5 echte ETF Risiken & Nachteile, die 80 % der Anleger nicht kennen

Michael Burry ist überzeugt: Der nächste Börsencrash wird durch ETFs ausgelöst. Er sieht Parallelen zur Finanzkrise 2008.

Das Thema hat für großes Entsetzen in der Finanzcommunity gesorgt. Selbst bekannte YouTube-Kanäle wie Talerbox oder Finanzfluss sind darauf angesprungen.

Quelle: YouTube.de / Talerbox Invest Smart

Ich sehe das alles als Hexenjagd an. Immer mehr Anleger interessieren sich für ETFs. Mit dem Thema lassen sich Klicks und Schlagzeilen generieren. Dieser YouTuber hat das Thema besonders dreist ausgeschlachtet:

Ups, das bin ja ich! Heute räume ich die ganzen ETF Nachteile auf. Ich möchte dir fünf echte ETF Risiken erzählen. In vielen Artikeln werden irgendwelche künstlich aufgebauschten Nachteile besprochen. Ich erkläre dir fünf Punkte, auf die es bei deiner Geldanlage in ETFs wirklich ankommt. Alle fünf ETF Risiken können dich viel Geld kosten, also schau dir unbedingt jeden einzelnen Punkt an.

1. Neue Finanzprodukte

Das erste ETF Risiko ist ein verstecktes Argument. Viele Anleger denken nicht daran. Dabei ist es extrem wichtig.

Info: ETFs sind langfristige Anlageprodukte. Man sollte mindestens 10 Jahre mitbringen, noch besser sind 15 oder 20 Jahre. Dann senkst du das Risiko für Verluste durch Kursbewegungen. Es gibt zwar keine Garantie, dass du tatsächlich Gewinne machst. Die Statistik spricht jedoch dafür.

Im MSCI World wärst du nach 14 Jahren Anlagedauer historisch im Plus gewesen. Diese Statistik gilt für die letzten 48 Jahre. Das ist eine lange Zeitspanne, was diese Statistik aussagekräftig macht.

Viele Anleger sagen nun, dass sie 20 Jahre in ETFs investieren. Das machen sie über einen ETF-Sparplan. Die Idee ist gut und richtig, aber dahinter verbirgt sich ein verstecktes Risiko. ETFs sind ein relativ junges Finanzprodukt.

  • 2003 gab es 276 ETFs. Gerade einmal 10 Jahre später waren es 3.550 ETFs. Inzwischen sind es weltweit über 6.000 ETFs.
  • Parallel ist das Anlagevolumen extrem in die Höhe geschossen. 2003 lag es noch bei knapp 200 Milliarden Dollar. 2018 betrug das Gesamtvolumen weit über 5 Billionen Dollar.

Das ist ja schön und spannend, aber worin liegt nun das Risiko?

Quelle: Morningstar

Hier siehst du die ältesten ETFs auf den MSCI World. Der älteste ETF ist aus dem Jahr 2005. Du hättest also bisher maximal 15 Jahre investiert sein können. Ein Anlagezeitraum wie 30 Jahre wäre gar nicht möglich gewesen.

Aber gut, das ist die Vergangenheit. Inzwischen gibt es ausreichend Produktauswahl. Und genau hier lauert ein Nachteil. Es klingt unglaublich, aber auch die prüde Finanzbranche kennt Innovationen.

2005 war der erste MSCI World ETF von iShares eine Innovation. Doch nur 4 Jahre später brachte iShares eine Alternative heraus. Der neue ETF auf den MSCI World war viel günstiger.

Außerdem brachte er eine zweite Besonderheit mit: Anstelle die Erträge auszuschütten, wurde das Geld direkt im ETF reinvestiert. So brauchte man sich als Anleger nicht um die Reinvestierung zu kümmern. Deshalb sind viele Sparer auf den neuen ETF umgezogen.

Quelle: TrackingDifferences

Heute hat sich das Bild nochmals gewandelt: Inzwischen gibt es viele ETFs, die deutlich günstiger als der alte iShares ETF sind. Deshalb hat sein Anlagevolumen abgenommen.

Tipp: Ich verwende für einen Vergleich immer die TD, also die Tracking Difference. Sie zeigt die tatsächlichen Kosten in der Vergangenheit an. In Broschüren wird öfters mit der TER geworben, doch das ist ein spekulativer Fantasiewert. Deshalb solltest du immer die TD verwenden.

