Darum kaufe ich KEINE Wirecard Aktien – und wann sich das ändert!

Jedes Jahr kommt der Weihnachtsmann. Genauso regelmäßig haut die Financial Times einen Artikel über Wirecard heraus. Letzten Dienstag war es wieder soweit. Dan McCrum von der Financial Times berichtete mal wieder über Wirecard.

Darauf fiel die Aktie in der Spitze um 23 %. Für einen DAX-Wert ist das ein extremer Kursverlust. Immerhin bringt es Wirecard auf einen Börsenwert von über 14 Milliarden Euro. Ist die Aktie jetzt ein tolles Schnäppchen?

Warum ich die Aktie Stand heute nicht kaufen würde, erzähle ich dir in diesem Artikel. Als Bonus erkläre ich dir am Ende, wann ich einsteigen würde!

Wirecard hat es mal wieder erwischt. Es gab einen ordentlichen Kursrückgang.

Wie schon so oft in den letzten 12 Monaten. An einem Tag 10 oder 20 % runter? Für Wirecard gar kein Problem. Aber was ist die Ursache?

Gewöhnlich fallen Aktien, weil die Quartalszahlen schlecht ausgefallen sind. Es wurden weniger Produkte als erwartet verkauft oder was weiß. Gewöhnlich. Bei Wirecard ist das völlig anders. Die Aktie fällt wegen einer einzigen Person: Dan McCrum.

Wer ist Dan McCrum?

Der Journalist ist für die britische Wirtschaftszeitung Financial Times tätig. Dan McCrum veröffentlicht regelmäßig Artikel über Wirecard. In der Regel handelt es sich um irgendwelche dubiosen Geschäftspraktiken.

Am Dienstag kam dieser Bericht heraus. »Wirecards verdächtige Buchhaltungspraktiken offenbart. FT-Untersuchung: Interne Dokumente des Zahlungsunternehmens deuten auf eine gezielte Maßnahme hin, um Umsatz und Gewinn betrügerisch zu steigern.« (frei übersetzt von mir)

Dan McCrum wirft Wirecard eine angebliche Bilanzfälschung vor. In der Vergangenheit gab es ähnliche Anschuldigungen. Deshalb ist die Aktie in diesem Jahr mehrmals abgestürzt. Daraufhin wurden Untersuchungen eingeleitet. Es hat zwar Unregelmäßigkeiten gegeben. Aber das Ausmaß war deutlich geringer, als es die Financial Times geschrieben hatte.

Deshalb hat sich die Aktie relativ schnell wieder erholt. Seit dem Tief im Februar 2019 ging es um über 50 % hoch. Die letzten 5 Monate schwankte Wirecard meist zwischen 140 und 160 Euro. Der Kurs schien sich beruhigt zu haben. Doch dann kam die Financial Times und das Ergebnis ist dir bekannt.

Interne Wirecard-Dokumente sollen auf überhöhte Umsätze in Dubai und Irland hinweisen. Es soll eine Bilanzfälschung vorliegen.

Anscheinend hat das ein Whistleblower der Financial Times verraten. Wirecard weist die Vorwürfe natürlich zurück. Die Vorwürfe sollen »falsch und verleumderisch« sein. So sagte es eine Sprecherin von Wirecard.

Sollte das wirklich stimmen, könnte die Aktie zum aktuellen Kurs ein Schnäppchen sein. Die Aktie wäre dann um über 10 % gefallen, obwohl gar nichts passiert ist. Ganz so einfach ist die Sache leider nicht.

Eine Aktie ist noch lange kein Kauf, nur weil der Kurs gefallen ist.

Als Anleger kann man ins fallende Messer greifen. Den Fehler sieht man immer wieder. Eine Aktie fällt um 10 oder 20 %. In Aktiengruppen kommt sofort die Frage, ob man jetzt einsteigen soll. Psychologisch ist das eine normale Reaktion. -20 % wirkt wie ein Schnäppchen. Das ist so, wie wenn du in einen Supermarkt gehst. Das Olivenöl ist 20 % reduziert? Super, das kommt in den Einkaufswagen, weil die Aktion morgen vorbei ist. Viele Anleger übertragen das Supermarkt-Prinzip auf Aktien. Das ist jedoch grundlegend falsch.

Wirecard hat viele Schnäppchen-Jäger angezogen. Hier siehst du die meistdiskutierten Wertpapiere auf Wallstreet:Online. Das ist Deutschlands größtes Börsenforum. Wirecard führt das Ranking ganz klar mit 266 Beiträgen an. Danach folgt Epigenomics mit 38 Beiträgen. Das ist ein extremer Unterschied. Epigenomics ist übrigens ein weiteres Beispiel für das Supermarkt-Prinzip. Die Aktie ist um über 8 % gefallen und schon kommen die Schnäppchen-Jäger hervorgekrochen.

Apropos Schnäppchen-Jäger und Aktien. Wenn du Aktien kaufst, solltest du deine Ordergebühren möglichst niedrig halten. Sonst schenkst du der Bank unnötig Geld und verringerst deine Rendite. Es gibt einen Broker, wo du Aktien und ETFs für nur 1 Euro handeln kannst:

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Schauen wir uns Wirecard einmal nüchtern an.

