P2P Risiko: Darum solltest du alle P2P Kredite verkaufen | Totalverlust droht!

Die Welt droht in eine Rezession zu stürzen. Laut US-Nobelpreisträger Robert Shiller wird die Krise noch immer unterschätzt. Eine Rezession könnte sich sehr negativ auf P2P-Kredite auswirken.

Und was macht die deutsche Finanzszene?

Es wird darüber berichtet, wie du 300 Euro im Monat mit P2P-Krediten erzielst.

Quelle: YouTube-Kanal von Talerbox

Ein anderer YouTuber erklärt, wie man über 14 % mit Mintos verdienen kann:

Quelle: YouTube-Kanal von Northern Finance

Ich bin schockiert. In der aktuellen Lage müsste die Finanzszene über ein ganz anderes Thema sprechen: Nämlich darüber, wie wahrscheinlich ein Totalverlust bei P2P-Krediten ist!

Für mich ist das Risiko viel zu hoch geworden. Deshalb habe ich alle meine P2P-Kredite verkauft. Warum ich das getan habe, erkläre ich dir heute.

Was macht P2P-Kredite riskant?

Die letzten Wochen sind die Weltmärkte regelrecht eingebrochen. Es stecken handfeste Gründe und Ängste dahinter.

  • In China stand die Wirtschaft die letzten Wochen still. Erst so langsam geht die Arbeit wieder los.
  • In Europa befindet sich die Krise auf dem Höhepunkt bzw. flacht langsam ab. Italien hat den Anfang gemacht. Bereits vorher hat man sich dort vor einer Rezession gefürchtet. Nun sind die Ängste noch weiter gewachsen.
  • Trump hat die Krise anfangs heruntergespielt. Jetzt hat er einen Reisestopp für Europäer verhängt. Die globalen Lieferketten werden um ein Drittel zurückgehen.

Und jetzt frage ich dich: Glaubst du wirklich, dass hochspekulative P2P-Kredite verschont bleiben?

Viele Länder drohen in eine Rezession zu stürzen. Grenzen werden geschlossen. Das wird Unternehmen erheblich belasten. Wer glaubst du, muss das am Ende ausbaden? Klar, es sind wie immer die Angestellten. Es ist mit Entlassungen zu rechnen.

Achte auf den Arbeitsmarkt!

Für P2P-Kredite ist ein schlechter Arbeitsmarkt pures Gift. Viele Staaten versprechen der Wirtschaft schnelle Hilfe in Milliarden-Höhe. Aktuell kann niemand abschätzen, wie groß der Schaden tatsächlich sein wird. Reiche Staaten wie Deutschland oder die USA werden das auffangen.

Die Geschichte hat aber einen Haken: Deutsche P2P-Anleger investieren nicht in reiche Staaten. Privatkredite wandern in ärmere Länder.

Bondora ist eine der größten und angesehensten P2P-Plattformen. 51 % des Kapitals stecken dort im kleinen Estland. Erst danach folgen Finnland und Spanien. Bei Mintos, dem zweiten Platzhirsch der Branche, sieht es ähnlich aus.

Hier siehst du die einzelnen Kreditgeber:

Quelle: Mintos

Mogo nimmt mit 11,5 % eine wichtige Rolle ein. Der Löwenanteil des Geldes wandert ins kleine Baltikum. Das sind ziemlich unsichere Länder.

Aber vielleicht bin ich zu dramatisch.

Was sagen P2P-Experten zu diesem Thema?

Lars Wrobbel ist eines der bekanntesten Gesichter der deutschen P2P-Szene. Er hat einen Artikel zu den Auswirkungen einer Finanzkrise auf P2P-Kredite geschrieben.

Zum Vergleich hat er die damalige Finanzkrise von 2008 herangezogen. In Europa steckte Bondora noch in den Kinderschuhen. Aber es gab bereits zwei US-Plattformen. Deshalb schaute er sich den US-amerikanischen P2P-Markt näher an.

Damals verloren 15 Millionen Amerikaner ihren Job. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von mehr als 10 %. Außerdem verlor ein durchschnittlicher US-Amerikaner ein Fünftel seines Nettovermögens. Trotzdem konnten die P2P-Plattformen die Finanzkrise überstehen.

