Wie ich mit 13 Jahren ein 11.000 € Depot geschrottet habe

Nein, der Titel ist kein Clickbait. Ich habe mit 13 Jahren wirklich ein Depot mit 11.000 Euro geschrottet. Es war meine schmerzvollste und lehrreichste Börsenerfahrung überhaupt.

Heute beichte ich dir diese peinliche Geschichte. Du kannst verdammt viel aus dieser Geschichte lernen. Sie enthält Hoffnung, Euphorie, Gier und dann einen knallharten Absturz. Genau das, was für jeden Anleger sehr wichtig ist. Mein Fehler kann jedem passieren. Selbst dir. Ob du 18, 30 oder 50 Jahre alt bist, ist völlig egal.

Zum Schluss gebe ich dir einen extrem wichtigen Tipp. Mit diesem Tipp vermeidest du meine ganzen Fehler. Genug der Einleitung. Ich habe dir eine Totalpleite versprochen und hier kommt sie!

1. Das Mindset

Um ein guter Anleger zu werden, musst du einmal im Leben ein Depot schrotten. Das ist sowas wie ein Ritterschlag an der Börse.

Börsenguru André Kostolany war sogar zweimal pleite. Er verkroch sich deswegen nicht in der Ecke und heulte leise herum. Nein, er machte ein Lebensmotto daraus:

»Ein Börsenspekulant, der in seinem Leben nicht mindestens zweimal pleite war, ist dieser Bezeichnung nicht würdig.«

André Kostolany

Ich habe diese schmerzvolle Erfahrung mit 13 Jahren gemacht.

Wir schreiben das Jahr 2001.

  • Das World Trade Center fiel einem Anschlag von Al Quaida zum Opfer.
  • 20.000 Menschen starben bei einem Erdbeben in Indien.
  • Doch es gab auch gute News: 2001 wurde das menschliche Genom entschlüsselt.

Und dann gab es noch mich. Süße 13 Jährchen alt und gerade erst die Klasse 7 erreicht.

Die anderen Kids spielten stundenlang Fußball. Die damaligen Stars hießen Zidane, Figo oder Ronaldo. Nicht der heutige Christiano, sondern Il Fenomeno Ronaldo.

Was machte ich?

Ich entdeckte die Glotze für mich. Ich schaute stundenlang Fernsehen. Aber nicht irgendwelche Cartoons. Nein, ich schaute den ganzen Tag den Sender n-tv rauf und runter. Damals hatte Katja Dofel ihre Karriere bei n-tv gerade erst begonnen. Dieses Jahr feiert sie ihr 20-jähriges Jubiläum. Wie schnell doch die Zeit vergeht.

Mein pubertäres 13-jähriges Ich schaute sich ununterbrochen Börsennews an. Ich interessierte mich immer mehr für Aktien. Eines Tages entdeckte ich das Finanzforum wallstreet:online für mich.

Dort unterhielten sich Anleger über das Börsengeschehen. Besonders spannend fand ich die meistdiskutierten Wertpapiere unter 1 Euro.

Es werden Aktien von irgendwelchen winzigen Buden aus Kanada oder den USA diskutiert.

Zähle 1 und 1 zusammen und du weißt, wie die Geschichte weitergeht.

  • Du hast einen 13-Jährigen, der die Aktienwelt gerade erst kennenlernt.
  • Auf der anderen Seite steht die verruchte Welt der Pennystock.

Mit all ihren dubiosen kanadischen Goldförderern und Solarunternehmen. Jeden Tag geht’s 20, 30 oder 40 % rauf oder runter. Da möchte der 13-Jährige natürlich mitzocken!

Aber mit 13 Jahren ist das in Deutschland nicht möglich. Das geht nur über ein Musterdepot. Da kann man ohne Risiko Erfahrungen sammeln. Das habe ich auch einige Zeit lang gemacht, aber irgendwann war der Reiz weg,

2. Die Sünde

Mein Vater investierte bereits damals in Aktien. Er machte das natürlich mit echtem Geld. Dazu nutzte er mehrere Depots. Er sah, dass ich mich für Aktien interessierte. Deshalb legte er für mich ein Depot mit 4.000 Euro an. Er wollte meine finanzielle Bildung verbessern und mein Interesse für Finanzen wecken.

Ich sollte mit 18 Jahren auf das Depot Zugriff bekommen. Es war aber kein klassisches Kinderdepot, sondern einfach nur ein Depot, das auf seinen Namen lief. Mit 18 wollte er es mir dann zum 18. Geburtstag schenken.

Mit 13 Jahren verstand ich den Faktor Zeit noch nicht. Ich wollte keine 5 Jahren warten, bis ich investieren durfte. Ich wollte sofort mit Aktien durchstarten.

