ETF Kosten – was 80 % der Anleger falsch machen! | diesen Tipp MUSST du kennen

TER.

TER.

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Die ETF Welt wird von diesen drei Buchstaben beherrscht.

Je günstiger die TER, desto preiswerter ein ETF. Das könnte man meinen. Schließlich steht das Kürzel TER für die Gesamtkostenquote.

Ich sage: Nein, das ist falsch. Wer seine ETFs anhand der TER auswählt, macht einen gigantischen Fehler. Warum das so ist, erkläre ich dir heute. Dafür nutze ich beliebte ETFs auf Indizes wie den MSCI World und den S&P 500. Ich verrate dir, welche Kennziffer ich für einen ETF-Vergleich nutze! Als Bonus zeige ich dir zum Schluss, wie du die besten ETFs auf einen Index findest.

So wählst du einen ETF aus

Per ETF kannst du kostengünstig in Indizes investieren. Nehmen wir als Beispiel den MSCI World.

Im MSCI World sind über 1.600 Unternehmen aus 23 Industriestaaten enthalten. US-amerikanische Unternehmen wie Amazon, Apple oder Coca Cola sind weltweit aktiv. Das gilt auch für deutsche Konzerne wie Adidas oder Daimler.

Mit einem ETF auf den MSCI World kannst du dir eine große Scheibe unserer Welt ins Depot holen. Doch der ETF muss irgendwie bezahlt werden. Ein ETF regnet nicht vom Himmel, sondern wird von einer Fondsgesellschaft wie BlackRock verwaltet. Der Aufwand ist zwar relativ gering, aber trotzdem fallen Kosten an.

In der Regel werden diese Kosten als TER angegeben. TER steht für Total Expense Ratio. Übersetzt heißt das Gesamtkostenquote. Okay, in der TER sind also die gesamten Kosten enthalten. Das könnte man meinen. Der Begriff »Gesamtkostenquote« hört sich nach einem All-Inclusive-Paket an. Doch das ist komplett falsch.

Viele Sparer lassen sich von der TER täuschen. Nehmen wir als Beispiel wieder den MSCI World.

Ich habe dir eine Liste mit ETFs auf diesen Index herausgesucht. Hierfür nutze ich justETF. Ich kann dir die Webseite zur ETF-Suche empfehlen. Du kannst dort nach jedem beliebigen Index suchen. JustETF zeigt dir alle verfügbaren ETFs an.

Ich habe dir zwei ETFs aus dieser Liste rot markiert. Ein Produkt von HSBC und eines von iShares. Schau dir nun die grün markierte TER an.

Es gibt zwei günstigere ETFs mit 0,12 %, aber sie haben ein kleines Fondsvolumen. Deshalb habe ich den HSBC mit einer TER von 0,15 % genommen. Der iShares kostet 0,2 % im Jahr. Rein von der TER müsste man sich für den ETF von HSBC entscheiden. Schließlich ist er viel günstiger.

Wichtiger Hinweis: 0,15 und 0,2 % sind nicht weit entfernt. Einige Investoren denken sich: »Ob ich 0,2 oder 0,3 % Gebühren bezahle, macht den Bock nicht fett.« Das ist aber komplett falsch. 0,1 % machen eine ganze Menge aus. Als ETF-Anleger musst du langfristig denken. Da denkst du in Zeiträumen von 10, 15 oder 20 Jahren. Einige Sparer halten ihre ETFs sogar noch länger.

Ich zeige dir nun, wie der Bock durch 0,1 % deutlich fetter wird.

In diesem Beispiel liegt das Startkapital bei 1.000 Euro. Zusätzlich sollen pro Monat 200 Euro gespart werden. Ich habe extra ein realistisches Beispiel gewählt. Die meisten Zuschauer sollten wohl in diesem Bereich herum investieren. Bei einer Rendite von 5 %, kommst du nach 20 Jahren auf circa 84.160 Euro.

Was passiert, wenn sich die Rendite um 0,1 % erhöht?

Bei 5,1 % sind es rund 85.120 Euro. 0,1 % machen in diesem Beispiel knapp 1.000 Euro aus.

Es macht den Bock richtig fett, ob die ETF-Kosten bei 0,2 oder 0,3 % im Jahr liegen. Du lässt einfach so Rendite liegen, wenn du einen teureren ETF kaufst.

