Gratisbroker: Wie gut ist der 0 Euro Broker? | 10 Fragen Interview

Endlich, es ist soweit. Ab jetzt kannst du Aktien für 0 Euro kaufen. Das ist beim Gratisbroker möglich. Ja, so heißt der Broker wirklich.

Ich habe den Anbieter um ein Interview gebeten. Hierfür habe ich dem Gratisbroker die 10 wichtigsten Fragen zukommen lassen. Ich habe richtig tief gegraben, um keine Frage offenzulassen. Mein Wunsch wurde erfüllt, ich habe gestern die Antworten erhalten. Am Ende des Interviews erkläre ich dir, für wen der Broker geeignet ist. Es lohnt sich also, das Interview bis zum Ende zu lesen.

Ich würde sagen, ich habe genug gesprochen. Viel Spaß mit den Antworten vom Gratisbroker! Ich reiche das Wort zu Malte Rubruck, dem Gründer und CEO des Brokers weiter.

Malte Rubruck, Gründer und CEO vom Gratisbroker
Foto aus meinem oberen Video

1. Warum sollte ich beim Gratisbroker mein Depot eröffnen?

Malte Rubruck: Da gibt’s drei Gründe dafür:

1. Es ist wirklich kostenlos, also keine Orderprovisionen, keine Fremdkostenpauschalen, keine Gebühren für die Eintragung von Namensaktien, keine Negativzinsen. Deshalb trauen wir uns Gratisbroker zu nennen.
2. Es ist konsequent reduziert auf das, was man wirklich braucht – um nicht zu sagen, brutal einfach. Unsere These ist dabei: Wer heute schon einfach so seine Quellen hat, wo er sich Informationen für den Handel mit Wertpapieren heraussucht, kann die auch weiterhin benutzen, braucht sie bei uns nicht doppelt. Er braucht nur noch eine Plattform, die maximal, effizient und kostengünstig seine Order abwickelt. Das sind wir.
3. An vielen Ecken kann man ausgewählte Sachen billig und kostenlos zumindest kaufen, dann wieder zum vollen Preis verkaufen – und all solche Dinge.

Wer einfach keine Lust hat auf solche Sternchentexte und mehr Zeit damit zu verschwenden, sich Sonderangebote anzugucken und herauszusuchen, was heute billig ist, (was ich dann aber, wenn ich morgen erst wieder verkaufen will, vielleicht dann wieder berücksichtigen müsste), der ist bei uns richtig. Es ist einfach, es ist konsequent an der Stelle kostenlos, was die Sache echt unterscheidet.

2. Wie teuer sind die Kosten? Fällt auf Dividenden eine Gebühr an?

Malte Rubruck: Kaufen, halten und verkaufen ist gratis. Sowohl bei der Order als auch beim Halten im Depot fallen keine Gebühren an. Das gilt dann logischerweise auch für die Zahlung von Dividenden, da steht bei uns auch die Null.

3. Welche Produkte kann ich bei euch alles handeln?

Malte Rubruck: Wir bieten im Moment an: Aktien, Fonds, ETFs und vor Weihnachten kommt der erste Emittent von Optionsscheinen und Zertifikaten an Bord. Wir weiten dabei das Angebot sinnvoll aus – so gerade mit der Aufnahme Amundi bei den ETFs geschehen.
Unser Ziel ist dabei frei nach Pareto »eine Lösung für über 80 % aller Anleger und Trader anzubieten, aber eben für 0 % der Kosten«. Damit wird es immer Sachen geben, die bei uns nicht gehen, die wir nicht handeln. Alles was ein normaler Anleger braucht, wird gehen und das eben kostenlos.

4. Wie sind eure Handelszeiten? Wer führt die Trades für euch aus?

Malte Rubruck: 8 bis 22 Uhr, der ganz normale Standard.
In manchen Diskussionen kommt das Argument »es gibt Anbieter, die länger handeln«. Gleichzeitig gibts in Foren und persönlichen Gesprächen das Thema »außerdem von Xetra-Zeiten kann man gar nicht handeln, weil die Spreads viel zu hoch sind«. Das sind zwei widerstrebende Fraktionen. Wir überlegen gerade bisschen, wie man das sinnvoll unter einen Hut bringen kann. Die Handelszeit weiter auszuweiten, womöglich ins Wochenende hinein, macht nur Sinn, wenn man den Kunden gleichzeitig anbietet, zu entscheiden, »ich will das oder ich will das nicht«. Weil sonst ein Limit, das dann am Sonntag getriggert wird, eine Stop-Order oder sowas, will eigentlich kaum einer – wenn das passiert, nur weil die Spreads größer sind zu dem Zeitraum.

