Soll ich Warren Buffett Aktien kaufen?

Warren Buffett gilt unter Investoren als Legende. Über 40.000 Anleger erscheinen zur jährlichen Hauptversammlung seiner Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway. Überall wird positiv über Buffett berichtet. Deshalb habe ich etwas gemacht, was sonst kaum jemand tut. Ich übe Kritik an Warren Buffetts Portfolio.

Ohne Frage, Buffett hat in der Vergangenheit großartiges geleistet. Mit seiner Burggrabenstrategie ist er in die Börsengeschichte eingegangen.

Seine Strategie lässt sich mit diesem Zitat beschreiben:

»Die Frage, wie man reich wird, ist leicht zu beantworten. Kaufe einen Dollar, aber bezahle nicht mehr als 50 Cent dafür.«

Warren sucht gezielt nach einfachen, aber ertragsstarken Geschäftsmodellen. Dafür kauft er Aktien mit einem Burggraben. Das kann ein starker Markenname wie der von Coca Cola oder ein technologischer Vorsprung sein. Konkurrenten müssen sehr viel Anstrengungen und Geld investieren, um dem Unternehmen gefährlich zu werden. Ein Burggraben ist also ein starker Wettbewerbsvorteil. Und wegen diesem Vorteil kann das Unternehmen langfristig profitabel arbeiten.

Dazu ein weniger bekanntes Zitat von Buffett:

»Investieren Sie Geld so, wie sich die Katholiken verheiraten – für ein Leben lang.«

Unser Warren achtet also auf nachhaltige und langfristige Geschäftsmodelle.

Werfen wir einen Blick auf sein aktuelles Portfolio bei Berkshire Hathaway.

Du siehst, es sind eine ganze Menge an Aktien. Die Unternehmen sind am Depotanteil von Berkshire sortiert. Schau dir nun die rechten Prozentzahlen an. Über die Hälfte fängt mit einer 0 vor dem Komma an. Es sind also winzige Positionen. Der Großteil des Kapitals verteilt sich auf 6 Aktien und das sind Apple, Bank of America, Wells Fargo, Coca Cola, American Express und Kraft Heinz. Wobei Apple mit rund 24 % die Monsterposition im Warren Buffett Portfolio ist. Der Starinvestor setzt zu einem knappen Viertel auf den Smartphone-Hersteller.

Der erste Rückschluss lautet: Buffett hält wenig von Diversifikation, also einer breiten Streuung seines Kapitals.

Er fokussiert sein Kapital auf einige wenige Aktien. Er hält zwar viele kleinere Positionen, aber das sind im Vergleich zum Gesamtkapital geringe Prozentwerte.

90 % seines Kapitals verteilen sich auf 12 Aktien. Ich kann es sogar noch extremer sagen: 5 Unternehmen machen 63 % seiner gesamten Investments aus.

Daraus macht Buffett kein Geheimnis. Er sagte einst:

»Konzentrieren Sie Ihre Investments. Wenn Sie einen Harem mit 40 Frauen haben, lernen Sie keine richtig kennen.«

Nun ja, der gute Warren hat 6 Frauen, die er bevorzugt. Wobei Apple seine aktuelle Lieblingsfrau ist. Ich finde einen weiteren Punkt sehr spannend. Hier siehst du die Sektoren, in die Buffett investiert.

Quelle: warrenbuffettstockportfolio.com

Fast die Hälfte seines Portfolios machen Finanzunternehmen aus. Warren setzt zu rund 15 % auf die Bank of America und JPMorgan. Das ist erstaunlich, da deutsche Anleger Banken meist als schlechtes Investment bezeichnen. In Deutschland wird gerne über die Deutsche Bank gelästert. Ich lese viel in Facebook-Gruppen und Foren mit. Über Banken fällt kaum ein gutes Wort.

Das ist aber finanzieller Quark.

Schau dir hier den Aktienkurs von JPMorgan an.

Das ist die größte Bank der USA. Der Chartverlauf ist wunderschön anzusehen und es gibt eine hübsche Dividende von über 3 Prozent. Da können deutsche Anleger wirklich viel von Buffett lernen.

Wieder zurück zu den Sektoren. Der Prozentwert bei Finanzen ist deshalb so hoch, weil auch Dienstleister wie American Express dazuzählen. An zweiter Stelle folgen IT-Aktien mit 27 Prozent. Apple macht dabei den Löwenanteil mit knapp 24 % aus. An dritter Stelle mit 15 % folgen Unternehmen, die sich mit täglichen Verbrauchsgütern befassen. Das beste Beispiel ist Coca Cola als Getränkehersteller. Die restlichen Sektoren besitzen eher geringe Prozentwerte. Das obere Tortendiagramm zeigt, wie wenig Buffett von Diversifikation hält.

