In 10 Min. schlechte ETF entlarven, um besser als 90 % zu investieren | 7 Punkte Checkliste

ETFs sind voll im Trend und das völlig zurecht. Du kannst per ETF einfach, günstig und schnell in Aktien investieren. Immer mehr Anleger erkennen die Vorteile von ETFs und investieren fleißig. Diesen Trend haben auch die ETF-Herausgeber erkannt.

2019 sind mehr als 120 neue ETFs erschienen.

Der Trend hat aber auch eine dunkle Seite. In Europa sind 80 ETFs wieder verschwunden. Das investierte Geld wurde an die Anleger ausbezahlt.

Um auf keine Mogelpackung reinzufallen, musst du jeden ETF genau analysieren. Ich zeige dir anhand von konkreten Beispielen, wie du schlechte ETFs entlarvst. Dazu habe ich dir eine Checkliste mit 7 Punkten vorbereitet.

1. Anteil der Top 10 Aktien

Du siehst hier als Beispiel den iShares Stoxx Europe 600 Food & Beverage.

Quelle: extraETF

Der ETF ist zufällig gewählt und keine Kaufempfehlung. Das ist der größte ETF für Lebensmittel.

Allein wegen der Fondsgröße von 261 Millionen Euro werden sich einige Anleger denken: »Wow, das ist die Nummer 1 in der Nahrungsmittelbranche. Der ETF muss was taugen!«

Das tut er leider nicht.

Mein erster Kritikpunkt ist der Anteil der Top 10 Aktien. Sie machen knapp 87 % des gesamtes ETFs aus.

Das ist viel zu viel. Mehr als 35 % sollten es nicht sein, allerhöchstens 40 %. Sonst kannst du dir die Aktien auch so kaufen. Dann brauchst du keinen ETF dafür.

ETFs sind zwar günstig, normale Aktien sind jedoch günstiger. Da fallen keine Fondsgebühren an. Schau dir unbedingt die Top 10 Aktien genauer an. Die 4 größten Positionen machen rund 60 % dieses ETFs aus.

Dafür brauche ich keinen ETF. Da kaufe ich mir die Aktien lieber direkt. Der ETF ist nur dann interessant, wenn du mit 25 Euro im Monat einsteigen möchtest. Dann kannst du einen ETF-Sparplan einrichten.

Dafür finde ich Trade Republic super. Du kannst dort mehr als 300 dauerhaft kostenfreie ETFs von iShares besparen.

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2. Anzahl der Positionen

Schau dir im nächsten Schritt die Anzahl der Positionen an. Als Beispiel wieder der vorige ETF.

Der ETF enthält 32 Aktien. Das ist nicht wirklich viel, ein bisschen mehr als der DAX. Wenn ich in einen ETF investiere, mache ich das wegen der breiten Streuung. Sonst kann ich mir gleich einzelne Aktien kaufen. Dann kann ich auch gezielter in die Aktien investieren, die ich wirklich spannend finde.

Ich kaufe daher keine ETFs, die weniger als 50 Aktien enthalten. Ich bevorzuge ETFs mit mehr als 100 Positionen. Dieser ETF hier unterschreitet die Grenze ganz klar, was das zweite dicke No-Go ist. 32 Positionen sind eindeutig zu wenig.

Sind es ungefähr 50 Aktien, sollte ihr Anteil in den Top 10 relativ gleichmäßig verteilt sein. Dieser ETF für Cloud Computing enthält nur 48 Aktien.

Das ist ein dickes Minus. Doch der ETF hat einen Pluspunkt zu bieten, den du immer berücksichtigen solltest.

Das Gewicht der einzelnen Top 10 Aktien ist wirklich super. Manche ETFs besitzen weit über 200 Aktien. Da machen die ersten drei Aktien zusammen über 30 % aus. Hier ist jede Aktie mit jeweils ungefähr 2,5 % gewichtet, was sehr gleichmäßig ist.

Deshalb sind in diesem Fall die knapp 50 Aktien in Ordnung. Das Verhältnis hat eine „heilende“ Wirkung.

3. Fondsvolumen

Im dritten Schritt schaue ich mir das Fondsvolumen an.

Dieser ETF bringt es auf 261 Millionen Euro. So generell sollte ein ETF mindestens 100 Millionen Euro Fondsgröße aufweisen. Ab dieser Grenze herum kann er wirtschaftlich betrieben werden.

Kleinere ETFs mit nur 20 oder 40 Millionen Euro haben es deutlich schwerer. Sie können jederzeit geschlossen werden, wenn der ETF-Herausgeber mit ihnen Verluste macht. Deshalb solltest du größere ETFs bevorzugen, wenn dir mehrere gleichwertige Produkte zur Auswahl stehen.

4. Kosten

Die Kosten sind ein ganz wichtiger Punkt. Viele Anleger schauen sich einfach nur die TER an. Das ist aber falsch. Die TER zeigt nur die theoretischen Kosten. Die echten Kosten weichen quasi immer von der TER ab.

Die echten Kosten kannst du anhand der TD, also der Tracking Difference sehen. Dieser ETF hat eine TER von 0,55 %. In der Praxis wurden jedoch 1,28 % fällig.

