, ist das ein tolles Angebot. Langfristige Anleger sollten sich nicht von solchen Aktionsangeboten blenden lassen.

Bevorzuge den Broker mit den langfristig besten Konditionen.

7. Negativzinsen

Wer auf seinem Depotkonto öfters Geld lagert, muss aufpassen. Einige Broker berechnen nämlich Negativzinen. Das heißt, du bezahlst Strafzinsen, wenn du dein Geld nicht in Finanzprodukte investierst.

Flatex berechnet seinen Kunden 0,5 % Negativzinsen im Jahr.

Quelle: Preis- und Leistungsverzeichnis Flatex

Vor allem bei größeren Geldbeträgen ist das ärgerlich. Der Negativzins fällt ab dem 1. Euro an und wird quartalsweise berechnet. Wenn du 10.000 Euro ein ganzes Jahr lang bei Flatex bunkerst, kostet dich das 50 Euro an Gebühren.

Du kannst dir diese Gebühr mit einem Depotwechsel sparen.

Kennst du noch weitere Brokerfallen? Dann schreib die Falle bitte unten als Kommentar!

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