Was taugt der Friedrich und Weik Wertefonds? | „Roast the Finanzprodukt“ #2

Herzlich willkommen bei Roast the Finanzprodukt. In meiner Show brutzele ich Finanzprodukte so richtig durch. Heute ist der Friedrich & Weik Wertefonds an der Reihe. Du erfährst die Vorteile und Nachteile dieses Fonds. Ich erkläre dir die Anlagestrategie und sage dir, was ich vom Friedrich & Weik Wertefonds halte.

Ich würde sagen, schmeißen wir den Fonds auf den Finanzgrill!

Wer sind Friedrich und Weik?

Friedrich und Weik sind für ihre Spiegel-Bestseller bekannt.

  • 2015 kam »Der Crash ist die Lösung« heraus.
  • 2019 erschien ein weiterer Bestseller namens »Der größte Crash aller Zeiten: Wirtschaft, Politik, Gesellschaft. Wie Sie jetzt noch Ihr Geld schützen können.«

Zusätzlich betreiben die beiden Finanzexperten einen YouTube-Kanal.

Schau dir das neueste Video von Marc Friedrich an. Das Timing ist wirklich perfekt. Es kam 18 Minuten vor meinem Screenshot heraus. »Sachwerte sind Trumpf – Aktien, Gold, Bitcoin.« Der Titel passt perfekt zu meinem Roast. Alle drei Anlageklassen sind direkt oder indirekt im Friedrich & Weik Wertefonds enthalten.

Der Fonds ist der logische Schritt nach ihrem ersten Bestseller. Die beiden Ökonomen konnten mit ihrer Crash-Lektüre viel Aufmerksamkeit gewinnen. Und so haben sie am 2. Januar 2017 den nächsten Schritt gewagt. An diesem Tag wurde der Fonds aufgelegt.

Hier noch ein wichtiger Hinweis.

Quelle: Friedrich und Weik Wertefonds

Es gibt zwei verschiedene Fonds.

Beide Fonds verfolgen dasselbe Konzept: Es geht darum, nachhaltig und langfristig in Sachwerte zu investieren. Der Unterschied besteht in der Mindestanlagesumme. Das grün umrandete Finanzprodukt richtet sich an normale Sparer. Es gibt keine Mindestanlage. Der andere Fonds hingegen setzt ein Investment von mindestens 500.000 Euro voraus.

Ich denke, die meisten Leser möchten eher kleinere Summen investieren. Deshalb verwende ich für die Charts in diesem Video ausschließlich den linken Fonds.

Kommen wir nun zur Strategie des Fonds. Ich habe bereits angedeutet, dass es um Sachwerte geht. Sehen wir uns an, was Friedrich und Weik dazu zu sagen haben.

Die Strategie vom Wertefonds

Ich habe dir einige Zitate von der offiziellen Homepage herausgesucht. Sie zeigen, welche Überlegungen hinter dem Wertefonds stecken.

»Die Welt spielt verrückt. Die EU, „der Kapitalismus“, „die Marktwirtschaft“ und „die Weltwirtschaft“ stecken in ihrer historisch schwersten und dauerhaftesten Krise. […] Wir sind gegenwärtig Zeugen eines historisch einmaligen Notenbankexperiments, das langfristig scheitern wird. Der Euro ist ein rein politisch und wirtschaftlich motiviertes Währungsexperiment, das ebenfalls scheitern wird. […] Das Zeitalter der Papierwerte geht zu Ende und das Zeitalter der Sachwerte hat begonnen, weil wir unendlich viel Geld und andere Papierwerte drucken können – aber keinen einzigen Sachwert.«

Quelle: Friedrich und Weik Wertefonds

Friedrich und Weik glauben also, dass der Euro scheitern wird.