  1. Das Unternehmen wird regelmäßig von der Financial Times attackiert.
  2. Der Kurs stürzt regelmäßig ab.
  3. Es könnte Bilanzprobleme geben, wenn der Whistleblower Recht hat.

Wirecard sagt ausdrücklich, dass alles korrekt abläuft. Und bisher ist eher Wirecard im Recht. Aber muss ich mir dieses Theater als Anleger wirklich geben? Es gibt über 20.000 Aktien auf unserer Welt. Warum muss ich auf Krampf in ein Unternehmen investieren, das medial attackiert wird? In meinen Augen spricht für Wirecard nur ein einziger Grund.

Wirecard hat hervorragende Zukunftsaussichten. Bis 2025 möchte das Unternehmen seine Umsätze versechsfachen. 2018 erzielte Wirecard einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro. 2025 sollen es stolze 12 Milliarden Euro sein.

Hier das erwartete Umsatzwachstum bis 2021. Die Gewinne sollen ebenfalls ansteigen. Rein von der Erwartungen her ist Wirecard ein extrem spannendes Unternehmen.

Wachstumsunternehmen sind stark im Trend. Denk z. Bsp. an Tesla oder Amazon. Oder auch an Start-ups wie Beyond Meat. Solche Aktien stehen enorm im Medienfokus. Es gibt sehr viele Fans und die Aktien werden intensiv diskutiert. Über Beyond Meat kann man streiten. Die Aktie ist anfangs extrem gestiegen und nun dümpelt der Kurs nach unten. Eine Amazon ist jedoch eine klare Erfolgsgeschichte.

Jeff Bezos hat den Online Händler auf Wachstum getrimmt. Es wurden immer wieder neue Geschäftsfelder erschlossen. Selbst heute, wo Amazon in vielen Ländern nicht mehr wegzudenken ist, hat Jeff nur einen Gedanken: Wie kann er Amazon zu noch mehr Wachstum verhelfen?

Was macht Wirecard einzigartig?

Deutschland hat keine IT-Champions wie Amazon, Facebook oder Netflix. Klar, es gibt SAP. Aber ich spreche von IT-Unternehmen, die weltweit bekannt sind. Deutsche Social Media Plattformen sind gescheitert.

Okay, es gibt XING. Aber rein vom Umsatz her kann XING nicht einmal annähernd mit Facebook mithalten. Wobei wir da eher den Vergleich zum US-Business-Netzwerk LinkedIn ziehen müssen. LinkedIn kommt rund 2,7 Milliarden Euro. XING schafft nur 235 Millionen Euro. Aber Moment einmal!

Es gibt zwar keinen deutschen globalen IT-Startup-Champion. Doch es existiert ein versteckter Champion, nämlich Wirecard!

2018 hat Wirecard über 2 Milliarden Euro verdient. Genau deshalb findet Wirecard eine so große Beachtung. Es ist die Home Bias, also die Heimatverbundenheit. Weil du in Deutschland lebst, hast du eine engere Bindung zu deutschen Aktien. Vielleicht arbeitet ein Bekannter bei Wirecard. Oder bei einem anderen deutschen Unternehmen, wer weiß.

Genau wegen dieser Heimatverbundenheit investieren viele Anleger in deutsche Unternehmen. Sie glauben, sie können die Unternehmen besser einschätzen als ausländische Aktien. Schließlich hat man Daimler, Wirecard und Co. direkt vor der Nase. Außerdem wird man von den Medien regelrecht zu deutschen Aktien bombardiert.

Da sticht eine Wirecard als deutscher IT-Champion sofort hervor. Ein deutsches Unternehmen, das auf modernste IT-Technologie setzt und schnell wächst, das gibt es sonst kaum. SAP ist zwar auch bekannt, aber weniger sexy und die Software ist nur halb so spannend. Aber Wirecard ist ein moderner Zahlungsdienstleister.

Zu den Kunden zählen bekannte Unternehmen wie Visa, o2 und sogar TUI. Selbst der chinesische Bezahlsdienst Alipay arbeitet mit Wirecard zusammen.

Geschäftsmodell von Wirecard

Wirecard ist übrigens das Bindeglied zwischen Kunde und Händler. Kaufst du dir eine neuen Fernseher, kannst du das Gerät per Lastschrift, Paypal oder Kreditkarte bezahlen. Ganz schön viele Optionen! Der Händler müsste mit jedem Zahlungsservice für jedes Land einen eigenen Vertrag abschließen.

Das wäre ein gigantischer Aufwand. Allein bei den Kreditkarten gibt es American Express, Mastercard, Visa oder Diners Club. Und hier kommt Wirecard ins Spiel. Das Unternehmen bietet eine Bezahllösung aus einer Hand an.