Niemand weiß, was in 5 Jahren passiert. Aktuell wird der ETF Markt von wenigen Anbietern dominiert. Vielleicht kommt ein neuer Herausgeber auf den Markt und bietet noch günstigere Produkte an. Dann würde ein Wechsel vom Sparplan sinnvoll sein.

Eine ähnliche Situation gab es erst vor kurzem. Bis vor wenigen Monaten musste man meist 1,5 % der Anlagesumme als Gebühr blechen. Trade Republic hat den Broker-Markt auf den Kopf gestellt. Du kannst dort ETFs von iShares für dauerhaft 0 Euro besparen. Außerdem kannst du dort für 1 Euro Aktien kaufen.

Klick rein, um von günstigen Gebühren zu profitieren!

Vielleicht gibt es in 10 Jahren ein komplett neues Finanzprodukt. Dieses Produkt könnte innovativer, risikoärmer und renditestärker als ETFs sein. Das weiß niemand.

Was ich dir sagen möchte: Halte die Augen offen und schau dir wenigstens einmal im Quartal die aktuellsten News zu ETFs an. So kannst du deine ETF-Investments bei wichtigen Kostenänderungen neu ausrichten.

Erst vor wenigen Monaten hat Vanguard seine Gebühren gesenkt und ist als ETF-Anbieter noch spannender geworden. Lass dich bitte nicht unnötig verrückt machen. Am wichtigsten bleibt nach wie vor, dass du deine ETF-Strategie konsequent umsetzt.

2. Doppelt gemoppelt

Klaus möchte für seine Altersvorsorge in ETFs investieren. Sehr schön Klaus! Dafür hat er sich zwei ETFs herausgesucht.

  1. Einen ETF auf den MSCI World
  2. und einen ETF auf den S&P 500.

Er glaubt an die USA. Deshalb möchte er die USA mit einem S&P 500 ETF besparen. Doch er möchte auch die restliche Welt im Depot haben.

Klaus Plan klingt sinnvoll, hat aber einen Haken. Er hat einfach nur auf die Namen geschaut. S&P 500 klingt nach großen und wichtigen US-Unternehmen. Das ist richtig. Die größten Positionen sind hier Microsoft, Apple, Amazon und Facebook. Wie man es eben erwarten würde.

Nur auf die USA zu setzen ist aber spekulativ. Deshalb möchte Klaus mit einem MSCI World ETF breiter streuen. Dafür hat er sich einen ETF auf den S&P 500 ausgesucht.

Hier siehst du die Top 10 Positionen beider Indizes im Vergleich:

Quelle: extraETF

Die größten Positionen sind Apple, Microsoft, Amazon und Facebook. Aber hoppla, das sind die gleichen Aktien wie beim S&P 500. Der einzige Unterschied sind Nestle und Berkshire. Aber sonst sind die Aktien in den Top 10 identisch.

Okay, die Gewichtung ist ein bisschen anders. Wenn wir Nestle herausrechnen, machen die Top 10 Aktien im MSCI World knapp 14 % aus. Beides sind jedoch hohe Werte.

Quelle: offizielle Portfolioallokation

Insgesamt sind die USA im MSCI World zu 63 % gewichtet. Der Anteil der restlichen Welt beträgt bisschen mehr als ein Drittel. Du bist also nicht wirklich weltweit breit gestreut. Abgesehen davon, dass der MSCI World nur Industrieländer enthält.

Du solltest dir immer genau anschauen, was wirklich im ETF steckt. Sonst kaufst du dir doppelt gemoppelte ETFs. Schau niemals nur auf den Namen. Der MSCI World klingt nach der ganzen Welt, beschränkt sich jedoch auf Industriestaaten. Außerdem ist der US-Anteil sehr hoch.

Noch ein Wort an Klaus: Du möchtest ja weltweit streuen. Ich würde auf den S&P 500 ETF verzichten. Im MSCI World ist auch so schon ein hoher US-Anteil dabei. Parallel könntest du z. Bsp. die MSCI Emerging Markets besparen. Da ist in den Top 10 keine einzige US-Aktie dabei. Mit dieser Strategie deckst du zusätzliche Länder ab und hast keinen ETF Nachteil.