Die US-Verschuldung sehen sie als weiteres Übel. Der Bösewicht ist hierbei Richard Nixon. Unter seiner Führung wurde der Gold-Standard am 15. August 1971 beendet. Seitdem muss der US-Dollar nicht mehr durch Gold abgesichert werden. Die Notenbank kann Geldscheine drucken, wie es ihr beliebt.

Daraus ergibt sich ein Problem: Die US-Geldmenge ist explodiert und hat sich von der Realwirtschaft entkoppelt. Dieses explosive Gemisch bedroht den US-Dollar.

Papiergeld scheint demnach ein explosives Gemisch zu sein. Und hier kommt der Friedrich und Weik Sachwertfonds ins Spiel. Er investiert breit gestreut in seit Jahrhunderte bewährte Sachwerte. Er möchte dir dabei helfen, dein Vermögen gegen drohende Krisen abzusichern. Und davon gibt es reichlich.

Es geht um eine nachhaltige und langfristige Wertentwicklung. Kurzfristige Gewinne spielen keine Rolle, da es um Vermögenssicherung geht.

»Es wird eine gleichmäßige Wertentwicklung angestrebt, um das Fondsvermögen vor Kaufkraftverlust durch Inflation zu schützen.«

Quelle: Key Investor Document
Quelle: Fondspräsentation, Seite 16

Hier siehst du das gesamte Anlageuniversum. Der Fonds setzt also auf bis zu 9 verschiedene Assetklassen. Der Fokus liegt auf den beiden Wörtchen »bis zu«.

Quelle: Fondspräsentation, Seite 14

Dieses Schaubild zeigt, wie der Fonds am 30. April 2019 investiert war. Es waren die Anlageklassen Edelmetalle, Minenaktien, Aktien, Real Assets und Cash vorhanden. Einige Assets fehlen. Dies hat einen guten Grund. Der Friedrich & Weik Wertefonds möchte erst mit steigendem Anlagevolumen weitere Assetklassen hinzunehmen. Dazu zählen z. Bsp. Diamanten, Wald oder Acker.

Quelle: Fondspräsentation, Seite 15

Nun weißt du grob, wie der Wertefonds funktioniert. Ich möchte jetzt auf die Portfoliostruktur eingehen.

Welche Sachwerte befinden sich im Wertefonds?

Die gute Nachricht: Die Portfoliostruktur wird regelmäßig aktualisiert. Du kannst die Sachwerte transparent einsehen. Chefkoch Nik schmeißt nun das Portfolio auf den Finanzgrill!

Die Portfoliostruktur ist vom 16. Dezember 2019, also ziemlich frisch. Ich habe diesen Ratgeber am 19. Dezember geschrieben. Ob es inzwischen ein neues Update gibt, musst du selber prüfen.

Ich röste die einzelnen Anlageklassen jetzt so richtig durch.

1. Physische Edelmetalle

Fangen wir mit den Edelmetallen an. Der Wertefonds investiert logischerweise in physische Edelmetalle. Gold und Silber gelten als sicherer Hafen. Die Edelmetalle sind wohl der Klassiker unter den Sachwerten. Fangen wir mit Gold an.

Quelle: Portfoliostruktur, Seite 1

Das Edelmetall macht 23 % vom Portfolio aus. Das ist eine ganze Menge. In der Edelmetall-Community wird gerade die Gold-to-Silver-Ratio heiß diskutiert.

Diese Grafik zeigt, wie viele Unzen Silber du brauchst, um eine Unze Gold zu kaufen. Das Verhältnis stand Ende Dezember 2019 bei ungefähr 87. Das heißt, du brauchst 87 Unzen Silber für eine Unze Gold.

Ein hohes Verhältnis hat in der Vergangenheit öfters eine gute Chance im Silber angezeigt. Silber hatte Aufholpotenzial im Vergleich zu Gold. Auch jetzt könnte eine solche interessante Chance vorliegen.

In diesem Schaubild siehst du Gold im Vergleich zu Silber.

