Das große ETF Märchen: DARUM kommen keine ETFs in mein Depot!

Es war einmal ein normaler Sparer. Er lebte glücklich und zufrieden nach der schwäbischen »schaffa, schaffa, Häusle baua« Mentalität.

Sein Geld legte er fleißig auf dem roten Sparbüchlein an.

Doch eines Tages zogen tiefschwarze Gewitterwolken auf. Der böse Hexenmeister Mario Draghi führte Negativzinsen ein.

Daraufhin fielen die Zinsen in einen Dornröschenschlaf. Bis heute sind die Zinsen nicht wieder aufgewacht. Es hat sich noch kein Prinz gefunden, der die Zinsen auf dem Sparbüchlein wieder wachküsst.

Unser Sparer war verzweifelt und bangte um seine Ersparnisse. In seinem tiefsten Zins-Schmerz erschien ihm ein Geist in einer futuristischen Erfindung namens Computer.

Der Finanzblogger-Geist aus dem Internet reichte ihm ein dunkelrotes Schwert. Im Schwert waren die drei Buchstaben ETF eingraviert.

Der Geist kommentierte dies mit den Worten:

»Dieses Schwert ist das Wundermittel gegen den Hexenmeister Mario Draghi. Ihr könnt mit diesem Schwert eine ganze Armee bezwingen oder Soldat für Soldat besiegen. So oder so, das Schwert wird euch großartige Reichtümer bescheren. Ihr müsst nur eine Aufgabe meistern: Erst in 15 Jahren dürft ihr euren Kampf beenden. Gebt ihr euch früher geschlagen, wird sich euer Reichtum in Luft auflösen.»

Und der Geist verschwand genauso schnell, wie er gekommen war. Der Sparer glaubte dem Finanzblogger-Geist, anstatt über seine Worte nachzudenken. Er schnappte sich das ETF-Schwert und befindet sich seitdem im Finanzkrieg.

Und sofern er nicht durch Frugalismus gestorben ist, dann spart er noch heute.

Das war das Märchen vom ETF-Sparer und der fabelhaften Rendite. Der böse Hexenmeister Mario Draghi konnte mit dem ETF-Schwert besiegt werden.

Allerdings hat die Sache einen Haken: nämlich die Rendite.

In der Finanzwelt gelten ETFs fast schon als Wundermittel. Aktives Trading wird von vielen Personen verteufelt. Es kommen dann so Sprüche wie »hin und her macht die Taschen leer«.

Das ist aber totaler Quark. ETFs bieten eine solide Rendite. Je nach Index und Anlagezeitraum sind es um die 5 bis 10 %. ETFs schlagen das Sparbuch locker. Das ist wunderbar. Aber es gibt deutlich bessere Alternativen. Und das ist keine Erfindung von mir. Das sagt die Wissenschaft, basierend auf Daten aus 200 Jahren.

Mit ETFs kannst du langfristig um die 7 % erzielen. Ich spreche hier von beliebten ETFs. Es geht nicht um Branchen-ETFs oder aktiv gemanagte ETFs.

Im Fokus stehen die ETFs der breiten Anleger-Masse:

  • MSCI World
  • S&P 500
  • NASDAQ
  • oder auch unser DAX

Das sind die ETFs, in welche die meisten Sparer investieren. Und mit diesen ETFs sind langfristig um die 5 bis 10 % möglich. Das ist eine stolze Rendite, wenn du ans Sparbuch denkst. Da kannst du glücklich sein, wenn du über 0,01 % erhältst. Es geht jedoch deutlich besser. Du kannst die Märkte mit einigen Strategien schlagen. Welche das sind, verraten uns Guido Baltussen, Laurens Swinkels und Pim van Vliet.

Am 31. Januar 2019 haben sie die Studie Global Factor Premiums veröffentlicht.

Der Name klingt wenig spektakulär, aber die Ergebnisse haben es in sich. Guido und Laurens sind übrigens Forscher an der Erasmus-Universität in Rotterdam. Pim arbeitet beim niederländischen Vermögensverwalter Robeco. Die Studie wurde also basierend auf wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt. Demnach hat sie eine sehr hohe Aussagekraft.

Und nun kommt die Besonderheit: Das Dreier-Team hat einen extrem langen Börsenzeitraum untersucht. 10, 20 oder 50 Jahre? Nein, es wurden 216 Jahre Börsengeschichte analysiert. Und zwar der Zeitraum von 1800 bis 2016.