3. „Marketing-ETFs“

Das dritte ETF Risiko schließt direkt an den zweiten Punkt an. Hinter ETFs können sich Mogelpackungen verbergen.

Beim MSCI World ist die Mogelpackung weniger schlimm. Das ist immerhin ein breit gestreutes Produkt, aber eben ohne Schwellenländer. Der ETF sollte sich lieber MSCI Industriestaaten nennen. Aber gut, ich will nicht kleinkariert sein. Es gibt deutlich schlimmere Mogelpackungen.

ETFs genießen einen hervorragenden Ruf. Sie sind kostengünstig und leicht verständlich. Deshalb steigt ihr Anlagevolumen rapide an. Natürlich möchten die Fondsgesellschaften von diesem Trend profitieren. Deshalb schauen sie sich an, welche Themen gerade angesagt sind.

Aktuell sind das ganz klar Themen wie

  • Nachhaltigkeit,
  • Elektromobilität oder
  • Gaming.

Die Fondsgesellschaft schnappt sich nun eines dieser Themen und macht einen ETF daraus. Ein gutes Beispiel ist der VanEck Video Gaming ETF.

Der ETF setzt auf alles, was irgendwie mit Videospielen und E-Sports zu tun hat.

Klingt auf den ersten Blick gut und sinnvoll. Als Anleger suchst du dir eine spannende Branche wie z. Bsp. Gaming heraus. Per ETF kannst du dann ganz einfach in hunderte Aktien investieren. Leider haben diese ETFs mehrere Haken.

  • Der Video Gaming ETF besteht gerade einmal aus 28 Aktien. Das ist nur eine kleine Streuung. Du kannst dir heutzutage ohne größere Kosten ein eigenes Aktien-Gaming-Portfolio erstellen. Dafür brauchst du keinen ETF mit unnötigen Gebühren.
  • Und die sind bei Branchen-ETFs nicht gerade günstig. Die TER, also die theoretischen Kosten, liegen hier bei 0,55 %. Auch ohne TD weiß ich: Der ETF ist teuer!
  • Als ob das nicht genug wäre, habe ich noch mehr ETF Kritik. Die Top 10 Positionen sind wirklich nichts Besonderes.

Tencent, Nvidia oder AMD sind absolute Standard-Aktien, die in Börsen-Communitys tagtäglich diskutiert werden. Dafür brauche ich keinen ETF. Die Aktien kann ich mir selber in mein Depot holen.

Deshalb solltest du jeden ETF vor dem Kauf genau prüfen.

  1. Schau dir zuerst den Anteil der Top 10 Positionen an. Beim VanEck Gaming ETF sind es knapp 60 %. Da schrillen bei mir sofort die Alarmglocken. Mehr als 35 % sollten es nicht sein.
  2. Schau dir danach die Anzahl der Aktien an. Ich würde nur in einen ETF investieren, der mindestens 100 Aktien berücksichtigt.
  3. Schau dir danach die Kosten an. Zur groben Orientierung kannst du die TER heranziehen. Du solltest jedoch immer die Tracking Difference bevorzugen.
  4. Der letzte Punkt ist die Fondsgröße. In diesem ETF stecken bisher nur 56 Millionen Euro. Ist das Fondsvolumen dauerhaft zu niedrig, kann er nicht wirtschaftlich betrieben werden. Dann wird der ETF aufgelöst. In der Regel musst du dir ab 100 Millionen Euro keine Sorgen mehr machen. Dieses Volumen reicht aus, damit der ETF langfristig überlebt.

Der VanEck Gaming ETF erfüllt keinen meiner persönlichen Qualitätspunkte. Für mich ist das ein Marketing-ETF, der auf den Gaming-Hype aufgesprungen ist. Das ist aber nur meine persönliche Meinung.

Tipp: Ich habe dir hier eine 7-Punkte-Checkliste für ETFs erstellt. Du kannst anhand dieser Liste jeden ETF genau unter die Luppe nehmen!

4. Du

Was glaubst du, ist das größte ETF Risiko? Ist es vielleicht unsere Politik? Olaf Scholz lässt sich gerne mal hier und da eine neue Steuer einfallen.

Nein, ich kann dich beruhigen. Es ist nicht die Politik.

Das größte Risiko bist du.