2011 ist der Silberpreis regelrecht eskaliert. Seitdem hat Gold die Nase vorne. Silber ist regelrecht eingebrochen. Ich habe dir die Widerstände in beiden Edelmetallen eingezeichnet. Gold befindet sich wieder im Aufwärtstrend, während Silber irgendwo im Nirwana herumdümpelt.

Genau in dieser Unterbewertung könnte eine interessante Chance liegen. Und ja, der Friedrich & Weik Wertefonds ist in Silber investiert. Kommen wir zur nächsten Assetklasse.

2. Real Assets

Das sind die sogenannte Real Assets. Darunter versteht man weitere Sachwerte. Ich gehe übrigens nicht chronologisch nach der offiziellen Portfoliostruktur vor. Ich finde es aber sinnvoll, nach Gold über Silber zu diskutieren.

Insgesamt machen die Real Assets 12 % aus.

Quelle: Portfoliostruktur, Seite 2

Ein Silber-ETF nimmt dabei mit rund 7 % den Löwenanteil ein. Das ist eine sinnvolle Beimischung zu Gold, um von der potenziellen Chance im Silber zu profitieren. Als weitere Beimischung ist der Fonds in Platin investiert. German Real Estate Capital und Wereldhave sind indirekte Immobilien-Investments. Der Wertefonds ist auch in Bitcoin investiert. Darüber kann man sich streiten. Das Risiko ist mit knapp unter einem Prozent überschaubar.

Physisches Gold und die Real Assets bringen es zusammen auf 35 % Fondsanteil. Ich gehe bei allen Angaben von der Portfoliostruktur vom 16. Dezember aus. Als Anleger komme ich da ins Grübeln. Silber, Gold und Platin machen zusammen ein knappes Drittel aus. Warum soll ich in da in einen Fonds investieren?

Der neueste Bestseller von Friedrich und Weik heißt bekanntlich: »Der größte Crash aller Zeiten: Wirtschaft, Politik, Gesellschaft. Wie Sie jetzt noch Ihr Geld schützen können.« Der logische Menschenverstand sagt mir, dass der beste Schutz mein eigenes Zuhause ist.

Da kann ich Sachwerte wie Gold oder Silber bequem im Tresor aufbewahren. Okay, einen Wald kann ich nicht in den Tresor stecken. Aber Gold und Silber gehen problemlos. Da muss ich mir keine Sorgen vor Enteignungen machen.

Ich könnte eines Morgens aufwachen und mein Depot wurde gesperrt. Dann habe ich keinen Zugriff mehr auf meine Fonds. Im Tresor daheim müssten die blauen Partybusse persönlich vorbeischauen. Wenn das wirklich so kommen sollte, wäre sowieso alles zu spät.

Außerdem kann ich mir im Tresor irgendwelche Gebühren sparen. Der Friedrich & Weik Wertefonds ist leider nicht kostenlos.

Quelle: Key Investor Document, Seite 2

Beim Kauf kann ein Ausgabeaufschlag von bis zu 3 % anfallen. Sagen wir, du investierst 10.000 Euro. Im Worst-Case wären 300 Euro sofort weg. Du wärst also quasi nur noch mit 9.700 Euro investiert.

Jetzt kommt der wichtigste Kostenpunkt. Der Ausgabeaufschlag kann sich vermeiden lassen, wenn ein Broker gerade ein Angebot hat. Die laufenden Kosten fallen jedoch zwangsläufig an. Zur Veröffentlichung des Artikels waren es 1,94 % im Jahr. Die Gebühr kann sich jährlich leicht verändern. Im Schnitt kosten aktiv gemanagte Fonds 1,9 % im Jahr. Damit befindet sich dieser Fonds im Mittelfeld. Günstig ist er jedoch nicht. ETFs sind mit 0,4 % deutlich günstiger zu haben.

Zusätzlich kommt noch ein dritter Kostenpunkt hinzu. Entwickelt sich der Fonds sehr gut, fällt eine Performance-Fee an.

