5 peinliche Börsenfehler, die dir NIEMALS passieren dürfen

Wie gut kennst du dich wirklich mit Aktien aus? Das werden wir heute klären. Ich zeige dir 5 peinliche Börsenfehler, die selbst erfahrene Anleger machen. Ich fange mit dem einfachsten Fehler an und steigere mich immer weiter. Die Fehler werden immer versteckter. Frei nach dem Motto von Börsenguru André Kostolany:

»Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten oder mehr Idioten als Aktien.«

André Kostolany

Sei also kein Idiot und schau dir alle 5 Börsenfehler an. So vermeidest du teures Börsen-Lehrgeld. Fangen wir direkt mit dem ersten Börsenfehler an!

1. „Dividendenstrategie“

»Hmm, Aktien zahlen eine Dividende. Shell blecht alle drei Monate um die 1,5 % herum. Kurz schauen, ja genau.

Am 13. Februar ist der nächste Stichtag. Wenn ich an diesem Tag Shell-Aktien besitze, erhalte ich eine Dividende.
Super, ich haue mein Depot am 12. Februar mit Shell-Aktien voll. Und am 13. Februar, kassiere ich so richtig ab. Dann verkaufe ich sofort bei Börseneröffnung und kassiere 1,5 % auf mein Geld! Ha, so schlage ich selbst Warren Buffett.«

Nein, das ist natürlich totaler Quark. Warren Buffett verzichtet auf diese „Dividendenstrategie“, weil sie sinnlos ist. Die Strategie hat einen entscheidenden Fehler: Jede Aktie wird am Ex-Dividenden-Tag ohne Dividende gehandelt.

Bei Shell ist das der 13. Februar. Ja, du erhältst eine Dividende ausbezahlt. Doch der Kurs wird am 13. Februar um die Dividende reduziert. Das heißt, der Kurs eröffnet 1,5 % im Minus, wenn die Dividendenzahlung bei 1,5 % liegt.

Du gewinnst also nichts mit dieser Strategie, es ist ein Nullsummenspiel. Im Endeffekt zahlst du sogar Ordergebühren drauf.

2. Index ≠ Index

»Wie schön ist doch der DAX im Vergleich zum Dow Jones anzusehen. Seit der Finanzkrise ist das DAX-Tierchen immer weiter nach oben geritten.


Der Dow Jones hat zwar ein bisschen besser abgeschnitten, aber nur in den letzten Jahren. Davor lieferten sich die beiden Staaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
2015 stand unser DAXileinchen sogar besser da.«

Könnte man meinen, aber das ist ein schwerer Börsenfehler. Diesen Fehler siehst du öfters in Fachmagazinen. Da wird der DAX mit anderen Indizes wie dem S&P 500 oder dem MSCI World verglichen.

Kurzfristig für 3 oder 10 Monate ist das in Ordnung. Bei Zeiträumen wie 5, 10 oder 20 Jahren ist das ein katastrophaler Fehler. Der klassische DAX ist ein Performanceindex. Das heißt, alle Dividenden werden in den Kurs reingerechnet.

Praktisch alle anderen Weltmärkte wie Dow Jones, S&P 500 oder MSCI enthalten keine Dividenden.

Jetzt verstehst du, warum dieser Vergleich nur die halbe Wahrheit ist. Der DAX hat einen unfairen Vorteil: Im Kurs sind Dividenden enthalten, während der Dow Jones keine Ausschüttungen enthält.

Und nun kommt die volle Wahrheit:

Du siehst in Grün den DAX ohne Dividendenzahlungen. Der Vorsprung vom Dow Jones steigt erheblich an. 2009 liefen beide Indizes relativ parallel zueinander. Die Schere klafft jedoch immer weiter auseinander. Rein von der Kursentwicklung her bringt es der Dow Jones auf mehr als 70 % Überrendite.

Prüfe in Zukunft unbedingt, ob du es mit einem Kurs- oder Performanceindex zu tun hast. Die Dividenden wirken sich erheblich auf deine Rendite aus. So kannst du geschönte Rechnungen entlarven, wenn ein Experte schreibt, wie hübsch der liebe DAX performt hat.

3. „Zu viele ETFs sind zu teuer“

»Harald hat mir sein Depot zugeschickt, heute schaue ich einmal drauf:
ETF 1: MDAX
ETF 2: MSCI World
ETF 3: S&P 500
ETF 4: Emerging Markets
ETF 5: Nachhaltigkeit (Branche)
ETF 6: Digitale Sicherheit (Branche)
Bitte was, da sind doch wirklich sechs ETFs im Depot. Das ist viel zu teuer! Allein die Ordergebühren fressen die Rendite auf.
Mensch Harald, hör mit dem Mist auf und kaufe lieber ein oder zwei ETFs. Dann sparst du Kosten!«

Falsch, du sparst dir gar nix. Das Argument mit den Kosten ist sowas von 2018. Wer mit Gebühren argumentiert, hat das letzte Jahr komplett verschlafen.

Seit 2019 hat sich der Brokermarkt komplett gewandelt. Inzwischen kannst du ETFs von iShares für 0 Euro besparen. Das geht bei einem ganz bestimmten Broker:

Du kannst dort auch Aktien für nur einen einzigen Euro handeln.

Es spielt also keine Rolle, ob du 1, 2 , 5 oder 20 ETFs besparst. Ob das strategisch sinnvoll ist, ist eine andere Frage. Rein von den Kosten her ist das völlig egal, wenn der ETF-Sparplan 0 Euro Gebühren kostet.

Der Brokermarkt entwickelt sich auch bei Aktien weiter. Erst kürzlich ist ein Broker an den Start gegangen, wo du Aktien für 0 Euro handeln kannst.