Er fokussiert sein Portfolio auf drei größere Sektoren:

  • Finanzen
  • IT
  • Grundbedarf

Betrachten wir diese Fokussierung einmal kritisch. US-Amerikanische Banken und Finanzdienstleister wie American Express oder Moodys performen sehr gut. Allerdings könnte man Aktien wie Coca Cola zu wenig Wachstum vorwerfen.

So generell stellt sich die Frage: Wo ist die Fantasie in Buffetts Portfolio?

Es gibt ja keine Startups oder jüngere Wachstumsaktien. Buffett verfolgt aber einen andere Ansatz. Er sucht Qualität zu einem guten Preis. Und auch Aktien wie Coca Cola wachsen konstant weiter. Bereist vor 50 Jahren war die Brause weltweit bekannt. Aber Coca Cola kann trotzdem wachsen, da die Weltbevölkerung ansteigt. Das sollte man unbedingt im Kopf behalten. Nur weil ein Unternehmen keine explosiven Umsatzzahlen hat, heißt es nicht, es würde vor sich hinvegetieren.

Hier siehst du ein Diagramm zum Bevölkerungswachstum.

Dieser Punkt wird bei stabilen Value-Aktie öfters vergessen. Ein Unternehmen muss nicht unbedingt höhere Marktanteile gewinnen, wenn es den Markt sowieso dominiert. Aktuell leben um die 7 Milliarden Menschen auf der Welt. 2055 sollen es über 10 Milliarden sein. Das erhöht die Umsätze automatisch um gute 50 %, auch wenn der Marktanteil gleich bleiben sollte.

Coca Cola kann allein deshalb wachsen, indem es seine Marktposition hält.

Durch die steigende Bevölkerung werden automatisch mehr Umsätze erzielt. Außerdem kann der Getränkehersteller weitere Geschmackssorten herausbringen und auf neue Trends wie zuckerfreie Limonade aufspringen. Dieser Punkt wird bei konservativen Unternehmen sehr gerne vergessen.

Warren Buffett ist ein Value-Investor

Er sucht nach Werten, es geht ihm weniger um spekulative Fantasien. Natürlich ist ihm das Zukunftspotenzial eines Unternehmens wichtig. Aber er möchte eine Aktie zu einem guten Preis kaufen.

In diesem Zusammenhang hat Buffett vor paar Wochen eine interessante Aussage gemacht:

»Aktien sind lächerlich billig.«

Dieser Satz wurde in zahlreichen Medien zitiert. Doch das ist eine Verzerrung der Aussage. Dies zeigt aber, wie manche Medien arbeiten. Das komplette Zitat lautet:

»Ich denke, Aktien sind lächerlich billig, wenn man glaubt, dass [eine Rendite] von 3 % bei 30-jährigen Anleihen Sinn macht.«

Allerdings hält Buffett dies für sehr bedenklich. Die echte Meinung von Buffett zeigt sich an anderer Stelle. Berkshire Hathaway verfügt über eine Cashreserve von über 110 Milliarden US-Dollar. Buffett klagt, die Preise für Übernahmen seien schwindelerregend hoch. Das sagt eher das komplette Gegenteil aus. Warren hält Aktien nicht wirklich für lächerlich billig. Sonst wären die Übernahmen günstiger. Er könnte gerade auch einfach nur auf sinkende Aktienkurse zu warten, um dann zu günstigen Preise zuzuschlagen.

Kleine Geschichte am Rande: Buffett hat enorm von der Dotcomblase zur Jahrtausendwende profitiert. Damals hat er die Finger noch komplett von IT-Aktien gelassen. Da er nicht in solche Unternehmen investiert war, hatte er keine so hohen Verluste zu verzeichnen. Nach der Blase konnte er qualitative Aktien günstig einkaufen. Vielleicht hofft er jetzt insgeheim auf ein ähnliches Szenario. Der hohe Geldberg erlaubt diesen Rückschluss.

Lohnt es sich Buffett nachzutraden?

Dazu habe ich eine Studie gefunden.

Es wurde der Zeitraum von 1976 bis 2007 untersucht. Ein Investor wäre im Jahr auf 24,58% Rendite gekommen, hätte er Buffett einfach kopiert. Das ist leicht möglich, da Warren seine Investments regelmäßig veröffentlicht. Aus 10.000 Euro wären 65,7 Millionen Euro geworden.

Allerdings ist diese Studie kritisch zu sehen. Ich empfehle dir generell, solche Zahlen extrem aufmerksam betrachten. Häufig werden die Werte durch einen bestimmten Zeitraum geschönt. Bei dieser Studie fällt auf, dass der Zeitraum bis 2007 gewählt wurde. Das war kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise. Nach 2008 haben sich vor allem IT-Werte wie Amazon wunderbar entwickelt. Traditionelle Branchen hingegen sind weniger stark gestiegen. Aber Warren Buffett steht eher für einfache und traditionelle Geschäftsmodelle wie Coca Cola. Ein ganz normaler Getränkeverkäufer eben. Tech-Werte hat Buffett eher gemieden.