Als potenzieller Anleger frage ich mich: »Hm, warum soll ich diese Gebühren bezahlen? Ein Drittel des Fonds ist sowieso in Sachgütern investiert! Da kann ich mir Gold oder Silber gleich beim Edelmetallhändler meines Vertrauens besorgen.«

Ein Bankschließfach gibt es für 50 bis 100 Euro. Geht auch teurer oder günstiger. Hängt vom jeweiligen Angebot ab. Man sollte auch die Versicherungssumme beachten. Bei größeren Summen wie 20.000 Euro ist man öfters günstiger dran, als 1,9 % an Fondsgebühren zu bezahlen. Und ganz ehrlich: Für eine Silbermünze im Wert von 200 Euro brauche ich kein Bankschließfach. Da ist sogar mein Smartphone das fünffache Wert.

Ein aktiver Fonds muss irgendeine Besonderheit mitbringen. Ein Drittel Edelmetalle sind keine Besonderheit. Der Friedrich & Weik Wertefonds bringt glücklicherweise zwei Besonderheiten mit.

Quelle: Fondspräsentation, Seite 14

Zuerst einmal werden die Anlageklassen flexibel angepasst. Wie du siehst, gibt es mehrere Anlagegrenzen. Je nach Marktlage werden sie vom Fondsmanagement entsprechend gewichtet.

Wer steckt hinter dem Sachwertefonds?

Der Fonds nennt sich »Friedrich & Weik Wertefonds«. Das heißt, Friedrich und Weik stellen den Fonds zusammen, richtig? Nein, das tägliche Fondsmanagement wird von zwei Vermögensverwaltungen übernommen.

»Die konkrete Auswahl der einzelnen Investments erfolgt durch die hierfür mandatierten Fondsmanager, die jeweils über langjährige Expertise in ihrem Marktsegment verfügen. […] Das Fondsmanagement ist ausgelagert an die Plutos Vermögensverwaltung AG sowie die Knoesel & Ronge Vermögensverwaltung GmbH & Co. KG.«

Quelle: Key Investor Document, Seite 1

Von Friedrich und Weik höre ich da kein Wort. Worin genau liegt ihre Aufgabe? Die offizielle Fonds-Webseite hat da mehr Infos parat.

Die SOLIT Fonds GmbH wurde von der Friedrich & Weik Vermögenssicherung und der SOLIT Gruppe gegründet. Und genau diese SOLIT Fonds GmbH gilt als Initiatorin des Wertefonds. In dieser GmbH mischen also unsere zwei Finanzexperten mit.

»Die Initiatoren sind für die gemeinsame Ausarbeitung der grundsätzlichen Anlagestrategie sowie für die Festlegung der Investitionsquoten in den einzelnen Anlageklassen verantwortlich. Darüber hinaus selektieren sie die für die jeweilige Anlageklasse geeigneten Fondsmanager.«

Quelle: Friedrich und Weik Wertefonds

Friedrich und Weik haben also die grundlegende Strategie ausgearbeitet und die Investitionsquoten festgelegt. Bei Edelmetallen sind das z. Bsp. 0 bis 30 %. Das Tagesgeschäft wird dann von der Plutos Vermögensverwaltung und der Knoesel & Ronge Vermögensverwaltung übernommen.

Wer in den Fonds investieren möchte, muss sich also zu diesen zwei Vermögensverwaltungen informieren. Sie sind fürs Tagesgeschäft zuständig.

Der Fonds müsste fairerweise »Friedrich & Weik & Plutos & Knosel & Ronge Wertefonds« heißen. Das sind die wichtigsten Parteien dieses Fonds. Aber Friedrich und Weik Wertefonds ist natürlich besser fürs Marketing geeignet.

Ich muss jedoch sagen, dass dies ein übliches Vorgehen in der Branche ist. Beim Dirk Müller Premium Aktien Fonds arbeitet Dirk Müller offiziell nur als Berater. Die Baader Bank ist da als Manager zuständig.