Wieder zurück zu den ETFs auf den MSCI World. Der kurze Einschub war wichtig, damit du verstehst, warum sich ein Gebührenvergleich lohnt. Selbst kleine Kostenunterschiede können Tausende von Euros ausmachen. Beim MSCI World scheint der HSBC ETF die bessere Wahl zu sein. Der ETF von iShares scheint mit einer TER von 0,2 % teurer zu sein.

Also am besten den ETF von HSBC kaufen?

Nein!

Jetzt kommen wir zum ETF Fehler, den 80 % aller Anleger machen! Die 80 % sind eine grobe Schätzung von mir. Ich lese sehr viel in Facebook-Gruppen und Foren mit. Und dort sehe ich diesen Fehler bei 8 von 10 Anlegern.

80 % aller Sparer wählen ihre ETFs anhand der TER aus. Das ist schlecht, denn die TER zeigt nur die theoretischen Kosten. In der Praxis können die ETF Kosten erheblich von der TER abweichen. Deshalb wähle ich meine ETFs anhand der Tracking Difference aus. Das Kürzel lautet TD.

Plötzlich sieht das Ranking ganz anders aus. Der vermeintlich teurere ETF von iShares rankt deutlich höher. Die Tracking Difference liegt bei -0,01 %. Dagegen bringt es der HSBC ETF auf eine TD von 0,1 %.

Zur Erklärung: Die Tracking Difference bezieht sich immer auf die Vergangenheit. Du siehst anhand dieser Kennziffer, wie viel ein ETF tatsächlich gekostet hat.

  • 2017 hatte der HSBC ETF eine TD von – 0,3 %. Das heißt, er hat seinen Index, also den MSCI World um 0,3 % geschlagen.
  • 2015 lag die Tracking Difference bei 0,9 %. In diesem Jahr hat er 0,9 % schlechter als sein Index abgeschnitten. Und das, obwohl die TER eigentlich bei 0,15 % liegt.

Dieses Beispiel zeigt, wie gering die Aussagekraft der TER ist. Die tatsächlichen ETF Kosten unterschieden sich häufig deutlich von der TER. Schau dir jetzt den MSCI World ETF von iShares an.

Die durchschnittliche Tracking Difference liegt bei – 0,01 %. Mit diesem ETF hättest du den MSCI World langfristig geschlagen. Die TER von 0,2 % ist also komplett an der Realität vorbei.

Kommen wir zur Interpretation der Werte.

Warum würde ich den ETF von iShares bevorzugen?

Das hat zwei Gründe:

  1. Die Fondsgröße ist enorm wichtig. Je größer der ETF, desto stabiler die Kosten. Das Produkt von iShares ist der mit Abstand größte MSCI World ETF.
  2. Schau dir die Sprunghaftigkeit der TD an. Die Tracking Difference ist beim iShares ETF relativ konstant. Dafür würde ich mir die letzten 5 Jahre ansehen. Im Vergleich schwankt der HSBC deutlich stärker. Ein Jahr können es – 0,4 % sein. Doch es gibt auch Ausreißer wie 0,9 %. Da bevorzuge ich ganz klar den ruhigeren iShares ETF.

Testen wir kurz, ob du alles verstanden hast.

Schau dir die anderen ETFs auf den MSCI World. Denk an meine zwei Kriterien Fondsgröße und Sprunghaftigkeit. Welcher MSCI World ETF aus dieser Liste ist die beste Alternativ zum iShares ETF?

Hast du eine Wahl getroffen? Ich verrate dir nun die Lösung: Es ist der MSCI World ETF von Xtrackers. Der ETF ist zwar noch keine fünf Jahre alt. Dafür ist das Fondsvolumen sehr hoch. In den letzten Jahren ist die TD konstant niedrig ausgefallen. Wegen dem hohen Fondsvolumen sollte die Tracking Difference weiterhin günstig bleiben.

Ich würde den ETF von iShares bevorzugen.

Das hat einen wichtigen Grund. Neben den ETF Kosten musst du Gebühren an den Broker bezahlen. Irgendwo musst du die ETFs schließlich kaufen und lagern.

Seit kurzem gibt es einen Broker, wo du ETFs von iShares dauerhaft für 0 € besparen kannst. Bei anderen Anbietern werden häufig 1,5 % fällig. Nicht so bei meinem Broker. Du kannst dort dauerhaft für 0 € ETFs besparen. Es gibt keine Depotgebühren. Außerdem kannst du Aktien für 1 Euro handeln.

Klick unbedingt rein, um deine Rendite zu optimieren.

