Trade Republic: Wie gut ist der 1 Euro Broker? | Interview

Trade Republic bietet Trades für nur einen Euro an. Das ist eine Sensation für Deutschland. Sonst ist man eher Orderkosten wie 5, 10 oder 20 Euro gewohnt. Ich habe dem Broker 10 wichtige Fragen zugeschickt. In diesem Beitrag erfährst du die Antworten!

Fünf Monate ist es schon her. Damals habe ich einen Echtgeld-Test mit 1.000 Euro durchgeführt.

Eines vorweg: Ja, Trade Republic ist seriös.

Da musst du dir gar keine Sorgen machen. Die Trades kosten wirklich nur einen einzigen Euro. Unter meinem letzten Video zu Trade Republic kamen viele Fragen zum Broker.

Ben T fragt zum Beispiel: »Wie gestaltet es sich mit einem Übertrag von Aktien zu einem anderen Broker? Ist das überhaupt möglich und fallen ggf. sogar Gebühren an?«

Ich möchte nicht im Nebel stochern. Deshalb habe ich direkt bei Trade Republic nachgefragt. Wenn du das selber machen möchtest, ist das gar nicht so einfach. Der Support ist ein bisschen versteckt, wenn du das von der Webseite aus machen möchtest. In der App geht es ganz easy.

Hier siehst du die Startseite von Trade Republic. Ein Feld namens Support sehe ich jedoch nirgends. Immerhin gibt es eine »Über uns« Beschreibung. Also schauen wir da einmal rein.

Es erscheinen drei Männer mit Pullovern, die perfekt zu ihrer Haarfarbe passen. Das sind übrigens die drei Gründer Thomas Pischke, Christian Hecker und Marco Cancellieri. Von links nach rechts. Trade Republic scheint schon einmal großen Wert auf farbliche Sorgfalt zu legen. Das ist ein gutes Vorzeichen.

Soviel sei verraten – die Antworten auf meine 10 Fragen sind genauso zufriedenstellend wie die farbliche Pulloverwahl dieser drei Herren ausgefallen.

Achja, noch kurz die Info, wie du den Support erreichst. Für meine Pressefragen schrieb ich Sara Kirschhausen an. Sie verriet mir, wie du Trade Republic am besten erreichen kannst. Das geht per E-Mail über service@traderepublic.com. Alternativ nutzt du den Chat in der App oder rufst per Hotline an. Du hast also ausreichend Methoden, um Trade Republic zu erreichen.

Steigen wir direkt in die 10 Fragen ein!

1. Warum sollte ich bei Trade Republic mein Depot eröffnen?

Trade Republic: Unser Angebot ist mobiler, intuitiver und schneller als das der gängigen Broker und dazu provisionsfrei. Durch unsere eigene, seit drei Jahren entwickelte IT-Infrastruktur und die Zusammenarbeit mit renommierten Partnern wie HSBC bieten wir unseren Nutzern die Vorteile moderner Technologien. Wir sind ein deutsches FinTech und werden als Wertpapierhandelsbank von der BaFin und der Bundesbank überwacht. Wir finden: Der Handel mit Wertpapieren muss nicht kompliziert sein – die Trade Republic ist der einfachste Weg, Aktionär zu werden. Man kann sein Depot bei uns in weniger als zehn Minuten eröffnen und mit der intuitiven Such- und Filterfunktionen findet jeder das Investment seiner Wahl. Alle Informationen werden in einer persönlichen Timeline in der App übersichtlich aufbereitet.

Das war sehr allgemein, ich fasse das einmal zusammen. Du kannst per App sehr einfach und kostengünstig handeln. Das wichtigste Argument hat Trade Republic gar nicht erwähnt, nämlich dass Trades nur 1 Euro kosten. Die Kostenersparnis ist der wichtigste Grund, der für den Broker spricht.

Ob die Kontoeröffnung 10 Minuten oder 2 Wochen dauert, sollte dir als seriöser Anleger komplett egal sein. Kosten, Sicherheit und Zuverlässigkeit sind die Punkte, auf die es ankommt. Bei den Kosten finde ich Trade Republic sehr überzeugend.

2. Wie finanziert ihr euch?

Trade Republic: Als wir 2015 gestartet sind, haben wir erkannt, dass durch geringe Automatisierung, veraltete IT-Strukturen und scheinbar endlose Prozessketten oft hohe Kosten entstehen, die schlussendlich der Kunde bezahlt. Das wollten wir ändern! Als Technologieunternehmen mit Banklizenz setzen wir konsequent auf digitale Prozesse. In den letzten drei Jahren haben wir durch moderne Technologie eine leistungsfähige und effiziente digitale Bank-Infrastruktur aufgebaut. Damit bieten wir hohe Qualität zu einem Bruchteil der Kosten der anderen Anbieter. Außerdem ist es gängige Marktpraxis, dass Broker Rückvergütungen von Handelspartnern erhalten. Diese Punkte verbinden wir, um mobiles Brokerage dauerhaft provisionsfrei anzubieten.