Sorry Lars, aber ich halte dieses Argument für sinnlos.

Deutsche P2P-Anleger stecken ihr Geld nicht nach Deutschland oder die USA. Sie investieren Geld vorwiegend in weniger reiche Länder. Das Baltikum mit Estland, Lettland oder Litauen ist da sehr beliebt. Apropos Lettland: Das Land hat am 17. März seine Grenzen geschlossen. In Riga hat fast alles außer Lebensmittelgeschäften geschlossen. Der Zustand könnte für 3 Monate andauern, darüber wird momentan in der lettischen Saeima diskutiert. Die Auswirkungen werden sehr negativ sein.

Um das aufzufangen, hat die Regierung 1 Milliarde Euro an Hilfsgeldern für Unternehmen versprochen. Das ist dringend nötig, denn die lettische Wirtschaft hängt zu einem guten Viertel am Tourismus.

In den letzten Tagen kam praktisch kein Stellenangebot im Tourismus rein. Ganz im Gegenteil: Die lettische Fluglinie airBaltic wird 250 Angestellte entlassen. Bei bisher 1.600 Angestellten ist das quasi jede 10. Person.

Stell dir vor, die Krise zieht sich über mehrere Monate. Ich schätze, das war erst der Anfang und es wird eine größere Kettenreaktion im Tourismus geben. Der lettische Arbeitsmarkt ist extrem volatil. Die Arbeitslosenquote kann in einem Jahr mal eben um 10 % steigen.

Über Mintos werden viele lettische Autokredite finanziert:

Quelle: Mintos

Das Gehalt in Lettland ist sehr niedrig. Ein voll ausgebildeter Lehrer kriegt auf dem Land ungefähr 500 Euro herum. In der Hauptstadt Riga liegt das Durchschnittsgehalt bei etwa 800 Euro nach Steuern. Lebensmittel kosten in Lettland ungefähr 10 % mehr als in Deutschland. Da bleibt fast nichts zum Sparen übrig.

In einer größeren Rezession rechne ich mit zahlreichen Ausfällen bei P2P-Krediten. Wie soll ein Lette seine Rechnungen bezahlen, wenn sein 600 Euro-Job wegfällt? Genau, er bezahlt zuerst Miete und Lebensmittel. Den Autokredit muss er früher oder später einsparen.

Wenn du Glück hast, hat das Auto noch einen Restwert. Bei einer größeren Rezession ist das Totalverlustrisiko relativ hoch.

Ähnlich sieht es bei Bondora aus. Dort stecken rund 51 % in Estland, dem baltischen Nachbarn Lettlands.

Quelle: Bondora, Verteilung aller P2P-Kredite

Der Arbeitsmarkt ist dort genauso volatil wie in Lettland. Zur letzten Finanzkrise war das eine echte Achterbahnfahrt. Das kann man nicht im Ansatz mit den USA vergleichen.

Info: In Zukunft möchte sich Bondora etwas anders aufstellen. Im aktuellen Go & Grow Portfolio ist Finnland höher gewichtet. Künftig soll der Fokus verstärkt auf spanischen P2P-Darlehen liegen.

Estland ist in den letzten Jahren wegen zwei Industriezweigen erblüht: Die Fintech-Branche konnte sich sehr stark entwickeln. Bondora selbst ist da ein sehr gutes Beispiel. Außerdem ist Tallinn zum beliebten Ziel für Kreuzfahrten geworden. Die Stadt ist voller Kreuzfahrt-Touristen.

Wegen der aktuellen Krise ist das erstmals vorbei. Der Tourismus wird deutliche Einbußen erleiden. Ich habe den Tourismus genommen, da diese Branche zur Erklärung leicht verständlich ist.

Wie sind Bondoras P2P-Kredite verteilt?

Lettland ist das ärmste baltische Land. Estland ist der Vorreiter. Schauen wir uns die estnischen P2P-Kredite genauer an.

Bondora ist ja größtenteils in Estland tätig. Die P2P-Plattformen vergibt ihre Darlehen selber. Bondora teilt die P2P-Kredite in mehrere Risikostufen ein. In Stufe D sind z. Bsp. rund 18 % des Kapitals investiert.