ETF-Anleger schwören darauf, dass sie langfristig im Vorteil sind. Rein historisch stimmt das auch. Wer langfristig in ETFs anlegt, hätte in der Vergangenheit nach circa 15 Jahren immer eine positive Rendite erzielt. Doch nun kommt die Überraschung: Klassisches Buy and Hold von ETFs ist alles andere als die beste Strategie. Das ist bloß ein Märchen. Es gibt vier Taktiken, die deutlich besser abschneiden.

Rang 4: Value Investing

Fangen wir ganz unten an, nämlich beim Value Investing. Da gibt es direkt einen kleinen Schock: Ja, Value Investing bringt eine Überrendite. Das ist eine gute Nachricht für Warren Buffett Fans. Rein wissenschaftlich lohnt es sich, nach Value-Aktien zu suchen.

Nun kommt der Schock: Neben ganz normalen ETFs schneidet Value Investing am schlechtesten ab. Das sind genau die zwei Strategien, die bei Aktionären am meisten diskutiert werden. In letzter Zeit lese ich überall »Es gibt nichts besseres als ETFs« oder »Aktives Investieren ist sinnlos«. Die wissenschaftliche Studie beweist, dass sich aktives Investieren lohnen kann. Value Investing liefert eine Überrendite. Trotzdem sind das die zwei schlechtesten Investments laut dieser Studie. Was lernen wir daraus: Die Masse liegt mal wieder falsch. ETFs und Warren Buffett werden gehypt und genau diese Hype-Produkte schneiden am schlechtesten ab. Schauen wir uns die besseren Strategien an.

Value Investing bringt eine Überrendite von 2,4 %. Besser als nichts, aber es geht deutlich besser.

Bronze: Saison Strategie

Die Saison Strategie kommt auf eine Überrendite von 5,7 %. Das ist mehr als doppelt so gut wie das Value Investing. Bei der Saison Strategie suchst du nach Aktien, die in bestimmten Jahreszeiten gut performen. Um es kurz zu machen: Ich würde von dieser Strategie abraten. Der Aufwand ist viel zu groß. Du musst zahlreiche Branchen untersuchen. Dann musst du herausfinden, wann welche Branche besser performt.

Wäre das die beste Strategie, würde ich sagen: Okay, der Aufwand lohnt sich für Aktionäre, denen Wirtschaft Spaß macht. Aber saisonale Muster sind nicht die beste Strategie. Wir haben noch zwei weitere Pferde im Stall, die deutlich besser abschneiden.

Silber: Carry Strategie

Auf Rang 2 steht die Carry-Strategie. Darunter kann sich kaum jemand etwas vorstellen. Hinter Carry verbirgt sich eine beliebter Ansatz, nämlich die Dividenden-Strategie. Mit einer Überrendite von 7,2 % sind Dividende ein lohnender Ansatz. Rein historisch deutlich attraktiver als Value Investing.

Im Vergleich zur Saison-Strategie ist der Aufwand niedriger. Du musst keine bestimmten Marktphasen untersuchen. Es reicht aus, nach Aktien mit einer stabilen Dividende zu schauen. Da kannst du dir z. Bsp. die Dividendenaristokraten ansehen.

Dividendenaristokraten sind Aktien, die seit mindestens 25 Jahren eine Dividende ausschütten und die Zahlungen jährlich erhöhen. Es darf keine Streichungen oder Kürzungen der Dividende gegeben haben. Sonst verliert die Aktie den Titel des Dividendenaristokrats.

In dieser Grafik siehst du den S&P 500 (blaue Linie). Als Kontrahent siehst du die Dividendenaristokraten aus dem S&P 500 (gelber Verlauf, ETF SPDR S&P US Dividend Aristocrats). Langfristig konnten die Aristokraten eine deutliche Überrendite im Vergleich zum normalen Index erzielen.

Diese Grafik stützt die Erkenntnisse aus der Studie. Ein dividendenorientierter Ansatz kann dir eine deutliche Überrendite im Vergleich zu Standard-ETFs bringen.

Und ja, du kannst theoretisch einen Dividenden-ETF kaufen. Daraus ergibt sich ein Nachteil.

