Investieren lernen – 9 versteckte Tipps, die ich gerne vorher gewusst hätte | für Anfänger!

Heute erzähle ich dir 9 Tipps zum Thema Investieren für Anfänger. Das ist ein ganz besonderer Ratgeber. Denn ich habe dir 9 unbekannte Tipps herausgesucht. Sowas wie »Investiere langfristig und streue breit« hast du bestimmt schon tausendfach gehört.

In diesem Ratgeber gibt’s meine persönlichen Insider-Tipps, die auf über 15 Jahren Börsen-Erfahrung beruhen.

1. Schau dir zuerst die Risiken an – und NICHT die Rendite!

Das ist mein finanzielles Mindset. Ich gehe jedes Investment nach diesem Motto an. Ich schaue mir immer zuerst die Risiken an und nicht die Rendite. Das ist ganz wichtig. Die meisten Anleger schauen zuerst auf die Rendite. Erst danach denken sie über die Risiken nach.

Daraus ergibt sich jedoch ein gravierendes Problem: Der Verstand ist von der Rendite benebelt. Er setzt gerne mal aus, wenn man von 10 % oder mehr im Jahr hört. Die Risiken bekommt man dann eher am Rande mit.

Das ist so, wie wenn Max Mustermann einen Vertrag unterschreibt.

Er möchte sich ein neues Smartphone kaufen.

  • Der Verkäufer zeigt ihm das Gerät.
  • Wow, was für eine geniale Kamera. Und schon setzt der Verstand aus.
  • Er liest sich den Vertrag nicht wirklich durch. Er blättert nur kurz durch die Seiten und unterschreibt.
  • Hätte er mal lieber den Vertrag gelesen! Dann wäre ihm die Gebührenfalle auf Seite 2 aufgefallen.

Deshalb empfehle ich dir: Lass sich nicht von der Rendite benebeln. Sondern fang bei einem Investment immer mit den Risiken an. Dann bist du super aufgeklärt und hast sie im Kopf, wenn der Worst-Case eintreten sollte.

Aktuell sieht man das bei ETFs. Sehr viele Leute investieren in ETFs, aber haben nur die Rendite im Kopf. Man hört überall nur vom Zinseszinseffekt. Der soll super und ganz toll fürs Bankkonto sein. Und schwupps, wird in ETFs investiert. Sollten die Märkte eines Tages fallen, werden diese Anleger sehr schnell nervös. Ich denke, der psychische Druck wird ihnen zu groß, wenn es anstelle der legendären Zinseszinsen tiefrote Zahlen im Depot gibt.

Wer sich zuerst über die Risiken informiert, kann Krisen ganz cool aussitzen. Schaue dir immer zuerst die Risiken an und erst danach die Rendite.

2. Verluste sind sexy

Du investierst an der Börse, um Gewinne zu machen. Logisch. Wozu sollte man sein Geld sonst anlegen? Dann kann man es gleich auf dem Tagesgeldkonto parken! So denken sehr viele Anfänger. Das ist jedoch falsch. Du musst lernen, mit Verlusten zurechtzukommen. Sie gehören nämlich zur Börse dazu.

Mehr noch: Du solltest deine Verluste lieben.

Erfolgreiche Anleger lieben Verluste. Sind sie denn alle verrückt? Nein, sie haben verstanden, wie die Börse tickt. Fallen die Kurse, ergeben sich interessante Kaufchancen.

Ein fiktives Beispiel: Sagen wir, ein Anleger hätte seit 1999 in ETFs investiert.

Dann kommt der große Crash. Die Dotcom-Blase ist da. Unser Anleger verkauft bei – 40 % und verteufelt die Börse. Da die Kurse nochmals um über 20 % fallen, ist er mit seiner Entscheidung zufrieden.

So konnte er noch etwas Geld retten. Bereits 2003 beginnen die Kurse wieder zu steigen und schon bald hätte er seine Verluste wieder dringehabt.