Ich fasse zusammen:

  • Wirecard ist ein spannendes Wachstumsunternehmen. Die Zukunft könnte wirklich rosig aussehen.
  • Auf der anderen Seiten haben wir die Financial Times. Das Magazin attackiert Wirecard regelmäßig. Es ist sehr wahrscheinlich, dass da noch mehr kommt. Bisher hat Dan McCrum immer wieder einen weiteren Artikel nachgeschossen.

Irgendwo hat er etwas hervorgekramt. Ich gehe davon aus, dass in Zukunft weitere Wirecard-Artikel folgen werden (UPDATE: Das Video zum Artikel ist veröffentlicht, es kam tatsächlich jetzt eine negative News raus!). Und diese Artikel sollten wohl keine Lobpreisung für Wirecard sein.

Theoretisch kann auch gar nichts mehr kommen. Ich spekuliere hier gerade nur. Die Chancen für weitere Artikel stehen jedoch relativ hoch. Ich bin ja selber Journalist.

Wenn Dan McCrum etwas über Wirecard schreibt, löst er damit ein Medienecho aus. Wie jeder andere Journalist ist er auf Klicks angewiesen. So funktioniert die heutige Medienwelt. Dan McCrum erhält sehr viel Aufmerksamkeit für seine Wirecard-Artikel. Natürlich wird er weiterhin nach Wirecard-News graben und versuchen, weitere Whistleblower zu finden. Dan erhält sehr viele Klicks und sein Magazin wahrscheinlich neue Abonnenten.

Ich sage es ganz deutlich: Es wäre strategisch sehr dumm, die Wirecard-Story fallen zu lassen.

Genau dieser Aspekt wird von vielen Anlegern übersehen. Sie sehen den eingebrochenen Wirecard-Kurs und schauen sich das Wachstumspotenzial an. Man zählt 1 und 1 zusammen und die Aktie wird gekauft. Allerdings spielt die Financial Times eine wichtige Rolle. Kommt eine weitere News, stürzt die Aktie wieder von Neuem ab. Wie lange das Spiel weitergeht? Keine Ahnung. Die Wirecard-Veröffentlichungen von der Financial Times wirken sich nach wie vor auf den Kurs aus.

Deshalb würde ich Stand heute in die Wirecard Aktie einsteigen. In der Vergangenheit hat es Dan McCrum nicht bei einem Artikel belassen. Es kamen immer wieder neue Artikel heraus. Wirecard ist gerade extrem psychologisch getrieben. Deshalb ist die Charttechnik umso wichtiger.

Wann würde ich die Wirecard Aktie kaufen?

Kommen wir zum Bonus, meinem Einstieg. Da Wirecard psychologisch unter Druck steht, würde ich den Einstieg psychologisch planen. Und da ist die Charttechnik meiner Meinung nach das beste Mittel.

Wirecard befindet sich im langfristigen Abwärtstrend. Es wäre ein starkes Signal, wenn die Aktie über die rote Linie steigen könnte. Das kann jedoch etwas dauern. Deutlich spannender ist der kurzfristige Abwärtstrend. Dieser Trend könnte in wenigen Wochen durchbrochen werden. Dies ist die konservative Variante. Abwarten, bis der Abwärtstrend positiv durchbrochen wird. Dann setzt ein neuer Aufwärtstrend ein.

Ich finde jedoch eine andere Variante viel spannender. Dan haut regelmäßig negative News raus. Bei den letzten Attacken nahm der Einfluss auf den Kurs von News zu News ab. Der Effekt verpuffte. Ich glaube, es könnte noch eine weitere News kommen. Und genau dafür kann man jetzt ein Kauflimit einstellen und einfach abwarten.

Als Abstauberlimit bietet sich der Bereich bei ungefähr 90 bis 100 Euro an. Dahin könnte der Kurs fallen, vllt. kurzfristig sogar tiefer.

Theoretisch kann man auch jetzt einsteigen, wenn man an Wirecard glaubt und mehr als 5 Jahre halten möchte. Ich persönlich steige aber nicht auf Spaß ein.

Ich mache mir klare Pläne und da sehe ich aktuell zwei Chancen:

  1. Wenn der erwähnte Abwärtstrend durchbrochen wird.
  2. Ein Abstauberlimit bei um die 90 bis 95 Euro herum.

Ich persönlich warte auf das Abstauberlimit. Kommt es nicht, überlege ich mir einen Einstieg, wenn der kurzfristige Abwärstrend durchbrochen wird.

Rechtlicher Hinweis: Jegliche Informationen in diesen Beitrag dienen nur der Information und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Es wird keine Gewähr für die Richtigkeit der Inhalte übernommen, sie können komplett falsch sein.

1 Kommentar
  • Antworten IMHAMSTERRAD

    18. Oktober 2019, 18:55

    Schön, mal wieder einen etwas kritischeren Beitrag zu Wirecard zu lesen, die meisten hypen Wirecard nur. Ich glaube auch, dass es noch weiter abwärts geht. Langfristig kann es gut werden, wenn man günstig einsteigt und nichts dran ist an den Vorwürfen, sehe ich auch so. Wenn doch was dran ist, gehts richtig ab nach unten. Das Unternehmen ist spannend, aber noch viel zu hoch bewertet.

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