Was hat das zu heißen?

Quelle: Bondora

In dieser Tabelle siehst du die minimal und maximal zu erwartenden Verluste. Das ist der Anteil der Bruttozinsen, der aufgrund von Ausfällen nicht gezahlt wird. Bei Stufe D liegt der maximale Verlust zwischen 9 und 13 %.

Das ist nach meiner Risikoeinschätzung viel zu hoch. Es droht eine Rezession. Dafür sind die Zinsen viel zu niedrig. Deshalb habe ich hier meine persönliche Risikogrenze gezogen. Solche P2P-Darlehen möchte ich bei einer Rezession nicht im Portfolio haben.

Quelle: Bondora

Kredite der Risikostufe D oder höher machen rund 70 % von Bondoras Gesamt-P2P-Portfolio aus.

Bei Investoren ist Bondora Go & Grow sehr beliebt. Ich finde, dass dies das beste P2P-Produkt ist. Du kannst dort jederzeit Geld einzahlen oder wieder auszahlen. Die Zinsen werden täglich gutgeschrieben. Dafür gibt es jedoch keine Garantie. Bondora ist sehr zuversichtlich, langfristig 6,75 % auszuschütten.

Jetzt kommt der große Haken: Das Go and Grow Portfolio besteht größtenteils aus spekulativen Risikoklassen.

Quelle: Bondora

Die sichereren Stufen AA bis C machten im Dezember 2019 gerade einmal 23 % aus. Selbst wenn ich die Stufe D als sicher bewerte, komme ich gerade einmal auf 39 %. Ein Großteil des Go & Grow Portfolios steckt in hochspekulativen P2P-Krediten.

Für 6,75 % im Jahr ist mir das Risiko aktuell viel zu hoch.

Sei ein cleverer Investor

Es gibt übrigens einen zweiten Grund, warum ich meine P2P-Kredite verkauft habe. Dieser Grund hat nichts mit dem Risiko von Privatkrediten zu tun. Deshalb erwähne ich dieses Argument erst zum Schluss.

Durch den Börsencrash hat sich eine sehr spannende Chance bei Aktien ergeben.

  • Im Gegensatz zu P2P-Krediten bieten Aktien eine deutlich höhere Sicherheit.
  • Du kannst eine gute Aktie notfalls 20 Jahre im Depot halten.
  • Es ist sehr wahrscheinlich, dass es Unternehmen wie Walt Disney auch noch in 20 Jahren geben wird.

Bei P2P-Krediten kannst du die Totalpleite nicht einfach aussitzen. Wenn das Geld weg ist, ist das Geld weg. Mit etwas Glück gibt es eine Rückkaufgarantie. Fallen reihenweise Kredite wegen einer Rezession aus, würde ich mich nicht darauf verlassen.

Aktien bieten dir mehr Sicherheit. Da die Kurse zuletzt stark gefallen sind, hat sich eine spannende Chance ergeben.

Warum soll ich mein Geld bei Bondora Go & Grow für 6,75 % im Jahr riskieren? Im Falle einer größeren Rezession erleide ich vielleicht eine Totalpleite. Die 6,75 % sind dieses Risiko auf keinen Fall wert. Okay, du kannst mit P2P-Krediten auch 10 % oder mehr verdienen. Aber auch das halte ich für viel zu wenig.

Fallen die Märkte noch weiter, sind mit Aktien viel höhere Kursgewinne oder auch Dividenden möglich – wobei ich da bei finanziell schwachen Unternehmen mit Kürzungen rechne.

Ich möchte aber den Teufel nicht an die Wand malen. Vielleicht werden die P2P-Plattformen die Krise wohlbehalten überstehen. Vielleicht kann eine größere Rezession verhindert werden. Für mich ist das Risiko aktuell viel zu groß, deshalb bin ich raus.

In der aktuellen Situation ist es extrem wichtig, auf qualitative Plattformen zu setzen. Bei Aktien ist eine breite Streuung wichtig. Bei P2P-Plattformen würde ich auf die Top-Anbieter setzen. Sonst fällst du vielleicht auf einen Scam wie Kuetzal herein.

Dieser Beitrag ist meine persönliche Meinung. Er dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Ich kann auch komplett falsch liegen.

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