Zum zweiten Teil der Frage. Market-Maker an unserem Handelsplatz für Aktien, ETFs und Fonds ist Baader. Handelsplatz ist Gettex, das Segment der Börse München, eine regulär überwachte und regulierte Börse. Market-Maker dahinter ist Baader. Optionsscheine und Zertifikate werden wir direkt mit dem Emittenten handeln.

5. Wie sicher ist mein Geld beim Gratisbroker aufgehoben?

Malte Rubruck: Manche sagen, es ist eine komische Konstruktion. Es gibt die Gratisbroker GmbH, es gibt irgendein Haftungsdach und es gibt die Baader Bank im Hintergrund. Das Geld liegt jedoch tatsächlich bei der Baader Bank, einer in Deutschland ansässigen und vollständig regulierten Vollbank. Damit gilt logischerweise die gesetzliche Einlagensicherung. 100.000 Euro sind qua Gesetz gesichert.
Was ganz wichtig ist: Das gilt nur für das Konto. Das Depot ist immer sowieso bloß ein Verwahrgeschäft, also da hebt die Bank nur die Wertpapiere für den Endanleger auf. Besitzer des Depots, Eigentümer der Aktien ist immer der Kunde. Egal wie viel da drin ist, auch weit über 100.000 Euro. Selbst wenn der Kunde eine Million hat in den Wertpapieren, die im Depot lagern, dann wäre dieses Geld niemals von einer etwaigen Insolvenz betroffen, sondern immer weiterhin Eigentum des Kunden.

6. Aktien und Steuern sind kompliziert. Welche steuerlichen Leistungen bietet ihr euren Kunden?

Malte Rubruck: Wir arbeiten im Hintergrund mit der Baader Bank zusammen. Die Baader Bank hat schon ein paar Depots und kann dementsprechend paar Sachen. Logischerweise funktioniert das Thema Abgeltungssteuer mit unterjähriger Verlustrechnung und all diesen ganzen Töpfen, die es da hin und her gibt. Das kann der Kunde bei uns im Depot im Frontend sehen, wie da gerade der Stand ist. Er bekommt bei jedem Verkauf eine Seite, wie es sich dann mit den Steuergeschichten gerade verhält. Freistellungsaufträge und NV-Bescheinigungen funktionieren logischerweise. Am Jahresende und zu Beginn des Folgejahres gibt es auch die Jahressteuerbescheinigung.
Heiße Frage bei vielen Kunden von uns: »Wie sieht es mit US-Quellensteuern aus?« Ja, es gilt der ermäßigte Satz von 15 %. Was wir nicht machen, sind Quellensteuer-Services für den Kunden. Sprich im Ausland gezahlte Steuern für den Kunden zurückfordern. Hochgradig kompliziert, manueller Prozess, das funktioniert nicht für Null. Ganz einfache Sache.

7. Wie finanziert ihr euch?

Malte Rubruck: Wir leben von den Rückvergütungen unserer Handelspartner. Die nimmt in Deutschland so gut wie jeder Broker. Die meisten betrachten es als eine Art Zubrot. Wir haben all unsere Kosten soweit runtergedrückt, dass wir damit auskommen.
Ich stelle selber eine Frage, bevor sie in meinen Kommentaren heiß diskutiert wird: »Dann müssen die Spreads ganz furchtbar sein!« Zu Xetra-Zeiten ist der Market-Maker Baader Bank an das Referenzmarktprinzip, sprich an Xetra-Kurse z. Bsp. für deutsche Aktien gebunden. Das heißt, er kann nicht nach Lust und Laune Preise stellen. Das Versprechen, was er einhalten muss und das ist ein Börsen-Versprechen (die Börse schaut drauf), lautet, dass deutsche Aktien zu Xetra-Zeiten nicht teurer oder billiger sein dürfen als an Xetra.

Eine Daimler wird man bei uns um 14 Uhr nicht teuer kaufen, als wenn man sie an Xetra kaufen würde, man spart sich nur die Nebenkosten dafür, eben ohne Handelsplatzentgelte.

