Private Altersvorsorge – darum ist Zeit der wichtigste Faktor!

»Ist das ein weiterer Artikel über den Zinseszinseffekt?«

Nein.

Die Zinseszinsen sind ein finanzieller Cheatcode. Einmal erzielte Erträge führen zu neuen Erträge, wenn sie reinvestiert werden. Sie sorgen bei der privaten Altersvorsorge für ein exponentielles Wachstum.

Schaubilder wie dieses sind jedem Anleger bekannt. Ich möchte den Faktor Zeit von einer anderen Sichtweise aufrollen.

Was macht Zeit besonders?

Zeit ist ein langfristiger Erfolgsfaktor. Der Zinseszinseffekt lässt grüßen. Dabei wird jedoch ein elementarer Punkt vergessen:

Unsere Zeit ist begrenzt.

Deshalb ist Zeit weit mehr als ein Erfolgsfaktor. Das ganze Leben dreht sich um die verfügbare Lebenszeit. Dies musst du auch bei deiner privaten Altersvorsorge beachten.

Hier sind zwei Punkte besonders wichtig:

  1. Das Vermögen steigt tendenziell am Ende des Lebens an, der Zinseszinseffekt lässt grüßen.
  2. Niemand weiß, wie viel Zeit dir zur Verfügung steht. Die 1997 verstorbene Französin Jeanne Calment ist mit 122 Jahren der älteste Mensch der Welt.

Stell dir vor, du setzt auf eine schlechte Altersvorsorge. Den Fehler korrigierst du erst nach 10 Jahren. Dann verlierst du wertvolle Zeit. Du kannst dir alles im Leben kaufen, aber Zeit ist ein begrenztes Gut.

Die einzige Hoffnung auf mehr Zeit ist die Kryonik. Immer mehr Menschen lassen sich nach dem Tod einfrieren. Sie spekulieren auf eine bessere medizinische Versorgung in der Zukunft. Für die meisten Anleger ist das jedoch keine Option.

Deshalb solltest du dir deine Altersvorsorge genau überlegen.

Vater Staat regelt das schon!

Wofür bracht man überhaupt eine private Altersvorsorge? Dafür gibt es bekanntlich die Rente. Arbeitnehmer zahlen fleißig in die Rentenversicherung ein, um später einen würdevollen Ruhestand zu genießen.

So sieht zumindest die Theorie aus. In der Praxis ist die Rente leider alles andere als sicher.

Quelle: Die Versicherer

Ich habe als Beispiel ein Netto-Einkommen von 2.000 Euro gewählt. Ungefähr so viel Geld steht den meisten deutschen Bürgern zur Verfügung. Ich bin 1988 geboren und würde mit 67 Jahren in Rente gehen. In diesem Beispiel würde ich eine Netto-Rente von 882 Euro erhalten. Stand heute könnte ich damit ganz knapp meine Lebenshaltungskosten decken.

Dank Corona sind meine Kosten aktuell deutlich niedriger. Ich spare mir Geld für Ausflüge, Urlaub und Co. ein. Mit den 882 Euro könne ich Miete und Lebensmittel bezahlen.

Ob das ein würdiger Ruhestand ist?

Ich denke nicht. Viele Angestellte möchten sich im Alter einen Lebenstraum erfüllen, wie eine Kreuzfahrt durch die Karibik. Mit der normalen Rente ist das leider nicht möglich.

Die Versorgungslücke liegt in diesem Beispiel bei 718 Euro. Genau dieses Geld verleiht dem Ruhestand das Prädikat „würdig“. Als deutscher Bundesbürger stehst du vor der schweren Aufgabe, die Rentenlücke zu schließen. Zum Glück ist diese Aufgabe selbst für Finanzlaien einfach zu meistern.

Rentenlücke schließen – aber wie?

Es gibt viele Möglichkeiten, um die Rente sinnvoll aufzubessern. Langfristig haben sich Aktien bewährt. Das siehst du an der historischen Entwicklung vom S&P 500. Der US-Aktienindex hat sich immer wieder seinen Weg nach oben gebahnt.

Quelle: MacroTrends

Es ist sehr wahrscheinlich, dass es auch in Zukunft so sein wird. Als Anleger solltest du einen langen Atem mitbringen. Je länger du investierst, desto wahrscheinlicher erzielst du am Ende einen Gewinn.

Das zeigt diese Grafik des Deutschen Aktieninstituts (DAI):

Quelle: Deutsches Aktieninstitut (DAI)

Die Indizes sind schön und gut, aber wie kann ich als Anleger investieren? Das geht ganz einfach über ETFs. Darunter versteht man passive Fonds, die einen Index 1:1 nachbilden. Du legst dir den ETF ins Depot. That’s it. Im Anschluss entwickelt sich der ETF nahezu parallel (und vollautomatisch!) zum von dir gewählten Index.

Laut extraETF liegen die durchschnittlichen Gebühren bei 0,35 bis 0,5 % im Jahr, Tendenz fallend. Es gibt bereits jetzt günstigere ETFs.

Hier kommt wieder der Faktor Zeit ins Spiel

Einige Investoren suchen sich mühsam einzelne Aktien heraus. Das kostet sehr viel Zeit, aber verspricht KEINEN Erfolg. Der Investor kann sich verspekulieren. Am Ende hat er Unmengen an Zeit investiert. Trotzdem schneidet er schlechter als ein ETF-Anleger ab.