Gleich zeige ich dir, wie du den besten ETF auswählst. Vorher möchte ich dir erklären, wie eine negative Tracking Difference möglich ist.

Wie kann ein ETF seinen Index schlagen?

Irgendwie ist das unlogisch. Schließlich bildet ein ETF einen Index wie den MSCI World nach. Abzüglich der Gebühren müsste er leicht schlechter oder genau gleich abschneiden. In der Praxis ist eine Überrendite möglich. Das ist kein Hexenwerk, sondern hat rationale Gründe. Fangen wir mit der Abbildungsart an.

Hierzu schauen wir uns den ETF von iShares genauer an.

Die Replikationsmethode ist physisch. Das heißt, die Unternehmen im ETF werden tatsächlich gekauft. Rechts neben dem Wörtchen »physisch« steht ein Zusatz dran: »Optimiertes Sampling«.

Was hat es damit auf sich? Ja, die Unternehmen im ETF werden gekauft, aber nicht alle. Ein ETF mit diesem Zusatz kauft nur einen repräsentativen Anteil vom Index. Im MSCI World sind über 1.600 Unternehmen enthalten. Einige Unternehmen sind mit weniger als 0,001 % gewichtet. Der Einfluss auf den Kurs liegt quasi bei Null. Deshalb spart sich der ETF-Anbieter die Kosten für solche winzigen Position und kauft nur die Platzhirsche eines Index. So ergeben sich Unterschiede bei der Abbildung.

Der nächste Punkt sind Dividenden. Einige ETFs reinvestieren die Ausschüttungen erst später. Sinken die Märkte, führt das zu einer Überrendite.

Neben den Dividenden wird der Index regelmäßig angepasst. Erfolgreiche Unternehmen kommen dazu, weniger erfolgreiche gehen. Dies kann die Rendite beeinflussen. Zu viele Anpassungen belasten die Rendite. Verzichtet ein ETF wegen dem optimierten Sampling auf einige Unternehmen, kann er besser abschneiden.

Ein weiterer Punkt ist die Wertpapierleihe. Einige ETF-Anbieter verleihen einen Teil der Aktien. So ergeben sich Erträge, die der normale Index nicht hat. Du siehst, es gibt viele Gründe, warum ein ETF besser als sein Index abschneiden kann.

Bonus: So kannst du den besten ETF finden!

Kommen wir nun zum Bonus. Ich zeige dir im Schnelldurchlauf, wie du die besten ETF Kosten ermittelst.

Zuerst musst du dich für einen Index entscheiden. Sagen wir als Beispiel, du möchtest den S&P 500 besparen. Das ist der wichtigste US-amerikanische Index.

Tippe in Google den Namen des Index mit dem Stichwort ETFs ein. In unserem Beispiel sind es S&P 500 ETFs. Möchtest du den MSCI World besparen, tippst du MSCI World ETFs ein.

Wähle unten das Suchergebnis von JustETF aus. Du kannst auch direkt auf der JustETF Seite nach dem Index inklusive der ETFs suchen. Ich finde das jedoch umständlicher als diesen Weg über Google.

Nun siehst du eine Seite mit allgemeinen Infos zum S&P 500. Das ist hilfreich für Anfänger. So kannst du dich zum Index informieren. Scrolle ein bisschen nach unten.

Da findest du drei verschiedene Rankings. Das erste Ranking finde ich eher unwichtig. Beim besten S&P 500 ETF werden nur die letzten 12 Monate berücksichtigt. Diese Daten haben zu wenig Aussagekraft. Vielleicht hat ein ETF bloß in diesem Zeitraum gut abgeschnitten.

Deshalb würde ich nur das zweite und dritte Ranking berücksichtigen.

Das zweite Ranking ist die Fondsgröße. Schreib dir unbedingt die 2 bis 3 größten ETFs raus. Sie überzeugen meist mit einer super Tracking Difference.

Unten im dritten Ranking siehst du die TER. Klick dort rein, um einen groben Kostenüberblick zu erhalten.

Allein aus diesen Daten kannst du ablesen, welche Produkte für dich spannend sein könnten. Was glaubst du, welche sind es? Ich löse das Rätsel auf: Es sind die ETFs von iShares und Vanguard.

Beide überzeugen mit einem hohen Fondsvolumen. Selbst die theoretische TER fällt niedrig aus. Aber wie du erfahren hast, hat die TER wenig zu sagen. Sehen wir uns deshalb die TD an. Dafür gehst du auf die Webseite trackingdifferences.com.