Heute wäre sein Depot tiefgrün. Sein Fehler: Er hat Verluste gehasst, anstatt sie zu lieben.

Ein erfahrener ETF-Anleger freut sich über Verluste. So kann er zu günstigen Kursen nachkaufen. Deshalb musst du Verluste lieben lernen. Sie gehören zur Börse dazu.

Beim Aktienhandel wirst du mal hier und da einen Verlust erleiden. Niemand hat eine Trefferquote von 100 %. Daher ist eine breite Streuung deines Kapitals wichtig.

3. Hinterfrage jede Statistik (die du nicht selber gefälscht hast)

Wenn du irgendwo eine Statistik siehst, musst du sie immer hinterfragen. An der Börse steckt sehr viel Interpretation drin.

Schau dir diese Grafik an.

Du siehst den Kursverlauf von Gold. Sieht wundervoll aus, nicht wahr? In den letzten Jahren ist Gold zwar etwas ins Stocken geraten, aber der Preis ist dennoch enorm steigen. Seit 2002 waren es in der Spitze weit über 500 %.

Gold-Fans lassen die Kursentwicklung häufig zur Jahrtausendwende beginnen. Das hat einen guten Grund: Die Jahre zuvor machte das Edelmetall alles andere als eine gute Figur.

Von 1980 bis 2002 hättest du mit Gold fast nur Verluste erzielt. Das Edelmetall hätte extrem viel Nerven gekostet, da der Kurs konstant nach unten fiel. Erst nach der Jahrtausendwende drehte sich der Trend.

Diesen Charttrick sehe ich täglich. Wenn du investieren lernen möchtest, musst du ein Auge dafür entwickeln.

  • Es wird bewusst ein toller Zeitraum herausgepickt.
  • Die Jahre davor, wo es schlecht lief, werden einfach „ignoriert“.

Das sieht man leider auch in Finanzblogs oder YouTube-Kanälen.

Wenn es um ETFs geht, sieht man häufig diesen Zeitraum.

Hast du dich schon einmal gefragt, warum die Schaubilder immer ab 2009 beginnen? Okay, das sind exakt 10 Jahre bis heute. Allerdings wurde auch letztes Jahr der Zeitraum ab 2009 genommen. Das ist kein Zufall.

Ich gehe einmal 9 Jahre zurück.

Schon sieht der DAX-Chart nicht mehr ganz so hübsch aus. Der Kursverlauf kann auf Anfänger sogar abschreckend wirken. Dieser Chart zeigt dir jedoch die Realität.

Denk an meinen ersten Tipp zurück: Schau dir zuerst die Risiken an – und NICHT die Rendite! Viele Anfänger lassen sich von der Rendite blenden. Sie sehen nur die rechte Hälfte der oberen DAX-Grafik. Die Märkte gehen schön stramm nach oben. Allerdings kann es auch so wie auf der linken Seite laufen. Wenn du weißt, wie negative Zeiten aussehen, kannst du besser darauf reagieren.

Hinterfrage jede Statistik und glaube niemals irgendwelchen Zahlen. Sei vor allem bei Charts und Rückschlüssen daraus sehr vorsichtig.

4. Halte deine Kosten möglichst gering

Vor 8 Jahren hatte ich einen besonderen Handelstag. Damals war ich noch Student. Ich saß im Hörsaal. Während die anderen Studenten fleißig aufpassten, tradete ich Optionsscheine. Ich habe einen Gewinn von 170 Euro gemacht.

Für einen Studenten ist das ordentlich. Ein tolles Taschengeld für 90 Minuten Vorlesungszeit. Doch die Geschichte hat einen großen Haken, einen verdammt großen sogar.

Denn ich habe nicht wirklich gewonnen. Tatsächlich habe ich 30 Euro verloren. Und das lag einzig und allein an den Orderkosten.