Friedrich und Weik liefern auf der Fondsseite transparente Infos zu den beteiligten Akteuren. Dafür muss ich ihnen ein Kompliment aussprechen. Es gibt dort wirklich viele Infos, wie auch die Fondszusammenstellung.

Das war jetzt eine lange Exkursion. Schauen wir uns die restlichen Bestandteile vom Fonds an. Und diesmal gibt es keine Exkursionen, versprochen.

3. Minenaktien

Bisher hatten wir physische Edelmetalle mit 23 % und Real Assets mit 12 %. Nun kommen Minenaktien mit stolzen 22 %. Das ist eine große Menge. Die 22 % verteilen sich auf 29 Minenaktien.

Quelle: Portfoliostruktur, Seite 1

In gewisser Weise sind Minenaktien ein logischer Schritt. Edelmetalle wie Gold und Silber sind beliebte Sachwerte. Allerdings schütten sie keine Dividende wie Aktien aus. Minenaktien hingegen können Vorteile aus beiden Welten bieten. Über Minenaktien lässt sich jedoch streiten.

Ich sehe das als spekulative Branchenwette.

  • Theoretisch können die Förderzahlen der Mine unerwartet sinken.
  • Es kann auch Unfälle geben.
  • Vielleicht liefert ein Goldfeld weniger Ertrag als erwartet.

Diese Risiken könnten ein Grund für die breite Streuung der Minenaktien sein. Aber immerhin: Es kostet Mühe und Zeit, um die richtigen Minenaktien auszuwählen. Im Gegensatz zu physischen Rohstoffen verstehe ich, warum ich für diese Leistung bezahlen soll.

4. Aktien

Die nächste Anlageklasse sind Aktien. Damit sind weitere Aktien neben Minenaktien gemeint. Minenaktien können mit bis zu 20 % gewichtet sein. Aktien können hingegen 100 % des Wertefonds ausmachen.

Aktien. Bitte was? Wie können Aktien Sachwerte sein?

Die Antwortet lautet: »Ohne deren produktive und innovative Tätigkeit wäre wirtschaftlicher Fortschritt unmöglich. Und die so genannte „Realwirtschaft“ erzeugt eben dies: reale Werte. Waren und Dienstleistungen, die wir alle mittelbar oder unmittelbar benötigen.«

Quelle: Friedrich und Weik Wertefonds

Schauen wir die Aktien genauer an. Der Anteil am Portfolio beträgt 23 %. Die Minenaktien mit 22 % kommen extra hinzu. Insgesamt sind also 45 % Aktien im Wertefonds enthalten.

Schauen wir uns das Asset Aktien mit 23 % näher an.

Quelle: Portfoliostruktur, Seite 1

Es wird in Branchen wie Industrie, Basiskonsumgüter oder Gesundheitsfürsorge investiert.

Das ist übrigens nur die erste Seite. Hier ist die zweite Seite der Aktien:

Quelle: Portfoliostruktur, Seite 2

Es gibt noch weitere Branchen wie Baugewerbe, Grundstoffe oder Technologie. Die Branchen sind eher konservativ gewählt, was zum Sachwertfonds passt.

Dafür fällt mir ein anderer Punkt ins Gesicht. Schau dir einmal an, in welche Länder investiert wird. Das sind z. Bsp. Dänemark, Finnland, Italien und Spanien. Auf der ersten Seite haben wir noch Belgien und Deutschland.

Moment einmal, diese Länder befinden sich alle in Europa. Es handelt sich größtenteils um EU-Länder.

(Auf Seite 2 gibt es eine kleine Ausnahme mit Kanada, die Position ist jedoch nur mit 0,03 % gewichtet.)