Du siehst hier einige beliebte Dividenden-ETFs. Die größten Produkte kosten eine TER von 0,4 bis 0,46 %. Das ist ein knapper halber Prozentpunkt. Ich finde, diese Ausgaben kann man sich sparen. Ich würde mir mein Dividenden-Depot selber zusammenstellen. So circa 10 bis 15 Aktien sollten für den Anfang ausreichen. Du kannst dich z. Bsp. von den Dividendenaristokraten inspirieren lassen.

Um die Kosten möglichst niedrig zu halten, benötigst du einen günstigen Broker. 5 oder 10 Euro Orderkosten sind für die heutige Zeit viel zu teuer. Es gibt einen Broker, der dir Trades für nur 1 einzigen Euro ermöglicht:

Klick rein, um Orderkosten zu sparen. So kannst du deine Rendite clever erhöhen. Kommen wir nun zur historisch besten Strategie.

Gold: Trend Strategie

Die Trend-Strategie ist der strahlende Sieger. Rein historisch schaffte sie eine stolze Überrendite von 7,5 % im Jahr. Ich betone nochmals: Das ist die Überrendite. Normale ETFs kommen auf ungefähr 7 %. Mit der Trend-Strategie sind insgesamt um die 10 bis 15 % im Jahr möglich. Und das sagt die Wissenschaft.

Bei der Trend-Strategie schaust du nach Aktien, die in den letzten 12 Monaten besser als der Markt performt haben. Du setzt auf das Momentum. Du spekulierst darauf, dass sich der starke Aufwärtstrends weiterhin fortsetzen wird. Bei der Trend-Strategie ist es wichtig, auf seriöse Unternehmen zu setzen. Es geht nicht um irgendwelche Zockeraktien, die durch eine Börsen-Zeitschrift hochgepusht wurden.

Ich bespare gerade keinen einzigen ETF mehr. Ich setze nur noch auf Einzelaktien und andere Investments. Aber wie gesagt, ETFs gehören da nicht dazu. Ich stelle mir mein Depot lieber selber zusammen. Ich habe übrigens mehrere Depots, in denen ich verschiedene Strategien verfolge. Eines davon ist ein Dividenden-Depot, da ich die Dividenden-Strategie extrem spannend finde.

Jetzt kommt das große Aber: Diese Art des Investierens ist nicht für jeden geeignet. Viele Sparer möchten sich nicht ewig in den Aktienhandel einlesen. Sie möchte keine Aktienkurse verfolgen. Und für diese Personen sind irgendwelche Trend- oder Saison-Strategien vollkommen ungeeignet. Für diese Strategien musst du sehr viel Zeit und Know-how mitbringen. Bereits ein kleiner Fehler kann die komplette Rendite vernichten.

Wenn der Anfänger z. Bsp. nur 3 Aktien kauft, weil er nicht weiß, dass er sein Depot breiter streuen muss. Aber nur so kann er sein Risiko senken.

Die Dividendenstrategie ist noch am einfachsten. Solide Dividendenzahler punkten mit einem stabilen Geschäftsmodell und konstanten Ausschüttungen. Legst du dir da 20 Dividenden-Aktien ins Depot, kann auch eine Aktie ausfallen. Das ist weniger schlimm, da du dein Risiko breit verteilt hast. Für viele Anleger ist selbst die Dividendenstrategie zu kompliziert.

Nimm Oma Waltraud, die für ihren Enkel zur Geburt etwas Geld anlegen möchte. Sie möchte sich nicht in Finanzen einlesen, sondern ihre Zeit lieber mit einer Wanderung in den Alpen verbringen. Das ist auch vollkommen verständlich.

Viel wichtiger als Geld ist nämlich unsere Zeit. Das vergessen sehr viele Aktionäre. Deshalb sind für viele Anleger ETFs die bessere Wahl.

  1. Die Rendite ist deutlich höher als auf dem Sparbuch.
  2. Es sind praktisch keine Fehler möglich. Okay, du kannst den ETF viel zu früh bei einem Börsencrash verkaufen. Aber sonst sind kaum Fehler möglich.
  3. Du musst dich um nichts kümmern. Bei einer Einmalanlage bleibt das Geld für 15, 20 Jahre oder länger im ETF. Das ist alles. Mehr musst du nicht tun.

Deshalb lautet meine Meinung: Wenn du deine Geldanlage einfach halten möchtest, sind ETFs eine vernünftige Wahl.