Auf der Startseite kannst du bequem nach Indizes suchen. Ich habe dir den S&P 500 markiert. Klicken wir dort rein, erscheint dieses Ranking.

Ich habe dir die vorigen beiden ETFs markiert. Sie ranken eher weiter unten. Theoretisch schneidet der Xtrackers am besten ab. Die Fondsgröße ist deutlich größer als die ETFs weiter oben. Die TD überzeugt ebenfalls am meisten. Allerdings steckt der Teufel im Detail.

Wir müssen das Ranking ein bisschen aufräumen. Und so sieht meine Auswahl aus:

  • Ich persönlich würde nur physische ETFs kaufen. In einem physischen ETF sind echte Aktien hinterlegt.
  • Synthetische ETFs hingegen bilden einen Index künstlich per Swaps nach.

Der Xtrackers ist ein synthetischer ETF. Da man ETFs für 10 Jahre oder länger kauft, würde ich physische ETFs bevorzugen. Ob der ETF physisch oder synthetisch ist, erkennst du am Buchstaben P oder S. Ich habe ihn dir grün umkreist. Es bleiben deutlich weniger ETFs übrig.

Die gute Nachricht: Alle ETFs, die du im oberen Screen siehst, konnten den S&P 500 in den letzten Jahren schlagen. Das kann sich in Zukunft ändern. Doch das ist super, dass die ETFs zuletzt gut liefen. Die TD ist wahnsinnig gut. Die ETFs von Vanguard und iShares konnten super Ergebnisse erzielen. In den letzten 5 Jahren lag die TD ungefähr gleich hoch.

Denk immer einen Schritt weiter!

Jetzt kommt wieder der Punkt Ordergebühren ins Spiel. Wegen den dauerhaft 0 Euro würde ich den iShares bevorzugen.

Der ETF von Vanguard ist auch eine gute Wahl. Da musst du womöglich Ordergebühren berücksichtigen, die deine Rendite schmälern.

Noch ein wichtiger Schlusssatz: Die Tracking Difference ist eine historische Kennziffer. Es gibt keine Garantie, dass sie auch in Zukunft niedrig sein wird. Die Chancen stehen gut, wenn das Fondsvolumen groß ist und die TD in den letzten 5 Jahren konstant niedrig war.

Rechtlicher Hinweis: Jegliche Informationen in diesem Beitrag dienen nur der Information und stellen keine Anlageberatung dar. Es wird keine Gewähr für die Richtigkeit der Inhalte übernommen, sie können komplett falsch sein.

1 Kommentar
  • Antworten ETF-Yogi

    12. Dezember 2019, 12:00

    Ich stimme Dir größtenteils zu. Bei der ETF-Auswahl gehen wir anscheinend ziemlich ähnlich vor und ich achte auch eher auf die Tracking-Differenz als die TER. Bei dem Beispiel des HSBC wäre ich aber vorsichtig. Der extreme Fall von 2015 sieht schon sehr nach einem einmaligen Ausrutscher aus. Insgesamt fällt auf, dass die TD vorher deutlich schlechter war. Seit 2016 ist die TD dann aber konstant richtig gut bei durchschnittlich ca. -0,167.

    Da sollte man genauer hinsehen. Woran kann das liegen? Tja. HSBC hat 2016 die TER bei einigen ETFs drastisch gesenkt. Beim MSCI World ging es von 0,35% p.a. auf 0,15% p.a., also 0,2%. Aber auch iShares hat mit Einführung der Core-Reihe die TER gesenkt. Das war allerdings schon 2 Jahre früher, 2014. Beim MSCI World ging es 2014 von 0,4% p.a. auf 0,2% p.a. Das macht den direkten Vergleich natürlich schwieriger.

    Behält man dies im Kopf und sieht sich die Tracking-Differenz dann noch mal an, ist der scheinbare Vorsprung des iShares verschwunden. Ich würde daher eher die letzten drei Jahre als repräsentativ betrachten und da liegt der HSBC dann mit einem Vorsprung von knapp 0,1% p.a. wieder klar vorne. Vom Prinzip her sind das aber ohnehin zwei sehr unterschiedliche ETFs, da der eine ausschüttend ist und der andere thesaurierend.

    Die TD ist wichtig, man sollte dann aber auch mögliche Gebührensenkungen im Blick behalten, die das Bild verfälschen können.

    Ansonsten ein schöner Artikel!
    Gruß,
    Rolf

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