Was ich jetzt sage, darfst du auf keinen Fall nachmachen. Ich verurteile mich selber dafür. Ich war damals 13 Jahre alt und noch grün hinter den Ohren. Also bitte auf keinen Fall nachmachen!

Ich holte mir die Zugangsdaten für mein Depot aus dem Aktenschrank. »Es wird mir mit 18 sowieso gehören. Also kann ich doch auch jetzt schon ran!« Irgendwie so dachte mein kindisch benebelter Verstand.

Ich hatte also die Zugangsdaten für mein Depot, das mir erst ab 18 gehören sollte. Damals gab es noch keine 2-Faktor-Authentifizierung übers Smartphone. Man brauchte nur die Login-Daten und eine TAN-Liste in Papierform. Per TAN musste man den Trade bestätigen. Ich hatte beides zur Hand. Und jetzt kam wallstreet:online ins Spiel.

Ich schaute mit dort täglich die am heißesten diskutierten Pennystock an. Und dann fand ich einen Pennystock, der mich begeisterte.

3. Die Manipulation

In Wahrheit wurde ich von den Personen im Forum manipuliert. Heute bin ich schlauer und ich möchte dieses Wissen mit dir teilen.

Stell es dir so vor:

In jedem Forum gibt es Pusher und Basher.

Pusher

Pusher reden eine Aktie gut. Negative Kommentare schweigen Pusher einfach tot oder ziehen sie ins Lächerliche. Das machen sie, weil sie im Pennystock investiert sind.

Pusher versuchen dumme Schafe – wie damals mich – zu finden. Da Pennystock eine kleine Marktkapitalisierung haben, reicht vergleichsweise wenig Kapital aus, um die Aktie zu bewegen. Bei Aktien wie Apple, Amazon oder Facebook spielt eine Million mehr oder weniger keine Rolle.

Bei Pennystock können Käufe im Wert von 100.000 Euro zu einer Kursexplosion führen. Wenn gerade einmal 10 Leute jeweils 10.000 Euro investieren, hat der Pusher seine 100.000 Euro zusammen.

Basher

Basher reden eine Aktie schlecht. Sie spekulieren über Short-Positionen auf fallende Kurse. Manche Basher möchten auch einfach nur günstig einsteigen. Deshalb versuchen sie investierte Anleger zum Verkauf zu bewegen. Dafür verbreiten sie Panik und erzählen nur negative Argumente.

Das alles wusste ich damals noch nicht. Ich dachte, im Forum würde eine ehrliche Diskussion ablaufen. Tatsächlich haben wir einen knüppelharten Kampf zwischen Pushern und Bashern. Dazwischen stehen Anleger wie ich. Ich ließ mich in diesen Kampf reinziehen. Die Argumente der Pusher erschienen mir logisch. Mein 13-jähriges stupides Ich witterte eine tolle Kaufchance. Und ich kaufte einen Pennystock für 4.000 Euro.

Ich würde dir gerne den Namen nennen, aber ich kenne ihn nicht mehr. Die Firma hatte irgendwas mit Videoverleih zu tun. Du musst dir einmal geben: Ich ließ mich 2001 wirklich davon überzeugen, in Videoverleih zu investieren.

Falls du nicht weißt, was das ist: Du gehst in ein Geschäft und leihst dir Videos gegen eine Gebühr aus. Ja, das gibt es wirklich. Und ich habe 2001 darin investiert. Komplett am Megatrend Internet vorbei.

Als 13-Jähriger hatte ich keinerlei Börsenerfahrung. In meinem Gehirn fehlten die Synapsen für Aktien. Sonst hätte ich erkannt, dass das Internet in den Kinderschuhen steckt. Ich selber habe sehr gerne Online-Games gezockt und gesehen, wie die Nutzerzahlen steigen.

Aber gut, ich war 13 und hatte noch keinen Plan von Börse. Ich musste erst Erfahrungen sammeln. Da gehören Fehler einfach dazu. Dieses Investment war bis heute die beste Börsenlektion meines Lebens.

4. Die Börsenschule

Aber pass auf, die Geschichte wird erst noch spannend. Ich hatte mit dem Pennystock so richtig Glück.

Es kam eine News raus. Der Pennystock wollte mit irgendeiner anderen Firma zusammenarbeiten. Daraufhin schoss der Kurs in die Höhe. Das Depot stiegt von 4.000 auf 11.000 Euro. Ich fühlte mich wie Warren Buffett höchstpersönlich. Mein Riecher war genial. Ich war 13, hatte ein fünfstelliges Depot für die Zukunft. Meine Arroganz holte mich schon bald ein.

Ich erlebte den Zyklus des typischen Anlegers.

  1. Man springt gehirnlos auf einen Zug auf.
  2. Und tatsächlich, der Kurs steigt wirklich. Man freut sich wie der Weihnachtsmann.
  3. Doch dann fängt das böse Erwachen an. Die Aktie fällt immer tiefer und tiefer und tiefer.