Ein berühmtes Zitat erklärt, warum Warren erst 2011 seinen ersten Tech-Kauf getätigt hat.

»Investiere nie in ein Unternehmen, das du nicht verstehst.«

Daraus lässt sich zurückführen, dass Buffett bis 2011 wenig mit Tech-Aktien anfangen konnte. Das ist überraschend, wenn du dir das vorige Tortendiagramm ins Gedächtnis rufst. Der IT-Anteil der Buffett-Aktien liegt jetzt bei stolzen 27 %.

Doch ich finde das verständlich, dass Buffett einige Jahre gebraucht hat, um mit IT-Aktien warmzuwerden. Der Investor ist mit konservativen Unternehmen aufgewachsen. Da sind IT-Firmen eine komplett neue Welt. Geschäftsmodelle wie Werbeanzeigen in Suchmaschinen erscheinen fast schon wie Science Fiction. Einfacher Getränkeverkauf wie bei Coca Cola ist ein solides Business. Man sieht die Flaschen täglich im Kühlregal stehen. Dagegen wirkt eine Google-Werbeanzeige wie pure Fiktion.

2011 hat Buffett das Potenzial von Tech-Werten erkannt. Seine erste Aktie in diesem Bereich war IBM. Seit 2016 setzt er verstärkt auf Apple. 2019 hat seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway Amazon gekauft. Allerdings ist der Kauf nicht auf ihn zurückzuführen. Seine Investmentmanager Ted Weschler und Todd Combs sind dafür verantwortlich. Sie verwalten jeweils rund 13 Milliarden US-Dollar im Namen von Berkshire. Doch dieses Vorgehen bietet Raum für Kritik.

So schreibt der Aktionär: »Berkshire Hathaway: Wieviel Buffett steckt noch in Berkshire?«

Das habe ich mich auch gefragt. Das Portfolio von Berkshire Hathaway befindet sich im Wandel. Früher wurde es »einfachen« Aktien dominiert. Damit meine ich Werte mit einem eher traditionellen Geschäftsmodell. Nun kommen verstärkt IT-Aktien mit größeren Schwankungen hinzu. Ich persönlich sehe das weniger kritisch, da die Zukunft digital ist. Es ist der richtige Schritt in die Zukunft.

Insgesamt muss ich sagen, dass Buffett auf stabile Unternehmen setzt. Seine Aktien sind keine Geheimtipps, sondern größere und bekannte Firmen. Ich finde seine Finanzunternehmen sehr spannend. Vor allem deutsche Anleger sollten sich diese Aktien ansehen. Im Vergleich zu deutschen Finanzwerten sind US-Finanzdienstleister deutlich spannender.

Langfristige Value-Investoren können sich hier und da ein wenig abschauen. Startups oder stärkere Wachstumswerte wirst du im Buffett Portfolio jedoch nicht finden. Warren verfolgt einen langfristigen Value-Ansatz und da setzt er verstärkt auf etablierte Unternehmen. Wer konservativ investieren möchte, sollte sich die Warren Buffett Aktien näher ansehen.

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Hierfür möchte ich dir meinen Lieblings-Broker verlinkt. Ich nutze das Depot von comdirect seit 10 Jahren. Dazwischen habe ich andere Broker ausprobiert, aber bin immer wieder zur comdirect zurückgekehrt. Wenn du also nach einem sehr guten, kostengünstigen Depot suchst, ist dieses Depot eine clevere Wahl.

Ich breche nicht in Tränen aus, wenn Buffett eine Aktie verkauft. Für mich persönlich spielt sein Portfolio kaum eine Rolle. Ich sehe es eher als grobe Orientierung für neue Value-Anleger.

Wer auf Buffett setzen möchte, kann einfach die Aktie von Berkshire Hathaway kaufen. Allerdings musst du daran denken, dass er am 30. August seinen 89. Geburtstag feiert. Ich wünsche ihm beste Gesundheit und weitere 89 erfolgreiche Börsenjahre. Extrem langfristige Investoren müssen beachten, dass die Buffett-DNA bei Berkshire verloren gehen kann.

Was hältst du eigentlich von Buffett-Aktien?

Würdest du in sie investieren oder hast du welche im Depot?

Rechtlicher Hinweis: Jegliche Informationen in diesen Beitrag dienen nur der Information und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Es wird keine Gewähr für die Richtigkeit der Inhalte übernommen, sie können komplett falsch sein.

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