  • 10 Euro pro Order
  • 10 Käufe + 10 Verkäufe = 20 Orders
  • 20 Orders * 10 Euro Kosten = 200 Euro Gebühren

Ich musste 200 Euro an Orderkosten bezahlen. Das hat mich schockiert. Nach dem Tag bin ich auf CFDs umgestiegen. Dort musste ich genau 0 Euro Orderkosten bezahlen. Mit CFDs hätte ich an dem Tag 170 Euro gewonnen. Wegen den Orderkosten habe ich jedoch 30 Euro verloren.

Du siehst: Günstige Ordergebühren sind extrem wichtig.

Das mit den CFDs war nur mein persönliches Beispiel. Das ist ein extrem hochspekulatives Finanzprodukt, wo du dein komplettes Geld in wenigen Sekunden verzocken kannst. Anfänger sollten ihre Finger davon lassen.

Wenn du jedoch bei deinem aktuellen Broker 10 Euro zahlst, ist das zu viel. Sogar 5 Euro finde ich viel zu teuer. In diesem Jahr gab es am deutschen Broker-Markt eine echte Revolution. Es gibt einen Broker, wo du Aktien und ETFs für nur einen einzigen Euro handeln kannst.

Wenn du clever bist, klick rein, um Gebühren zu sparen.

5. Doktortitel sind an der Börse wertlos

Es ist komplett egal, ob jemand einen Doktortitel hat.

Eher im Gegenteil: Ich empfehle dir, da besonders vorsichtig zu sein. Manche Analysten sagen extra ihren Doktortitel, um sich eine höhere Reputation zu verschaffen. Ein Doktor lässt jemanden gleich viel schlauer erscheinen.

Da denkt sich der Anfänger: Der Herr Doktor oder Professor hat Wirtschaft studiert. Seine Prognosen sind bestimmt super.

Meine Meinung: Die wirtschaftswissenschaftliche Forschung hat die Finanzkrise ab 2007 nicht vorhergesehen. Vielleicht gab es ein oder zwei Professoren, die sie erahnt haben. Die breite Uni-Masse hat sie jedoch nicht gesehen. Es gab kein einstimmiges Paper, wo die Hochschulen vor der Finanzkrise gewarnt haben. Und wie man sie verhindern kann.

An der Börse ist die Ausbildung komplett egal. Ob Schreiner oder Bankangestellter, völlig egal.

Kleine Anekdote am Rande: Während meines Studiums wollte ich was zu Aktien besuchen. Dafür habe ich das komplette Vorlesungsverzeichnis durchgelesen. Ich habe nicht ein einziges Seminar gefunden, das mir beim Aktienhandel geholfen hätte. Okay, es gab ein paar Seminare wo man Buchhaltung lernt. Aber direkt zu Aktien oder zur Börse gab es praktisch nichts.

Lass dich also niemals von einem Doktortitel beeinflussen. Der Redner kocht auch nur mit Wasser.

6. Investiere so wenig Zeit wie möglich

Es ist super, gut informiert zu sein. Keine Frage. Zu viele Infos können jedoch schädlich sein.

Wer eine langfristige ETF-Strategie fährt, braucht nicht die täglichen Wirtschaftsdaten zu analysieren. Wozu auch? Der Sparplan wird jeden Monat vollautomatisch ausgeführt. Monat für Monat z. Bsp. 100 Euro. Da kannst du auf die täglichen Börsenkurse verzichten. Das ist verschwendete Zeit.

Viele Anleger machen sich dadurch unnötig nervös. Irgendeine Zeitung schreibt, bald steht eine Rezession bevor. Und dann meldet sich ein berühmter Crash-Prophet zu Wort. Was passiert? Der Anleger verkauft seine ETFs und stellt die Sparpläne ein. Dabei wollte er 40 Jahre bis zur Rente sparen. Monat für Monat denselben Betrag.

Dieser Fehler wäre nicht passiert, wenn er sich nicht hätte verrückt machen lassen.