Und genauso war es auch bei mir. Meine Unwissenheit wurde hart bestraft. Bei 11.000 Euro träumte ich davon, wie mein Depot auf 20.000 Euro oder sogar noch höher steigt.

Aber von wegen. Einen Tag später fiel der Pennystock wie ein Stein. Das Depot war nur noch 5.000 Euro wert. Vom Gewinn war fast nichts mehr übrig.

Ich hielt aber am Pennystock fest. Im Forum schrieben die Pusher, das wäre nur eine Erholung. Sehr gesund nach dem starken Anstieg. Die Eisenbahn würde schon bald wieder weiterrollen. Und dann geht es nochmals eine Etage höher.

Mein kindliches Gehirn glaubte diesen Worten. Ich hielt am Pennystock fest. Das war die schlechteste Entscheidung meines Finanzlebens. Der Pennystock purzelte immer weiter in den Keller. Ich war so geschockt, dass ich die nächste Jahre kein einziges Mal ins Depot sah. Es gab auch keinen Grund, weil sich die Aktie nie wieder erholte.

Wenn ich die Aktien verkauft hätte, wären die Orderkosten höher gewesen als der Börsenwert. Am Ende kam es knüppeldick. Die Aktie wurde delisted. Das heißt, sie wurde vom Börsenhandel entfernt.

5. Der Denkzettel

Jetzt kommt der witzigste Teil der ganzen Geschichte. Das war für mich der größte Denkzettel.

In all den Jahren erzählte ich meinem Vater nichts davon. Zum 18. Geburtstag erhielt ich dann einen Umschlag. Darin befanden sich die Login-Daten fürs Depot. Voller Vorfreude loggte ich mich ins Depot ein. Ich malte mir schon aus, wie ich mir davon ein Auto kaufe oder mir einen tollen Urlaub finanziere. Man wird schließlich nur einmal 18 im Leben.

Und dann traf mich der Schock. Mein Vater wollte mir das Geld im Depot schenken. Er hatte in all den Jahren keinen einzigen Blick ins Depot geworfen. Doch das Depot war logischerweise komplett leer. Darin befand sich nichts, nada. Ich bekam zum 18. Geburtstag also nichts.

Auf der anderen Seite machte er mir das beste Geschenk, was man sich nicht für Geld kaufen kann: Ich erhielt den größten Denkzettel meines finanziellen Lebens. Diese Geschichte hat mich extrem geprägt.

Ich habe dadurch gelernt, wie man Aktien gut oder schlecht redet. So kann ich Argumente von Analysten oder Investoren richtig beurteilen.

Viele Börsianer argumentieren oft nur in eine Richtung. Bei solchen Anlegern schrillen bei mir sofort die Alarmglocken. Mein 13-jähriges Ich hat mich gelehrt, wie ich Pusher und Basher erkennen.

Ich empfehle dir, dich in wallstreet:online anzumelden und ein bisschen mitzulesen. Du lernst sehr viel über andere Investoren. Wer andere Menschen gut einschätzen kann, wird dieses Talent auch bei Aktien entwickeln. Das hat mich zu einem besseren Anleger gemacht. Was mir hilft, wird auch dir weiterhelfen!

Im Endeffekt sind Aktien wie Menschen. Es gibt ehrliche und gute Aktien. Und dann gibt es Aktien, hinter denen ein dubioser CEO steht. Ehrliche Freundschaften bereichern unser Leben, während falsche Freunde Nerven und Geld kosten. Genauso ist es auch mit Aktien.

3 Kommentare
  • Antworten ETF-Yogi

    3. Februar 2020, 19:26

    Hey, Videoverleih. Was soll da schon schief gehen? Video schauen die Leute doch immer. 😉

    Wenn die Geschichte so stimmt, ist Dein Vater ja eine wirklich coole Socke. Ein echter Buy and Hold-Anleger, der nie ins Depot sieht. Auch davon kann man einiges lernen. Mich würde ja Mal interessieren, ob Du es ihm dann irgendwann Mal erzählt hast und wie er es fand?

    • Antworten Nik Navarskij

      3. Februar 2020, 19:30

      Hallo Yogi,
      basierend auf seiner Reaktion wusste er es nicht.
      Ich habe aber niemals nachgebohrt, da mich dieses Ereignis stark geprägt hat. Es war eine große Börsenlektion für mich, wenn nicht sogar die größte. Deshalb belasse ich das alles im mystischen Glanz.
      Liebe Grüße
      Nik

  • Antworten Nico

    17. Februar 2020, 7:53

    Tja… Mein persönlicher Totalausfall war ein deutscher solarzellenanbieter sowie die Commerzbank. Letztere liegt immer noch tief rot in meinem Depot und ich bin zu stur sie los zu werden. Immerhin gibt’s ein paar Dividenden. 😅

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