Ich habe einen Tesla Cybertruck für 100 Euro „gekauft“! (Experiment)

Letzte Woche am Freitag ist etwas passiert, das mein Leben verändert hat.

Ich versuchte einen Freund mit einem Besuch beim Japaner zu beeindrucken. Aus Datenschutzgründen nenne ich ihn Mouse Hunter. Es gab 40 Stück Sushi für zwei Personen. Darauf schickte er mir um 4 Uhr nachts wahrscheinlich betrunken dieses Foto zu:

Was zur Hölle!

Das war meine erste Reaktion auf dieses Foto. Was soll das bitte sein? Ich hielt das Foto zuerst für einen schlechten Scherz. Mouse Hunter war neidisch auf mein Sushi. Aber nein, ich lag sowas von falsch. Dieses Foto zeigt die neueste Kutsche von Tesla.

Darf ich vorstellen: Das ist der Tesla Cybertruck!

Das Gefährt ist faszinierend und abstoßend zugleich. Man weiß nicht, was man dazu sagen soll. Soll ich den Tesla Cybertruck hassen oder lieben? Nachdem ich mir stundenlang Bilder angesehen hatte, entschied ich mich für die Liebe.

Das futuristische Design ist einfach nur Wow! Wie gefällt dir der Cybertruck? Schreib deine Meinung unten als Kommentar.

Nicht jeder ist in den Cybertruck verliebt. John Koetsier beschreibt den Truck in der Forbes hässlich wie die Sünde.

Selbst Brokkoli ist schöner. Als Kind hat Mama gesagt: »Junge, eines Tages wirst du Brokkoli lieben.« Und ja, John verliebte sich in Brokkoli. Allerdings glaubt er beim Cybertruck nicht an den Brokkoli-Effekt. Der Cybertruck wird immer hässlich bleiben.

Kaum ein Auto hat dieses Jahrhundert mehr polarisiert wie der Cybertruck.

Klammern wir das Design-Wunder Fiat Multipla aus. Da kann auf Jahrhunderte kein anderes Fahrzeug mithalten, was die „Schönheit“ betrifft.

Elon Musk das Marketing-Genie?

Während wir hier über das Design sprechen, führt Elon Musk einen Freudentanz auf. Das ist pure Spekulation von mir. Aber ich glaube, Elon hat das alles genau so geplant. Das Design ist absichtlich futuristisch gewählt.

Stell dir vor, der Truck würde wie jeder andere Truck aussehen.

Bullig gebaut mit einer großen Fahrerkabine. Die Ladefläche hinten fällt im Vergleich zum vorderen Teil ab. Dadurch ergibt sich ein starker Gesamteindruck. Eben das, was man von einem Arbeitstier wie einem Truck erwartet.

Deshalb sahen die Prognosen zum Tesla-Truck ungefähr so aus:

Ähnlich gebaut wie die Konkurrenz, aber ein bisschen innovativer. Es liegen jedoch keine Welten dazwischen. Hätte sich Tesla für dieses Design entschieden, wäre es ein Truck wie jeder andere gewesen. Sehr schön anzusehen, aber mehr auch nicht.

Die Medien hätten paar Tage darüber berichtet, aber das Interesse wäre schnell wieder abgeflacht. So wie eine kleine Welle. Elon Musk hat mit seinem Cybertruck jedoch einen Medien-Tsunami ausgelöst.

Ich glaube, das hat er alles geplant. Wie gesagt, alles nur meine Spekulation. Vielleicht liebt Elon auch nur Memes und wollte hierzu die beste Vorlage der nächsten Jahrzehnte liefern. Spaß beiseite. Ich denke, er hat sich aus Marketing-Gründen für ein futuristisches Design entschieden. Der Cybertruck erhält kostenlose Werbung.

Das „Metallkugel“-Desaster

Bei der Präsentation vom Cybertruck ging einiges schief.

Bei der Live-Demonstration wurden Metallkugeln gegen das Panzerglas geworfen. Das Glas gab nach, obwohl es den Metallkugeln locker standhalten sollte. Das brachte Elon Musk sehr viel Medienspott ein.