Ich dachte, die EU steckt in ihrer historisch schwersten und dauerhaftesten Krise. Okay, die Unternehmen sind eher konservativ angesiedelt und bringen Sachwerte mit. Aber trotzdem: Warum investiert der Wertefonds (fast) nur in Europa? Das ist doch ein unnötiges Risiko.

Eine breitere Streuung würde das Risiko senken. Sollte der Euro wirklich untergehen, wäre in der EU in Hölle los. Europäische Aktien könnten schlechter performen, da auch gute Unternehmen wahrscheinlich vom Sog runtergezogen werden.

  • In der offiziellen Fondspräsentation steht, dass deutsche Aktien von 1870 bis 2015 nur 3,3 % im Jahr gebracht haben.
  • Aktien aus Industrieländern haben 7,8 % hinbekommen.

Der Wertefonds ist zu rund 13 % in deutschen Aktien investiert. Das widerspricht ein wenig den oberen Daten, da Deutschland historisch schlecht abschneidet. Der Löwenanteil des deutschen Aktien-Pakets steckt in Industrie mit rund 6 %. Das ist gut, denn Industrie hat historisch gut performt.

13 % vom gesamten Fonds sind trotzdem eine ganze Menge. Okay, es sind eher konservative Branchen. Das passt zum Sachwertfonds. Aber wenn ich in der Präsentation sage, dass deutsche Aktien historisch schlechter abschneiden, warum investiere ich dann ca. 13 % in deutsche Aktien?

Der Wertefonds hält (fast) nur europäische Aktien, wenn wir die Minenaktien und die 0,03 % Kanada-Aktien einmal ausklammern. Meiner Meinung nach ist das ein unnötiges Risiko, vor allem, wenn ich Europa als Krisenzone ansehe. Ich fände eine breitere Streuung besser. Kommen wir zur letzten Anlageklasse.

5. Cash

Der Friedrich & Weik Wertefonds hält 20 % in Cash. Rund 14,7 % in Euro und 4,6 % in US-Dollar.

Quelle: Portfoliostruktur, Seite 2

Der Sachwertfonds besitzt also fast 20 % in Euro und US-Dollar. Aber warte, da war doch was! Ich dachte, der Euro soll scheitern. Ist es dann nicht extrem riskant, wenn man fast 15 % in Euro hält?

Prinzipiell ist es wichtig, ein wenig Cash zu halten. So kann der Fonds günstige Gelegenheiten nutzen. Das ist gut und richtig. Aber wir haben es hier mit einem Wertefonds zu tun. Wenn ich in so ein Produkt investiere, möchte ich keine 20 % Papiergeld im Portfolio haben. Jetzt kommt der Punkt, der mich stutzig macht.

Ich zitiere sinngemäß: »CASH – WIR BLEIBEN FLEXIBEL. […] Wir verstehen die strategische Kassenhaltung als tatsächlich in physischen Banknoten verwahrte Geldhaltung.«

Quelle: Friedrich und Weik Wertefonds

Der Wertefonds hält also Cash als Sachwert in Tresoren. Ich dachte, dass Euro und US-Dollar bloß Papierwährungen sind. Und dann werden Banknoten irgendwo verschlossen gelagert. Ich weiß nicht, wie schnell man an das Geld rankommt. Es handelt sich aber um einen Sachwertfonds. Da kann man nachfragen, ob rund 20 % Papiergeld wirklich sein müssen. Schauen wir jetzt alle Assets in einem Schaubild an.

Quelle: Portfoliostruktur, Seite 3

Cash, physische Edelmetalle und Real Assets machen 55 % vom Portfolio aus. Das ist bisschen mehr als die Hälfte. Diese Anlageklassen kann ich auch daheim nachbilden. Dafür muss ich keinen Fondsmanager bezahlen. Die laufenden Kosten liegen derzeit bei immerhin 1,94 %.