8 von 10 Anlegern fahren mit ETFs besser.

Die restlichen zwei Anleger sind Aktien-Freaks wie ich. Doch ich bin Finanzjournalist und interessiere mich stark für die Finanzwelt. Deshalb verliere ich keine Zeit durch die Aktien-Suche, da es sowieso mein Job ist.

Du solltest dir überlegen: »Möchte ich kostbare Zeit investieren, um am Ende schlechter als ein Index abzuschneiden?«

Wenn du die Frage ganz lässig mit Ja beantwortest, kannst du dir ein Aktiendepot erstellen. In allen anderen Fällen sollten Anleger lieber auf ETFs setzen.

Es gibt drei simple ETF-Strategien, die sich einfach und schnell umsetzen lassen.

  1. 100 % Vanguard FTSE All-World (Ausschütter: A1JX52)
  2. 70 % MSCI World ETF (Thesaurierer: A0RPWH, Ausschütter: A1XEY2), 30 % MSCI Emerging Markets (Thesaurierer: A12GVR, Ausschütter: UB42AA)
  3. 100 % NASDAQ-100 (Thesaurierer: A0YEDL, Ausschütter: A0F5UF)

Die ETF-Kombis sind von konservativ bis spekulativ sortiert.

Möchtest du es möglichst einfach, setzt du ganz simpel auf den Vanguard FTSE All-World ETF. Du besparst den ETF mit einer monatlichen Summe. Das machst du gemütlich bis zur Rente.

Etwas spekulativer ist die zweite Kombi aus MSCI World und MSCI Emerging Markets. 70:30 ist das klassische Verhältnis, das von Finanzexperten empfohlen wird. Wenn du mehr Risiko möchtest, kannst du die beiden ETFs 50:50 gewichten. Dann nehmen die Schwellenländer (Emerging Markets) einen höheren Anteil ein.

Ein NASDAQ-100 ETF ist die spekulativste Variante. Das ist etwas für risikofreudige Anleger. Im NASDAQ sind 100 Nicht-Finanzunternehmen aus den USA enthalten. Du setzt damit voll auf IT-Unternehmen wie Amazon, Facebook oder Microsoft.

Tipp: Du kannst dir einen NASDAQ-100 ETF auch als spekulative Note ins Depot holen. Dann gewichtest du den ETF mit 10 bis 30 %.

ETFs bieten einen zeitlichen Vorteil

Die klassische Rente erhältst du erst, sobald du in Rente gehst. Ich sehe das als schlechten Deal, da dir während deiner Renten-Einzahlzeit spannende Chancen entgehen. Du könntest das Geld stattdessen in Aktien, ETFs, Immobilien oder was auch immer investieren.

In der Fachsprache spricht man von Opportunitätskosten. Ein cleverer Anleger könnte deutlich mehr aus der einbezahlten Rente herausholen.

Trotzdem sehe ich die Rente als sinnvolles Konstrukt. Nicht jede Person würde ihr Geld sinnvoll anlegen. Manche würden es verzocken und hätten am Ende nichts mehr für den Ruhestand übrig.

Im Vergleich hat die private Altersvorsorge in ETFs einen Vorteil: Du kannst vorzeitig auf das Geld zugreifen. Du möchtest in Frührente gehen? Mit einem ETF-Depot problemlos möglich!

Tipp: Du kannst deine ETF-Sparquote flexibel anpassen. Kündige Verträge, die du sowieso nicht benötigst. Spare unnötige Ausgaben ein und investiere das Kapital in ETFs.
So kannst du noch früher in Rente gehen, da du weniger auf die gesetzliche Rente angewiesen bist.

Wie nutze ich den zeitlichen Vorteil?

Ich bin selbstständig und zahle nicht in die Rentenkasse ein. Ich sorge selber privat für mein Alter mit Finanzprodukten wie Aktien oder ETFs vor.

Dabei setze ich ganz klar auf den zeitlichen Vorteil:

  1. Ich bin 31 Jahre alt – das ist viel Zeit bis zur Rente.
  2. Ich habe meine Ausgaben stark reduziert und spare das Geld stattdessen. Damit optimiere ich mein Finanz-Zeit-Management, da mehr Geld für mich arbeiten kann.
  3. Ich setze auf Finanzprodukte wie Aktien oder ETFs. Im Gegensatz zur klassischen Rente kann ich jederzeit darauf zugreifen. Sehe ich z. Bsp. eine spannende Chance am Immobilienmarkt, kann ich darauf reagieren. Die Zeit spielt hier wieder für mich.

Es ist höchste Zeit, die Zeit zu deinem Vorteil einzusetzen. Nimm deine private Altersvorsorge in die Hand, um der Altersarmut zu entgehen. Lass nicht zu viel Zeit verstreichen, denn diese Währung ist leider vergänglich. Als Hoffnung bleibt uns nur die Kryonik.

Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Blogparade von extraETF zum Thema „Private Altersvorsorge“ entstanden.

Risikohinweis: Dieser Beitrag ist meine persönliche Meinung. Er dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Ich kann auch komplett falsch liegen.

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