Doch auch hier muss ich sagen: Daumen hoch, Elon Musk, alles wunderbar gemacht. Die Medien nutzen jeden Strohhalm, um gegen Tesla zu spotten. Vor allem in Deutschland wird Tesla hart kritisiert. Das ist auch logisch, denn Tesla steht in direkter Konkurrenz zu deutschen Autobauern. In Deutschland hängen sehr viele Arbeitsplätze an Daimler, Volkswagen und BMW.

Tesla möchte nun eine Fabrik bei Berlin bauen. Es sollen 8.000 neue Jobs entstehen. Das ist schön, aber kein Vergleich zu deutschen Autobauern.

Zurück zur Panne mit den Metallkugeln und dem Panzerglas. Auf den ersten Blick ist das ein echtes Desaster.

  • Elon verspricht ein starkes Fahrzeug und dann floppt die Live-Demonstration.
  • Zugleich ist das super. Denn so haben die Medien etwas zu lästern. Das ist kostenlose Werbung für Tesla.

Der Cybertruck kommt erst 2022 heraus. Bis dahin kann man diesen kleinen Fehler locker beheben. Die mediale Aufmerksamkeit ist deutlich mehr wert. Kaum ein Magazin würde über den Cybertruck sprechen, wenn der Truck wie jeder andere wäre. Aber das ist er nicht.

Ich schmeiße jetzt eine Zahl in den Raum.

200k.

Elon Musk hat diese Zahl am 24. November getwittert. Zuerst einmal: 200k steht für 200.000. Was hat es mit dieser geheimnisvollen Zahl auf sich? Das ist die Anzahl der Vorbestellungen. Über 200.000 Personen haben den Cybertruck vorbestellt.

Tesla hat dadurch 20 Millionen Dollar eingenommen. Mit jedem Tag werden es mehr Vorbestellungen. Das ist ein zinsfreier Kredit von über 20 Millionen Dollar. Für einen Autobauer wie Tesla ist das nicht die Welt. Trotzdem: Geld bleibt Geld. 20 Millionen sind kein Mückenstich. Bis 2022 sollten noch viele mehr Reservierungen hinzukommen.

Wie reserviere ich den Tesla Cybertruck?

Ich habe mir den Cybertruck reserviert. Das geht ganz einfach! Dafür gehst du auf die offizielle Tesla-Website.

Woha, da steht er. Stolz erstrahlt er in einem weißen Hintergrund. Ich kann mich kaum noch zurückhalten!

»Order now, hopp, hopp!«

Nun kann ich die Details zum Cybertruck auswählen. Der Single Motor bringt es auf eine Reichweite von 250 Meilen. Der Tri Motor schafft 500 Meilen. Das sind um die 800 Kilometer. Mit einer einzigen Elektro-Tankladung kann ich locker von Berlin nach Stuttgart fahren.

Aber ich bin ein sparsamer Mensch und brauche keine Extras. Deshalb tut es für mich auch der Single Motor mit einer Reichweite von circa 400 Kilometern. Das günstige Einstiegsmodell kostet übrigens 39.900 Dollar. Das sind derzeit um die 36.000 Euro.

Kleiner Fakt am Rande.

Nur 17 % aller Vorbesteller haben sich für das günstigste Modell entschieden. 41 % wählten das teuerste Modell für 69.900 Dollar. 42 % bevorzugen das Dual-Modell für 49.900 Dollar. Das ist sehr interessant. Die meisten Käufer bevorzugen demnach die teureren Modelle.

Zurück zur offiziellen Tesla-Seite. Es gibt noch eine weitere Extra-Option:

Für 6.300 Euro kannst du dir autonomes Fahren sichern. Nein, danke. Ich lenke mein Fahrzeug lieber selbst. Für 6.300 Euro kann ich den Job selber erledigen.

Wirf einen Blick nach rechts unten. Dort steht geschrieben: »Heute fällig: 100 Euro. Jetzt kaufen.«

Yeah, erledigt!