Es gibt nur eine Einschränkung: Die Order muss bei mindestens 500 Euro liegen. Klick rein, um von günstigen Gebühren zu profitieren!

4. Zinseszinsen falsch verstehen

  • „Zinsen oder Zinseszinsen können Grenzen einreißen!“ (Motley Fool)
  • „Durch den Zinseszins beschleunigt sich die Rate des Wachstums mehr und mehr.“ (GeVestor)
  • „Albert Einstein wird angedichtet, der Zinseszins sei die größte mathematische Errungenschaft, die der Mensch je vollbracht habe.“ (Süddeutsche Zeitung)

»Wow, ich muss die Zinseszinsen auch haben. Ich lege jetzt einfach 10.000 Euro an. Die Dividenden investiere ich schön fleißig, um von den Zinseszinsen zu profitieren. Nach 5 Jahren cashe ich dann aus und bin reich.«

Stopp, das ist ein gravierender Börsenfehler. Dieser Fehler wird in den nächsten Jahren extrem teuer werden. Das Problem an diesem Fehler ist, dass er auf einem starken Gefühl basiert. Gier ist ein enormer Antreiber. Da schaltet der Verstand einfach aus. Deshalb möchte ich dir die Zinseszinsen rational erklären.

Quelle: First Trust

Die Börsen steigen seit rund 11 Jahren an. Der historisch längste Bullenmarkt liegt bei 15 Jahren herum.

Rein statistisch können die Börsen noch ein paar Jähren weiterrennen. Die Luft wird jedoch immer dünner. Im Worst-Case-Szenario notieren die Märkte nach 5 Jahren tiefer. Dann bringt dir der Zinseszins nichts. Du stehst trotzdem mit Verlusten da. Beim Zinseszinseffekt ist Zeit der wichtigste Faktor.

Das größte Wachstum kommt tendenziell in der Schlussphase. Anfangs geht es eher gemächlich nach oben. Daher solltest du viel Zeit einplanen, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren.

Mindestens 10 Jahre. Ich würde dir eher 15 oder 20 Jahre empfehlen. Dann ist es sehr, sehr wahrscheinlich, dass die Weltmärkte höher stehen. Ich sehe in letzter Zeit extrem viele Anfänger, die von Zinseszinsen schwärmen. Sie möchten ihr Geld für 3, 5 oder 7 Jahre anlegen. Für kurze Zeiträume sind die Zinseszinsen zweitrangig. Dann steht die Kursentwicklung an erster Stelle.

5. Kennzahlen

»Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Umsatz-Verhältnis, Kurs-Cashflow-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Dividendenrendite, Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad und, und, und.«

Die Aktienwelt steckt voller Kennzahlen. Die Zahlen können hilfreich sein, überhaupt gar keine Frage. Sie sind sehr wichtig zur fundamentalen Analyse. Allerdings sind sie auch brandgefährlich.

Viele Anleger interpretieren die Kennzahlen komplett falsch. Sie kaufen eine Aktie dann nur wegen einer vermeintlich günstigen Kennzahl. Besonders das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder in Kurzform KGV ist extrem beliebt.

  • Daimler hat ein KGV von 9.
  • Amazon bringt es auf einen stolzen Wert von 68.
  • Demnach ist Daimler ein Schnäppchen gegenüber Amazon.

Richtig?

Nein, falsch. Das KGV eignet sich zum Vergleich von Aktien aus einer Branche. Man könnte Daimler mit BMW und Volkswagen vergleichen. Amazon spielt jedoch in einer anderen Liga.

Das ist ein gefährlicher Anfängerfehler. In vielen Fällen sagt die Kennzahl als solche wenig aus. Du musst sie im Vergleich zu anderen Aktien aus derselben Branche sehen.

Nun kommt der wirklich versteckte Fehler. Spitze deine Ohren und pass auf. So kannst du weniger gute Analysen entlarven. Schau dir immer an, mit welcher Kennziffer ein Analyst arbeitet.

Zuletzt hat mir jemand gesagt, die Märkte wären wegen dem Shiller-KGV extrem überbewertet. Rein historisch würde der S&P 500 über dem Durchschnitt notieren.

Quelle: multpl

Jupp, das stimmt, das Shiller-KGV ist sehr hoch. Allerdings hat sich das Niveau in den letzten 140 Jahren immer weiter nach oben verschoben. Die Höchstwerte von 1880 wären heutzutage ein günstiges Bewertungsniveau.

Deshalb darfst du dich niemals von irgendwelchen Kennziffern benebeln lassen. Sie werden gerne von Analysten gezielt eingesetzt, um ihre Meinung wissenschaftlich erscheinen zu lassen. Tatsächlich steckt aber wenig dahinter. Schau dir unbedingt die Kennziffer selber an.

Oftmals picken sich Analysten einen bestimmten Zeitraum heraus. Das sehe ich auch sehr oft in der Finanzblogger-Szene.

Im Chart wird bewusst der Zeitraum ab 2009 genommen. Ab da hat der Bullenmarkt angefangen. Dieser Kursverlauf sieht wunderschön aus, nicht wahr?

Nehme ich zwei Jahre hinzu, sieht der Chart nicht mehr ganz so hübsch aus.

Kennst du noch weitere gefährliche Börsenfehler? Dann schreib sie bitte unten als Kommentar!

Rechtlicher Hinweis: Jegliche Informationen in diesem Beitrag dienen nur der Information und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung sowie keine Anlageberatung dar. Es wird keine Gewähr für die Richtigkeit der Inhalte übernommen, sie können komplett falsch sein.

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