  • Du möchtest so wenig Zeit wie möglich in deine Finanzen investieren? Dann führt kein Weg an ETFs vorbei.
  • Du interessierst dich jedoch für Geldfragen? Es macht dir Spaß, Finanzvideos wie diesen Beitrag anzusehen? Dann sind ETFs nichts weiter als ein Märchen.

Denn es gibt spannende Taktiken wie die Dividendenstrategie. Du kannst sie mit ein bisschen Aufwand umsetzen. Da reichen wenige Stunden pro Monat aus. Ambitionierte Aktionäre können sich auch professionellen Taktiken wie die Trendstrategie ansehen. Diese Taktik ist aber eher etwas für Finanzexperten. Die Fehlerquote ist extrem hoch.

Du musst dich zu jedem Unternehmen sorgfältig einlesen. Vielleicht ist der Kurs nur wegen einer einmaligen News explodiert. Doch das Unternehmen befindet sich in einer schweren Krise. Deshalb geht es direkt wieder runter. Mir macht das Spaß, deshalb investiere ich z. Bsp. in Megatrends. Ich suche mir meine Aktien selber aus.

Du siehst: Es kommt ganz darauf an, wie viel Zeit du in Aktien investieren möchtest. Je mehr Zeit du reinsteckst, desto tiefer kannst du nach Aktien graben.

Dass ETFs eine solide Rendite abwerfen, ist kein Märchen. Rein historisch gabs langfristig um die 7 % herum. Das Märchen liegt in den ganzen Finanzblogger-Geistern. Von sehr vielen Bloggern wird propagiert, dass passives Investieren alternativlos ist.

Das Argument: »Du kannst den Markt nicht schlagen.«

Das ist falsch. Die Wissenschaft zeigt, aktives Investieren kann dir eine Überrendite bringen. Dass ETFs die renditestärkste Geldanlage an der Börse sind, ist ein Märchen. Value Investing, saisonale Muster, Dividenden und Trends machen eine Überrendite möglich.

Rechtlicher Hinweis: Jegliche Informationen in diesen Beitrag dienen nur der Information und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Es wird keine Gewähr für die Richtigkeit der Inhalte übernommen, sie können komplett falsch sein.

6 Kommentare
  • Antworten IMHAMSTERRAD

    4. Oktober 2019, 22:16

    ETFs sind für die Leute gemacht, die sich nicht wirklich mit der Börse beschäftigen wollen. Ich kaufe nur Aktien, bringt mehr. Aber ETFs sind voll im Trend, in DE fängt es erst an, der eigentliche Boom kommt noch. Sie sind zumindest günstiger als Fonds.

  • Antworten Bliblablub

    5. Oktober 2019, 10:49

    Also mit etf’s erreiche ich eine Rendite von ca 7 % ohne wirklichen Aufwand.
    Mit der goldlösung sind 7,5 Prozent wahrscheinlich dazu habe ich Aufwand und brauche auch ein gewisses Maß an Erfahrung.
    Wenn ich das so lese würde ich als normaler Sparer wissen wo ich rein investiere. Die goldlösung wäre nur was für aktive Investoren. Der normale Sparer wird damit nicht besser fahren.
    Just my two cents

    • Antworten Sam

      6. Oktober 2019, 9:57

      Wenn ich Überrendite richtig verstehe, wäre die Goldlösung 7,5 Prozent über dem Markt. Wenn der ETF dem Index folgt, wird er nur den Markt abbilden. Die Goldlösung hätte daher ca 14,5 Prozent Rendite. Bei diesen Zahlen könnte sich der Aufwand natürlich relativieren.

    • Antworten Nik Navarskij

      6. Oktober 2019, 10:54

      Genauso sehe ich das auch, wie ich erkläre. Für normale Sparer ist wohl ein ganz normaler ETF am besten. Das ist eine einfacher und historisch rentable Geldanlage.
      Das ist aber NUR meine persönliche Meinung und keine Anlageberatung!

  • Antworten Jonas

    6. Oktober 2019, 8:30

    110% überzeugt von TradeRepublic?
    You are kidding, buddy.

    • Antworten Nik Navarskij

      6. Oktober 2019, 10:53

      Trade Republic bietet das, worauf es ankommt: extrem günstige Ordergebühren.
      Ich brauche keine Charttechnik usw., da ich dafür professionelle Programme habe. Was ich brauche, sind günstige Orderkosten und die kann mir Trade Republic bieten.

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