Und die Tesla Aktie?

Einige Zuschauer sind vielleicht in Tesla investiert. Hier muss ich den Spielverderber spielen. Das jetzt ist keine Anlageberatung, sondern nur meine persönliche Meinung. Kann alles komplett falsch sein. Elon feiert sich für 200.000 Reservierungen. Die Zahl hört sich wunderbar und toll an. Allerdings kostet die Reservierung nur 100 Dollar.

Beim Model 3 waren es noch 1.000 Dollar. Im Vergleich erscheinen die 100 Dollar vom Cybertruck mickrig.

1.000 Dollar sind eine kleine Stange Geld. Die haut man nicht eben für eine Reservierung raus. Da bringt man schon mehr Kaufinteresse mit.

100 Euro kann ich für die Reservierung rausrücken. Das belastet den Haushalt kaum. Am Stammtisch kann ich stolz rumposaunen, wie ich mir einen Cybertruck gegönnt habe. Oder ich kann ein YouTube-Video erstellen und darüber berichten!

Nein, keine Sorge. Nachher kommt deutlich mehr Gedankenfutter. Was ich mit den 100 Euro sagen möchte: Als Aktionär sollte man sich nicht von 200.000 Reservierungen blenden lassen. Am Ende ist die Stornoquote entscheidend. Bei einer niedrigen Reservierungsgebühr wird diese wahrscheinlich höher aus.

Ich schätze, dass viele Spaß-Reservierer dabei sind. Deshalb würde ich die Aktie auf keinen Fall nur wegen den Reservierungen kaufen. Das ist wie gesagt nur meine persönliche Meinung.

Ist der Tesla für 100 Euro ein Fake?

Spannen wir den Bogen zu meinem Experiment. Die 100 Euro sind nur die Anzahlung. Doch der Cybertruck wird grob geschätzt 36.000 Euro kosten. Wie möchte ich die restlichen 35.900 Euro finanzieren? Ganz einfach, ich werfe einen Blick in die USA. In das Land der knallharten Kapitalisten.

Da gibt es einen gewissen Stephan Graham, der sich einen Tesla für 78 Dollar im Monat gekauft hat.

Die Idee für diesen Ratgeber habe ich von ihm. Ich möchte testen, ob sowas auch in Deutschland möglich ist.

Schau dir einmal die Klickzahlen an. Das Tesla-Video hat 5,9 Millionen an Aufrufen erhalten. Sein zweitbestes Video hat nur 2,7 Millionen Klicks bekommen. Klar, das ist eine ganze Menge. Im Vergleich zu 5,9 Millionen Klicks jedoch deutlich weniger.

Stephan Graham hat mit diesem Thema genau ins Schwarze getroffen. Ein Tesla für 78 Dollar im Monat. Wow, das möchte ich auch haben! Das möchte wohl jeder von uns haben. Da klickt man als Zuschauer sofort rein.

Insgeheim weiß jeder von uns, dass das nicht möglich ist. Außer, du holst dir einen Kredit für 10 oder 20 Jahre. Trotzdem möchte jeder wissen, wie es der Schlingel für 78 Dollar geschafft hat.

Graham hat ein zweites Video hochgeladen. Ich fand dieses Video deutlich interessanter. Im ersten Video ging er auf einige steuerliche Besonderheiten in den USA ein. Im zweiten Video erklärt er jedoch, was er mit dem 78 Dollar Tesla Video verdient hat.

Und jetzt wirds spannend. Was glaubst du, wie viele US-Dollar sind es? Er hat über 5,6 Millionen Klicks erhalten. Ich löse das Rätsel auf:

Das Video hat ihm mehr als 49.000 Dollar eingebracht. Inzwischen hat das Video noch mehr Klicks erhalten. Also dürften es über 50.000 US-Dollar für ein einziges Video sein.

Graham Stephan ist ein echtes Genie.