Du möchtest aktives Daytrading betreiben? Ja, dann sollte man sich täglich informieren. Langfristig orientierte Anleger können darauf verzichten. Investiere nur so viel Zeit, wie es für deine Strategie erforderlich ist. Lass dich nicht vom täglichen Medien-Wirrwarr und den Kursen verrückt machen.

7. Investiere nur in etwas, das du verstehst!

Diese Weisheit ist von Warren Buffett abgeleitet.

„Investiere nur in eine Aktie, deren Geschäft du auch verstehst.“

Warren Buffett

Ich sage: Investiere nur in ein Finanzprodukt, das du zu 110 % verstehst. Lass als Anfänger die Finger von irgendwelchen Optionsscheinen. Wenn du in eine Aktie investierst, musst du das Geschäftsmodell zu 110 % verstehen. Verschließe deine Augen niemals vor den Risiken.

8. Du bist für deine Finanzen verantwortlich

Wenn du gewinnst, ist das dein Verdienst. Du bist aber auch für deine Verluste verantwortlich. Verlierst du Geld, ist nicht der böse Crash-Prophet schuld. Du allein hast auf den »Kauf-Button« gedrückt und Geld verzockt.

Deshalb musst du den Fehler immer bei dir suchen. Machst du irgendeinen Analysten verantwortlich, wirst du ein Börsen-Verlierer bleiben. Ja, das sind harte Worte. Aber ich möchte, dass diese Worte ankommen. Verlierst du Geld, weil du auf fremde Personen hörst, musst du diesen Fehler erkennen. Sonst wirst du diesen Fehler immer wieder machen. Du musst erkennen, welches Verhalten genau dich Geld kostet. Dann kannst du diesen Fehler erfolgreich abstellen.

Als Anfänger kannst du das nicht so gut einschätzen? Kein Problem, da gibt es einen Cheatcode!

Komm einfach in eine Facebook-Gruppe wie meine Aktien Lounge. Da kannst du offene Fragen stellen und um eine ehrliche Meinung bitten.

9. Gehe immer vom Gegenteil aus

An der Börse musst du Salz in die Wunde streuen. Das machst du solange, bis kein Salz mehr da ist. Erst dann gibst du dich zufrieden.

Im Klartext heißt das: Du nimmst immer die gegenteilige Meinung ein.

Wenn in einer Facebook-Gruppe eine Aktie hochgelobt wird, gehe vom Gegenteil aus. Suche nach Kritikpunkten. Äußere dich kritisch zur Aktie. Kommen auf deine Kritikpunkte persönliche Beleidigungen zurück, hast du einen wunden Punkt erwischt. Dann sind Fanboys in der Aktie investiert, die keine Kritik an ihrem Liebling sehen möchten.

Sei genau kritisch bei irgendwelchen Finanzbeiträgen. Der Verfasser geht von einer Rezession 2020 aus? Nimm die gegenteilige Meinung ein! Selbst wenn du an eine Rezession glaubst, völlig egal. Gehe vom Gegenteil, also einer blühenden Wirtschaft aus. Mit dieser Taktik kannst du interessante Gegenargumente finden.

Beispiel: Sagen wir, du glaubst an Amazon. Amazon ist hier keine Kaufempfehlung, sondern dient nur als Beispiel. In Facebook-Gruppen wird ein positiver Amazon-Artikel veröffentlicht. Dann äußere Kritik an Amazon. Kann die Kritik entschärft werden, dann ist alles super.

Ich empfehle dir immer die Gegenpositionen einzunehmen. Bei Aktien, aber auch bei allgemeinen Finanzbeiträgen.

Rechtlicher Hinweis: Jegliche Informationen in diesem Beitrag dienen nur der Information und stellen keine Anlageberatung dar. Es wird keine Gewähr für die Richtigkeit der Inhalte übernommen, sie können komplett falsch sein.

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