Die Frage nach der Finanzierung kommt sehr oft. Das ist auch verständlich. Schließlich möchte niemand sein Geld einem unseriösen Start-up schenken. Aber da kann ich dich beruhigen, falls es die Antwort gerade nicht getan hat.

Deutschland hinkt wie so oft in digitalen Punkten hinterher. Seit 2015 kannst du in den USA per Robinhood App traden.

Der Broker verlangt keine Komissionen. Die Idee mit extrem niedrigen Gebühren ist nicht neu. Deutsche Anbieter haben nur 4 Jahre länger gebraucht, um nachzuziehen. Deshalb würde ich mir keine Gedanken zur Finanzierung machen. Ich habe erst vor wenigen Tagen einen Beitrag zum Geschäftsmodell von Trade Republic veröffentlicht!

3. Warum bietet ihr nur eine Smartphone-App an? Ist eine Desktop-Version geplant?

Trade Republic: Handeln ist zunächst ausschließlich über unsere App möglich, denn wir haben die Trade Republic momentan für das Smartphone maßgeschneidert – ein komplettes Brokerage-Angebot aus einer Hand. Gerade am Kapitalmarkt ist Zeit sprichwörtlich Geld – wir bieten unseren Kunden mit unserem zutiefst mobilen Produkt die Möglichkeit, das eigene Portfolio immer schnell im Blick zu haben. Wir werden unser Angebot zudem stetig weiterentwickeln und arbeiten aktuell daran, den provisionsfreien Handel mit Wertpapieren zusätzlich auch am PC zu ermöglichen.

Trade Republic ist ein junger Anbieter. Nach und nach wird der Funktionsumfang erweitert. Der Broker scheint auf seine Kunden zu hören.

In einem Interview mit dem Finanzrocker sagte Christian Hecker: »Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass der Aktienhandel aufs Handy gehört. Es gibt wenige Umfelder, wo Zeit so sprichwörtlich Geld ist wie am Kapitalmarkt. Idealerweise kriege ich den Preisalarm für meine Apple-Aktie wenn ich bei Starbucks in der Schlange stehe.«

Nun rudert Trade Republic zurück und plant eine Desktop-Version. Der Broker arbeitet daran, sein Angebot für seine Kunden zu optimieren. Das ist wichtig und gut. Denn ich finde, dass Aktienhandel nicht nur aufs Handy gehört. Da muss ich Christian widersprechen. Das Smartphone sollte höchstens eine nette Ergänzung sein, aber mehr nicht. Gerade das dauernde Schauen aufs Handy macht einen nervös. Da tätigt man Spontankäufe oder Spontanverkäufe, die man später bereut.

Ich finde, die App am Handy ist eine nützliche Zusatzfunktion. Aber man sollte in der Schlange am Starbucks keine Spontankäufe tätigen. Aktien sind kein Kaffee für 2,50 Euro, den man so eben trinkt, sondern eine Geldanlage. Und die sollte am besten ruhig daheim durchdacht sein. Aber Trade Republic arbeitet an einer Desktop-Version, also ist alles super. Wer am Computer traden möchte, kann es ja wie ich machen. Einfach das Handy zur Hand nehmen und parallel am Notebook seine Analyse durchführen. Gekauft wird dann gemütlich per Smartphone.

4. Wie groß ist euer Handelsangebot und wie sind die Handelszeiten? Wer führt die Trades für euch aus?

Trade Republic: In der Trade Republic kann man aktuell mehr als 6.500 Aktien, 500 ETFs und 40.000 Derivate (Optionsscheine, Knock-Outs und Faktor-Zertifikate) provisionsfrei handeln. Wir bieten lange Handelszeiten von 7:30 bis 23 Uhr für Aktien & ETFs. Die Handelszeiten sind damit fast doppelt so lange wie auf XETRA, so ist der Kunde flexibler und immer am Puls der Märkte. Gehandelt wird über das an der Börse Hamburg betriebenen elektronischen Handelssystem LS Exchange. Die Kursqualität von Aktien und ETFs wird börslich überwacht. Für die sichere und komfortable Abwicklung der Wertpapiergeschäfte setzen wir auf die HSBC Transaction Services (HTNG) – den größten Wertpapierabwickler Deutschlands nach Anzahl der Transaktionen. HSBC Deutschland ist zudem der Partner für Derivate. Diese sind bei uns zwischen 8 und 22 Uhr handelbar.

Das war die erste große News, von der ich vorher gesprochen habe. Später kommt eine zweite Neuerung, die viel wichtiger ist. Aber zuerst zu dieser Neuerung.

Das Handelsangebot wurde um 40.000 Derivate erweitert. Dazu zählen laut dieser Pressemitteilung vor allem Optionsscheine und Knock-out-Zertifikate. Trade Republic ruht sich nicht auf seinen 6.500 Aktien aus, sondern verbessert sein Angebot fortlaufend.

Mit den neuen Derivaten wird der Broker für Trader sehr interessant.