Das geht bis hin zu sowas wie ETFs auf liquide europäische oder deutsche Indizes wie auf den DAX. Sie stehen zu normalen Marktgegebenheiten (wenn wir nicht gerade wieder Brexit haben oder sonstiges) zum Aussuchen. Das heißt, Geld und Brief sind gleich. Es gibt keinen Spread, wenn ich einen DAX-ETF zu Xetra-Handelszeiten in einem normalen Marktumfeld mit einem normalen Volumen (bei 2-3 Millionen wird es vllt. wieder Spread geben) handele. Was normale haushaltsübliche Mengen sind, kann ich tatsächlich spreadlos und ohne jede Nebenkosten handeln. Billiger gehts glaube ich nicht.

8. Ist ein Depotübertrag von und zum Gratisbroker möglich?

Malte Rubruck: Um es kurz zu machen: Nein.
Das finden ganz viele Kunden blöd, möchten viele Kunden ganz gerne haben, kann ich verstehen. Deswegen möchte ich kurz erklären, warum das nicht geht. Wertpapiergeschäfte in Deutschland funktionieren mit uralten Systemen. Das Problem ist, diese Systeme laufen bei jeder Bank in Deutschland. Damit kann jede Bank mit jeder Bank irgendwie Depots hin- und herschieben und sowas alles. Würde man das auf einen neueren Stand bringen wollen, müssten alle mitmachen. Das wird nicht so schnell passieren. Dafür ist das System, das Netz einfach zu groß, zu komplex, zu viele widerstreitende Interessen. Das ist das Thema, warum wir noch mit uralten Systemen herumhühnern und dementsprechend auch hohe Kosten haben. Weil wir manuelle Prozesse da drin haben.
Dazu kommt bei uns noch eine Besonderheit bzw. bei allen Brokern, die ein eingeschränktes Angebot haben und dafür den Preis drücken (das ist keine singuläre Erfindung von uns). So als Überlegung: Was passiert, wenn uns ein Kunde per Depotübertrag eine Aktie schickt, die man bei uns gar nicht handeln kann?

Dann haben wir so ein Ding im Depot, wo weder der Kunde noch wir froh werden, weil man nicht zugreifen kann.

Was wäre der logische Schluss? Naja, dann schicken wir sie eben wieder zurück. 80 % der Depotüberträge heißen eben auch, »übertrage mein Depot und schließe es«. Wenn ich sie also zurückübertrage in ein Depot, das bereits geschlossen ist, hängt diese Aktie irgendwo im Nirwana und wir würden mindestens 1-2 Spezialisten brauchen, die sich nur um diese Sonderfälle kümmern. Das funktioniert nicht zu Null.
Das ist die Kernüberlegung dabei, der Prozess als solches ist ziemlich manuell, teuer und aufwendig. Dazu kommt, dass ich eine extrem hohe Fehlerquote habe, die ich manuell nachbearbeiten muss. Diese Konstellation ist ein Albtraum für ein standardisiertes, auf Kosten getrimmtes Geschäft. Deswegen werden wir es nicht machen, weil es nicht richtig funktionieren kann. Da ist der Konflikt mit dem Kunden vorprogrammiert.

9. Wird es Aktien- und ETF-Sparpläne geben?

Malte Rubruck: An Aktiensparpläne glaube ich nicht. Die Überlegung hinter einem Sparplan ist: Ich möchte mit vergleichsweise überschaubarem Geld regelmäßig ein Vermögen aufbauen. Maximal risikofokussiert anlegen in eine Aktie erschließt sich mir der tatsächliche Sinn nicht. Abgesehen davon, wie ich sowas halbwegs kostengünstig abdecken sollte. Da glaube ich nicht so richtig dran, dass das kommen wird. Es ist auch eine Frage, die wir eher selten hören.
Was ganz klar ein Thema ist und was wir uns ankucken, sind ETF-Sparpläne. Ja, das werden wir brauchen. Das wollen wir machen. Da kucken wir gerade noch, wie wir auch da die Effizienz steigern können, um das gnadenlos kostenlos anbieten zu können.

10. Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Malte Rubruck: Erstmals natürlich wachsen. Das ist für den Kunden weniger spektakulär. Aber wir haben eine riesige Liste von Ideen bei uns. Sie enthält z. Bsp. Sparpläne, Trailing-Stops, einen zweiten Optionsschein-Anbieter am besten im 1. Quartal, einen dritten ETF-Anbieter im gleichen Zeitraum und noch eine ganz schön lange Liste mit weiteren Ideen, die da draufsteht.
Dazu kommt, dass wir jetzt schon anfangen, Kunden-Feedback zu bekommen mit ganz spannenden Ideen. Wir überlegen uns, was kann man davon umsetzen, was kann da tatsächlich mehr als einen Kunden interessieren, was kann für eine größere Kundengruppe interessant sein. Das ist jetzt die Herausforderung, vor der wir stehen, wo wir uns aber auch auf die Diskussion mit den Kunden freuen. Sie sagen uns, was sie sich wünschen.
Als nächste Funktion von uns ist der Sparplan so wichtig, wie er in ganz vielen Foren zu sein scheint. Oder es ist etwas ganz anderes, was ich selber noch nicht kenne. Das werden wir versuchen mit den Kunden zu diskutieren, um uns so mit den Kunden gemeinsam weiterzuentwickeln.

Ich bedanke mich für die Beantwortung der Fragen. Jetzt möchte ich noch meine eigene Meinung abgeben. Ich erkläre, für wen der Gratisbroker geeignet ist. Ein ganz wichtiger Punkt fehlt im Interview, der aber extrem wichtig ist. Schauen wir hierfür ins offizielle Preis- und Leistungsverzeichnis.

Ja, Käufe und Verkäufe kosten beim Gratisbroker 0 Euro, sie sind also kostenlos. Allerdings gibt es eine Einschränkung. Du musst Aktien im Wert von mindestens 500 Euro kaufen. Kleinere Summen sind beim Gratisbroker nicht möglich. Verkäufe darunter sind möglich, wenn es sich um die Gesamtposition handelt. Sinken deine Aktien von 600 auf 400 Euro, kannst du sie für 0 Euro verkaufen. Du musst nicht extra weitere Aktien kaufen, um auf über 500 Euro zu kommen.

Die minimale Kaufsumme von 500 Euro ist jedoch eine wichtige Einschränkung. Wenn du nur Summen wie 100 oder 200 Euro handeln möchtest, ist der Gratisbroker nichts für dich. Das ist dort einfach nicht möglich. Was aber praktisch ist:

Der Guthabenzins liegt bei 0 %. Das heißt, du musst keine Strafzinsen bezahlen, wenn du beim Gratisbroker Geld lagerst.

Du kannst dir also 500 Euro ansparen und dann eine Aktie kaufen. Wenn du sowieso niemals Aktien für unter 500 Euro kaufst, ist der Gratisbroker eine gute Wahl. Bei Summen wie 600 oder 2.000 Euro zahlst du keinen Cent Ordergebühren. Einige Broker erhöhen die Gebühren mit steigendem Ordervolumen. Nicht so beim Gratisbroker. Da kannst du ganz bequem für 0 Euro Aktien shoppen, aber eben erst ab 500 Euro.

Außerdem solltest du bei exotischen Aktien aufpassen. Da kann der Spread deutlich höher sein, da nur über Gettex gehandelt wird. Da kann es z. Bsp. direkt an der Heimatbörse günstigere Spreads geben. Bei viel gehandelten und bekannten Aktien sind die Spreads vom Gratisbroker vernünftig. Während der Xetra-Handelszeit gelten z. Bsp. für deutsche Aktien die Referenzkurse der Xetra.

2 Kommentare
  • Antworten Rina

    9. Dezember 2019, 16:57

    Danke für das interessante und aufschlussreiche Interview! Ist grundsätzlich ja ganz interessant. Man muss sich definitiv der Einschränkungen bewusst machen und ich finde solche Gratis Broker machen nunmal in den Staaten mehr Sinn aufgrund der Zinsen. Trotzdem ein cooles Konzept und für den ein oder anderen bestimmt sinnvoll, für mich doch eher weniger.

    • Antworten Nik Navarskij

      9. Dezember 2019, 22:21

      Hallo Rina,
      Zinsen sind beim Depot fast komplett irrelevant? Geld auf dem Depotkonto zu bunkern, macht in der Regel kaum Sinn. Wenn man bisschen Zinsen möchte, kann man da jeden Monat aufs Depotkonto überweisen. Bei der heutigen Zinslage sind das meist aber sowieso nur Centbeträge bei vielen Anlegern. Kommt aber natürlich immer auf den Einzelfall an.
      Liebe Grüße
      Nik

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