Aktien und Minenaktien sind zu 45 % gewichtet. Die Wertpapiere sind breit gestreut und es sind viele unbekannte Werte enthalten. Normale Sparer haben von den meisten Aktien noch niemals gehört. Das finde ich gut, denn dafür lohnt sich ein Fondsmanager. Außerdem kann das Management die Gewichtung der Anlageklassen anpassen. In Zukunft kann sich die Gewichtung entscheidend verändern.

Wie gut hat der Friedrich und Weik Fonds performt?

Der Fonds ist noch relativ jung. Er kam erst am 2. Januar 2017 auf den Markt. Deshalb hat ein Vergleich mit anderen Finanzprodukten eine geringe Aussagekraft. Dem Fonds geht es eher um Kapitalerhalt. Trotzdem sind eine Jährchen vergangen. Schauen wir uns an, wie er sich bisher geschlagen hat.

2017 und 2018 hat er mit Verlusten beendet. Dafür ist er 2019 endlich durchgestartet. Es ging deutlich nach oben. Der Fonds konnte alle Verluste ausgleichen und in die Grünzone wechseln.

Andere Finanzprodukte haben im selber Zeitraum jedoch besser abgeschnitten. Der MSCI World erzielte über 30 %.

Was mir jedoch viel mehr zu denken gibt: Gold als klassische Sicherheit ließ den Friedrich & Weik Fonds weit hinter sich. Selbst der Dirk Müller Premium Aktien Fonds schnitt besser ab. Das ist ein weiterer Krisenfonds. Dirk Müller verfolgt eine etwas andere Strategie. Beide Fonds haben jedoch eine Gemeinsamkeit: Sie möchten dich vor einem Krisenszenario absichern.

Ja, der Sachwertfonds möchte Kapital sichern. Es geht nicht um kurzfristige Gewinne. Trotzdem muss man als Anleger die Strategie eines Fonds hinterfragen. Und da frage ich mich: Brauche ich diesen Fonds wirklich? Gold, Silber und Bargeld kann ich mir auch selber beschaffen. Da muss ich keine Gebühren bezahlen. Höchstens ein Bankschließfach.

Minenaktien lassen sich kostengünstig über ETFs nachbilden. Kann ich selber machen.

Die Aktien im Wertefonds sind breit gestreut. Das ist super. Allerdings beschränkt sich die Auswahl aktuell (fast) auf Europa. Das kann man kritisch sehen.

Fazit

Wenn du dir einen Sachwertfonds als All-inclusive-Lösung wünscht, solltest du dir den Friedrich & Weik Fonds näher ansehen. Das Fondsmanagement passt die Assets laufend an. Da brauchst du dich um nichts zu kümmern. Der Fonds ist in Deutschland einzigartig.

Ich fände ihn spannender, wenn Anlageklassen wie Diamanten, Wald oder Immobilien bereits enthalten wären. Die kommen erst später hinzu.

Was ich persönlich kritisch sehe: Ich kann physische Edelmetall, Real Assets und Cash selber bunkern. Da brauche ich keinen Fonds mit Gebühren dafür. Außerdem finde ich es kritisch, dass das Aktien-Asset (fast) nur aus europäischen Aktien besteht. Deshalb würde ich mir den Fonds nicht kaufen.

Doch nicht jeder Anleger möchte so viel Zeit in seine Investments stecken. Deshalb sehe ich diesen Fonds als kompakte Sachwert-Lösung für normale Sparer.

Wen würdest du am liebsten im nächsten Roast sehen? Schreib mir deinen Kandidaten unten als Kommentar!

Rechtlicher Hinweis: Jegliche Informationen in diesem Beitrag dienen nur der Information und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung sowie keine Anlageberatung dar. Es wird keine Gewähr für die Richtigkeit der Inhalte übernommen, sie können komplett falsch sein.

1 Kommentar
  • Antworten Mike

    6. Januar 2020, 17:50

    Danke sehr für die gut geschriebene Analyse. Prinzipiell denke ich aber, dass die Botschaften von F&W stimmig sind – egal wie der Fonds aufgebaut ist.

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