Das sind mehr als doppelt so hohe Gebühren. Um die TD genauer zu ermitteln, empfehle ich dir die Website TrackingDifferences. Da gibt es aussagekräftige und detaillierte Statistiken, und das völlig kostenlos.

Schau dir die TD der letzten 5 Jahre an. Ältere Werte haben eine geringere Aussagekraft. In den letzten Jahren lag die TD bei 0,8 % herum. Zur Erinnerung: Die offizielle TER liegt bei 0,55 %.

Dieser ETF ist eine Mogelpackung im negativen Sinne. Die Kosten sind deutlich höher, als es die offizielle TER zeigt. Schau dir deshalb genau an, wie gut deine ETFs tatsächlich abschneiden. Lass dich nicht von der TER blenden. Sie eignet sich höchstens für einen schnellen und groben Vergleich.

5. Enthaltene Länder

Im fünften Schritt prüfst du die enthaltenen Länder. Als Beispiel packe ich einen echten Klassiker aus:

Viele Anleger kaufen einen ETF auf den MSCI World, weil sie weltweit in Aktien investieren möchten. Das ist ein guter Gedanke. Durch die breite Streuung nimmt das Risiko ab.

Der Name »iShares Core MSCI World« klingt nach einem weltweiten Produkt. Da werden Aktien aus zahlreichen Ländern enthalten sein.

Das ist aber leider falsch.

Tatsächlich investiert du zu rund 65 % in die USA. Es sind außerdem nur Industrieländer enthalten, Schwellenländer wie Indien oder Brasilien gibt es nicht.

9 der 10 größten Positionen sind US-Aktien. Die erste Nicht-US-Aktie kommt erst auf Rang 10. Es handelt sich um Nestle.

Prüfe genau nach, wie hoch der Anteil der Länder wirklich ist. Manche ETFs rühmen sich damit, dass auch Schwellenländer enthalten sind. Wenn der Anteil weniger als 5 % beträgt, ist das eine Mogelpackung und nichts weiter.

6. Doppelte Aktien

Der sechste Punkt ist sehr wichtig, wenn du in mehrere ETFs investieren möchtest. Schau dir an, ob sich deine Aktien überschneiden.

Als Beispiel siehst du die Top 10 Positionen von zwei komplett unterschiedlichen Aktienindizes:

Beide Indizes sind bei Anlegern sehr beliebt. Bis auf Berkshire und Nestle sind die gleichen Aktien in den Top 10 enthalten. Du kaufst also doppelt gemoppelt!

Prüfe genau nach, ob du doppelt in dieselben Aktien investiert. Wenn sich paar Aktien überschneiden, ist das okay. Es sollte aber nicht der Großteil der Top 10 Positionen sein.

7. Mogelpackungen

Der letzte Schritt ist der schwerste von allen. Du musst darüber nachdenken, ob der ETF seine Aufgabe wirklich erfüllt.

Der iShares Dow Jones Global Sustainability investiert in nachhaltige Unternehmen. Schau dir einmal an, welche Aktie sich in den Top 10 dieses ethischen Index tummelt.

Es ist Nestle. Das Unternehmen wird von Naturschutzorganisationen heftig kritisiert. Für nachhaltige Anleger ist das eine Mogelpackung.

In meinen Augen ist der erste ETF ebenfalls eine Mogelpackung. Nochmals zur Erinnerung: Es war der iShares Stoxx Europe 600 Food und Beverage.

Ja, die Top 10 bestehen aus europäischen Lebensmittelkonzernen. Im Endeffekt setzt man aber hauptsächlich auf Nestle. Von einem ETF erhoffe ich mir eine breitere Streuung. Der Titel suggeriert eine breitere Streuung. Im Endeffekt steckt wenig dahinter.

Deshalb solltest du dich genau über den Titel schlau machen. Wenn im Titel eine Zahl wie hier 600 steckt, heißt das nicht zwangsläufig, dass der ETF 600 Aktien enthält. Hier sind es nur 32 Aktien.

Rechtlicher Hinweis: Jegliche Informationen in diesem Beitrag dienen nur der Information und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung sowie keine Anlageberatung dar. Es wird keine Gewähr für die Richtigkeit der Inhalte übernommen, sie können komplett falsch sein.

2 Kommentare
  • Antworten Tobias

    19. Februar 2020, 13:26

    Hallo Nik,

    viele gute Hinweise. Ob man damit aber erfolgreicher investiert ist natürlich immer die zweite Frage
    Nimm mal Microsoft, Apple, Amazon. Wer sich da auf gleichgewichtete Indizes eingelassen hat bereut es heute.
    Leider gibt es auf viele Indizes keine „5% Capped“ Variante und es geht eben einfach nach Marktkapitalisierung.
    Ich würde mir einen ETF-Baukasten wünschen, den gibt es doch bei Zertifikaten auch schon.

    LG,

    Tobias

  • Antworten Markus

    19. April 2020, 9:33

    Hallo Nik,

    vielen Dank für diese wertvollen Tipps.
    Bezüglich der Anzahl der Positionen würde mich interessieren, wie genau der Begriff Postion zu verstehen ist?Beispielsweise hat der MSCI World ETF DBX1MW 1 Position, der ETF A1XB5U aber 799. Die Gewichtung der Firmen ist in etwa gleich. Ist der ETF mit den 799 Postionen zu bevorzugen?

    Vielen Dank
    Markus

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