  • Er hat ein Video darüber gemacht, wie er sich für 78 Dollar einen Tesla gekauft hat. Das war perfektes Marketing.
  • Und mit diesem Video hat er so viel Geld verdient, dass er sich den Tesla wirklich kostenlos holen konnte.
  • Klar, er hat das Geld mit seinem Video verdient und auch bezahlt. Aber im Endeffekt war es kostenlos, weil er das Geld durch das 78 Dollar Video erhalten hat.
  • Ohne das Video hätte er das Geld nicht erhalten.

Ich möchte nun Stephan Grahams Marketing in Deutschland ausprobieren. Mit 50.000 Dollar könnte ich den Tesla Cybertruck locker bezahlen. Doch es gibt ein Problem: Graham macht seine Videos auf Englisch. Er hat eine potenziell höhere Reichweite. Es gibt deutlich weniger deutsche Zuschauer. Englische Videos werden weltweit angeschaut.

Ich erhalte um die 20 Euro pro 1.000 Klicks. Bei einer Million Aufrufen würde ich 20.000 Euro verdienen. Also bräuchte dieses Video zwei Millionen Klicks, um 40.000 Euro zu bekommen. Um es kurz zu machen: Dieses Video müsste viral gehen, aber so richtig!

Leider ist das bloß die halbe Wahrheit. Viele Zuschauer nutzen einen AdBlocker. Ich erhalte nur Geld von YouTube, wenn Werbung kommt. Ungefähr 30 bis 40 % der Klicks bringen mir keine YouTube-Einnahmen. Das heißt, ich brauche deutlich mehr Klicks, um auf 36.000 Euro für den Cybertruck zu kommen. Es müssten wohl um die 4 oder 5 Millionen sein. Aber wie realistisch ist das überhaupt?

Meine besten Videos kommen auf 50.000 Aufrufe. Für mich ist das eine ganze Menge. Im YouTube-Universum ist das jedoch nichts. Beliebte YouTuber wie BibisBeautyPalace packen mit jedem Video die 1-Million-Klick-Marke.

Dieses Video hier müsste mehr Klicks erhalten, als mein Kanal insgesamt generiert hat.

Mein erstes Video kam im Januar 2019 heraus. Seitdem habe ich 560.000 Aufrufe erhalten.

Wie gut schneide ich mit diesem Video ab? Lassen wir ein paar Wochen verstreichen! Vielleicht kann ich mir mit den Einnahmen aus dem Video einen Cybertruck-Reifen kaufen. Stand heute habe ich mir den Truck für 100 Euro reserviert.

Die Besonderheit dabei: Es handelt sich um eine unverbindliche Anfrage.

Ich kann die 100 Euro wieder zurückfordern, wenn ich mich gegen den Kauf entscheide. Schauen wir einmal, ob ich den Cybertruck 2022 noch immer hübsch finde. Bis dahin kann die Konkurrenz nachziehen.

3 Kommentare
  • Antworten Dr. Chan

    27. November 2019, 18:44

    Warst du nicht mal der Ruprecht?

  • Antworten Kiev

    27. November 2019, 21:04

    Gibt es die Camping Variante auch ab 40k? Da steht dem Glamping Urlaub ja nichts mehr im Wege. Wie alt ist der Multipla eigentlich? Ein Youngtimer mit Stil bekommt man nicht alle Tage. Der ist auch relativ selten und könnte entsprechend an Wert gewinnen. Das soll nicht als Investment Idee aufgefasst werden.

    Bei dem Tesla kann ich mir ein Design Update vorstellen. Vielleicht war der Auftritt tatsächlich nur für Nachrichten generieren gedacht. Die Form ist im Grunde nicht schlecht. Sie lehnt im groben an einen Lamborghini an. Ein einzelner Legostein macht aber auch noch kein Kunstwerk.

  • Antworten Zabrina

    28. November 2019, 11:04

    Sehr interessantes Experiment! Ich bin gespannt ob du in 2 Jahren mit deinem eigenen Cybertruck durch die Straßen cruist. Halt uns unbedingt auf dem Laufenden!

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