5. Wie sicher ist mein Geld bei Trade Republic aufgehoben?

Trade Republic: Die Trade Republic Bank ist eine eigenständige, deutsche Wertpapierhandelsbank – beaufsichtigt durch BaFin und Bundesbank. Jeder Kunde erhält ein persönliches Konto mit IBAN, das zur Abwicklung der Handelsgeschäfte dient. Die gesetzliche Einlagensicherung beträgt bis zu 100.000 Euro pro Anleger. Die Kundengelder werden auf einem Treuhandsammelkonto der solarisBank gehalten.

Trade Republic bietet eine hohe Sicherheit. Um mein Geld musste ich mir keine Sekunden Sorgen machen.

6. Aktien und Steuern sind kompliziert. Welche steuerlichen Leistungen bietet ihr euren Kunden an?

Trade Republic: Die Kunden der Trade Republic erhalten einen umfassenden Service rund um ihre Depots – dazu gehört die automatische Abführung aller Steuern und ein übersichtliches Steuerreporting der Wertpapiergeschäfte als Grundlage für die Steuererklärung. Viele andere Broker bieten diesen Service nicht.

Dem kann ich zustimmen. Aus steuerlicher Sicht ist Trade Republic sehr einfach.

Hier siehst du einige steuerliche Optionen. Alles ist klar und übersichtlich organisiert. Von mir einen Daumen hoch für den Steuerservice dieses Brokers.

7. Aktuell gibt es noch keine Sparpläne. Was sind da eure Pläne?

Trade Republic: Aktuell sind bei uns 6.500 Aktien, 500 ETFs und 40.000 Derivate handelbar. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, schon bald auch Sparpläne anzubieten.

Ich hoffe, das wird bald möglich sein. Denn dies ist ein kleinerer Minuspunkt.

8. Ist ein Depotübertrag von und zu Trade Republic möglich?

Trade Republic: Wir werden den eingehenden Depotübertrag zeitnah anbieten – aktuell kann man ein Depot bei uns in weniger als 10 Minuten eröffnen. Der ausgehende Depotübertrag ist kostenlos, es können eventuell fremde Spesen anfallen.

9. Für ausländische Dividenden ab 15 Euro berechnet ihr eine Gebühr von 5 Euro. Warum diese Gebühr und möchtet ihr das ändern?

Trade Republic: Die 5€-Gebühr für ausländische Dividenden ab 15€ pro Titel und pro Ausschüttung haben wir in der Vergangenheit erhoben. Ab sofort sind damit alle Dividendenausschüttungen bei Trade Republic kostenlos!

Das ist die zweite Mega-News. Vorher war das der größte Nachteil von Trade Republic. Nun ist dieser Minuspunkt komplett behoben. Damit hat der Broker seine Zielgruppe enorm erweitert. Für langfristige Dividendenanleger war Trade Republic eher weniger geeignet. Viele attraktive Dividendenzahler sitzen im Ausland. Nun ist der Broker für kurzfristige und langfristige Anleger sehr interessant, da es die 5-Euro-Gebühr nicht mehr gibt.

10. Wir schreiben das Jahr 2030. Wie hat sich Trade Republic im Optimalfall weiterentwickelt? Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Trade Republic: Im Jahr 2030 ist die Trade Republic der etablierte Broker in Europa, der es jedem ermöglicht, einfach, verständlich und kostenlos am Kapitalmarkt zu investieren.

Trade Republic hat bereits zwei dieser Ziele erreicht. Die App ist extrem leicht zu bedienen. Alles ist sehr verständlich dargestellt. Käufe und Verkäufe lassen sich spielend leicht durchführen. Der Broker ist noch nicht ganz kostenlos. Aber 1 Euro ist von 0 Euro nicht weit entfernt.

Die günstigen Ordergebühren sind der wichtigste Pluspunkt für diesen Broker. Außerdem gibt es keine Dividenden-Gebühr mehr. Das ist eine wundervolle Nachricht. Damit ist Trade Republic für Dividendenjäger sehr interessant. Möchtest du kleinere Summen wie 50 oder 100 Euro investieren, führt kein Weg an diesem Broker vorbei. Bei einem etablierten Anbieter lohnen sich solche Summen nicht. Wegen den Gebühren lohnt sich der Kauf nicht. Bei Trade Republic kein Problem, da nur 1 Euro fällig wird.

Schauen wir einmal, wie sich Trade Republic entwickelt. Ich würde mich nicht wundern, wenn eines Tages der Euro komplett wegfällt. Der Broker hört auf seine Kunden und optimiert an den richtigen Stellen. Hier muss ich den Wegfall der Dividendengebühr betonen. Es hat nur wenige Monate gedauert, bis das umgesetzt wurde. Andere Banken behalten über Jahre nachteilige Konditionen. Insgesamt ist Trade Republic ein empfehlenswerter Broker. Wenn du kostengünstig Aktien handeln möchtest, ist Trade Republic eine sehr gute Wahl.

1 Kommentar
  • Antworten Jakob

    31. Oktober 2019, 12:03

    Ich nutze Traderepublic auch seit kurzem… irgendwie verleitet der günstige Preis dazu, seine Aktien schneller zu kaufen und auch zu verkaufen (sogar innerhalb eines Tages)

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