Ja, du hast richtig gehört. Du als Anleger bist das größte ETF Risiko. Als privater Anleger bist du selber für deine Finanzen verantwortlich. Du kannst tun und lassen, was du willst. Und genau darin liegt der gravierendste ETF Nachteil.

Die deutsche ETF-Fangemeinde ist in den letzten Jahren erblüht. Das ist schön, denn die Anleger konnten positive Erfahrungen sammeln. Die Märkte steigen nämlich seit 10 Jahren konstant an.

Es gab einige Unterbrechungen, die Verluste wurden bisher schnell wieder aufgeholt. Das kann man nicht mit Krisen wie der Dotcom-Blase oder der Finanzkrise vergleichen.

Damals haben viele Anleger mehr als 70 % ihres Depots verloren. Stell dir nun eine solche Krise in der heutigen Zeit vor.

  • Es gibt viele Anleger, die nur steigende Kurse kennen. Diese Anleger sind positive Erfahrungen gewöhnt. Aber nun fallen die Kurse immer weiter und weiter und weiter. Die Anleger geraten in Panik.
  • Sie kennen die Statistiken. Nach 14 Jahren Anlagedauer wäre man beim MSCI World immer im Plus gewesen. Doch die Lage ist ganz anders, wenn es um das eigene Geld geht. Man hat hart für dieses Geld gearbeitet. Plötzlich schmilzt die jahrelange Arbeit an der Börse dahin. Das Depot ist immer weniger wert.
  • Die Anleger ziehen der Reihe nach die Reißleine, um noch etwas Kapital zu retten.

Das kann zu einem weiteren ETF Risiko führen. Theoretisch können Aktien vom Handel ausgesetzt werden. Das geschah am 24. August 2015. China war damals der Hauptschuldige. Daraufhin sanken einige ETFs stärker, als sie eigentlich sollten.

Da manche Aktien vom Handel ausgesetzt waren, konnte der faire Wert vom ETF nicht richtig bestimmt werden. So kam die Abweichung zustande.

Diese Geschichte ist eine wichtige Lehre. Sie zeigt, dass es einzig und allein auf dich ankommt. Ziehe deine Strategie eiskalt durch. Wenn du erst nach 20 Jahren verkaufen möchtest, tu das erst nach 20 Jahren. Verkaufe nur dann früher, wenn sich für dich ein Vorteil bei Steuern oder Gebühren ergibt.

5. Aktionsangebote mit Sternchen

Günstige Kosten sind sehr wichtig. Allerdings musst du genau hinsehen.

Vor kurzem ist ein neuer Broker an den Start gegangen. Beim Smartbroker kannst du zahlreiche ETFs kostenfrei besparen.

Das ist super, denn zum ETF-Angebot zählen viele namhafte Anbieter.

Doch die Sparpläne sind zeitlich beschränkt. Das ist ein großer ETF Nachteil.

  • Bei iShares oder Lyxor endet das Angebot am 31. Dezember 2020.
  • Amundi und Xtrackers bieten die Aktion bis zum 31. Dezember 2022 an.
  • Danach werden 0,2 % der Summe bzw. mindestens 0,80 Euro fällig.

Deshalb solltest du immer das Ende der Aktion im Auge behalten. Sonst schenkst du der Bank unnötig Geld. Vielleicht gibt es nach Aktionsende deutlich günstigere ETF-Sparpläne.

Tipp: Hier findest du einen Artikel von mir, wo ich alle wichtigen Smartbroker Gebühren erkläre!

Das ETF Risiko liegt hier nicht im ETF an sich, sondern in den damit verbundenen Gebühren.

Ich muss ganz deutlich sagen: Lass dich nicht wegen 0,1 % mehr oder weniger verrückt machen. Fang mit dem ETF-Sparen an. Das ist das Allerallerallerwichtigste. Wenn du ewig wartest, wirst du niemals Rendite erzielen. Von nichts kommt nichts. Der erste Schritt ist der wichtigste.

Selbst ein kleiner ETF-Sparplan für 25 Euro ist ein super Anfang. So kannst du Erfahrungen sammeln und die Sparrate konstant erhöhen.

Rechtlicher Hinweis: Jegliche Informationen in diesem Beitrag dienen nur der Information und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung sowie keine Anlageberatung dar. Es wird keine Gewähr für die Richtigkeit der Inhalte übernommen, sie können komplett falsch sein.

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